Das war alles so nicht geplant. „Überhaupt nicht!“ bekräftigt Alice Höpker. Die 28-Jährige ist gemeinsam mit ihrer knapp zwei Jahre älteren Schwester Florentine seit 1. Januar 2017 Geschäftsführerin des traditionsreichen Café Höpker in Fischbach. Schwester Sophie, 26, ist bei den beiden angestellt und macht das Trio komplett. Zwar wuchsen die Schwestern im Siedlungshaus im Birnauweg auf und waren von Klein auf in Café, Küche und Backstube unterwegs. Später auch als Aushilfen. Aber den Laden übernehmen? Das war nie Thema.

„Dann war klar: Das ist es, was mich erfüllt“

Und dann kam alles anders: Vater Heinz Höpker pflegte seine Mutter, als sie im Sterben lag. „Dann dachte ich mir: Bevor mein Papa auch noch umkippt bei der Doppelbelastung durch Geschäft und das Pflegen, komme ich und helfe aus“, erinnert sich Alice Höpker. „Nur für ein paar Monate.“ Alle Drei lachen. Nur für ein paar Monate. Dann merkte sie: Das ist es. Das ist es, was mich erfüllt. Warum diese Erkenntnis so spät kam, weiß sie selbst nicht so richtig.

Die drei Schwestern hatten ihre Ausbildungen außerhalb der Gastronomie absolviert. Was sie hier tun, „das ist angeboren“, sagt Florentine Höpker. „Schon von klein an haben wir Gläser und Besteck poliert“, ergänzt Küchenchefin Alice Höpker.

Hören Sie hier die Schwestern in unserer Audio-Datei:

 

 

Es sei auch immer klar gewesen, wer was macht: Alice Höpker ist in Backstube und Küche zuständig, Florentine ist Servicechefin und fürs Personal zuständig, Sophie macht Theke und Laden. Ohne den Vater im Hintergrund hätten sie es aber nicht gemacht, da sind sie sich einig.

 

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„Man muss schon auch kämpfen“

Gästen fällt immer mal wieder die Kinnlade runter, wie Service-Chefin Florentine Höpker schmunzelnd erzählt. Nach dem typischen Satz „Ich möchte mit dem Chef sprechen!“ wundern sie sich offenbar darüber, dass eine junge Frau an den Tisch kommt. „Da muss man schon mal kämpfen.“ Dieses Phänomen führen die Schwestern allerdings eher auf ihr Alter als auf ihr Geschlecht zurück. Und sie können darüber meist schmunzeln – oder zumindest die Schultern zucken. „Man wird oft nicht ernst genommen. Wenn unser Vater mit im Laden ist, kommen immer wieder Leute, die ihn für zuständig halten“, beschreibt Alice Höpker. Ab und zu kommt es aber doch zu ärgerlichen Situationen: Bei einem Großkunden – die Konditorei beliefert andere Betriebe mit Kuchen und Torten -, der beharrlich weiter ausschließlich mit Heinz Höpker sprechen wollte, wenn es ums Geschäftliche ging, mussten die Schwestern auf die Barrikaden gehen. Am Ende kam es tatsächlich zum Schwur – zu einer Aussprache und einer klaren Ansage: Wir sind jetzt zuständig. Wenn Sie das nicht wollen, dann eben nicht. „Das hat ganz schön Mut erfordert“, sagt Sophie Höpker, die Jüngste im Bunde.

Das Café Höpker in Fischbach.
Das Café Höpker in Fischbach. | Bild: Jan Heinrich

Vater Heinz Höpker ist inzwischen bei seinen Töchtern angestellt. „Er war ganz froh, dass er die Verantwortung abgeben konnte“, sagt Sophie Höpker. Denn er hatte den Laden stets allein gemanagt und die Arbeitslast, die seine Töchter nun unter sich aufteilen können, allein geschultert.

„Frauen haben sicher mehr Feingefühl“, findet Sophie Höpker. „Wir achten alle aufeinander, schauen, wie es allen geht.“
„Frauen haben sicher mehr Feingefühl“, findet Sophie Höpker. „Wir achten alle aufeinander, schauen, wie es allen geht.“ | Bild: Jan Heinrich

Blick in die Zukunft

Wie sorgenvoll ist der Blick in die Zukunft? Denn jede der Schwestern sagt ganz klar: Ich will Familie haben. „Mir bereitet das schon Sorgen“, sagt Alice Höpker. Wie wird das alles? Wie soll das funktionieren? „Man kann das ja alles nicht planen, weiß nicht, wie lange man arbeiten kann und so weiter.“ Die Gedanken, Fragen und Sorgen, die vermutlich so ziemlich jede Frau hat, werden in der Selbstständigkeit und mit Verantwortung für mehr als 30 Angestellte doch noch potenziert. Die Grundeinstellung ist aber: „Das wird schon alles irgendwie klappen.“

Florentine Höpker sagt: „Mädchen werden anders erzogen: Du musst auf eigenen Beinen stehen – mach dich niemals abhängig von einem Mann – du musst tough sein – du kannst Kinder haben, dabei aber bitte arbeiten gehen.“
Florentine Höpker sagt: „Mädchen werden anders erzogen: Du musst auf eigenen Beinen stehen – mach dich niemals abhängig von einem Mann – du musst tough sein – du kannst Kinder haben, dabei aber bitte arbeiten gehen.“ | Bild: Jan Heinrich

Für Sophie war diese Ausgangslage einer der Gründe, in den Familienbetrieb einzusteigen. An ihre Schwestern gerichtet sagt sie: „Ich wollte es euch nicht schwerer machen, als es sowieso werden wird, wenn alle Familie haben.“ Also habe sie sich gesagt: Ich will, dass meine Schwestern sich auch irgendwann einmal rausnehmen können, dabei möchte ich sie unterstützen.

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Was können Frauen besser?

In welchen Bereichen des Chef-Seins sind Frauen besser? Da, wo es menschelt? Wo es um offene Worte, Kommunikation und Transparenz geht? Klares Ja von allen Dreien. „Frauen haben sicher mehr Feingefühl“, findet Sophie Höpker. „Wir achten alle aufeinander, schauen, wie es allen geht.“ An dieser Stelle im Gespräch kommt Vater Heinz Höpker zufällig vorbei. Er sieht die Stärke der Frauen im Geschäftlichen ebenfalls auf der Gefühlsebene. „Das Gespür, mit Leuten umzugehen – da ist man als Mann vielleicht harscher.“ Es gebe sicher Situationen, in denen die Männer schneller „durchgehen“. Frauen seien da einfach diplomatischer.

„Wir werden schon manchmal belächelt“, beschreibt Alice Höpker. „Viele meinen vielleicht auch, wir hätten das hier geschenkt bekommen und mussten nichts dafür tun.“
„Wir werden schon manchmal belächelt“, beschreibt Alice Höpker. „Viele meinen vielleicht auch, wir hätten das hier geschenkt bekommen und mussten nichts dafür tun.“ | Bild: Jan Heinrich

„Viele Jungs werden groß gestreichelt“

Florentine Höpker ist sich außerdem sicher, dass Frauen einfach tougher sind. Die anderen beiden nicken. „Das liegt aber sicher auch daran, dass viele Jungs groß gestreichelt werden. Die werden von ihren Müttern so lange bemuttert, dass sie sich extrem schwertun, wenn sie auf einmal selber klar kommen müssen.“ Schwester Sophie ergänzt: „Die ziehen bei der Mutter aus und bei der Freundin ein.“ Das Leben werde den Jungs oft sehr angenehm gemacht. Dieses Phänomen beobachten die Drei in ihrer Generation tatsächlich häufig. „Mädchen werden anders erzogen: Du musst auf eigenen Beinen stehen – mach dich niemals abhängig von einem Mann – du musst tough sein – du kannst Kinder haben, dabei aber bitte arbeiten gehen“, fasst die älteste Schwester zusammen.

„Das Café Höpker ist nur wegen Frauen so, wie es ist“

„Ich glaube, das Café Höpker ist nur wegen Frauen so, wie es ist. Das Kleine, Feine. Hier noch ein bisschen Deko, mit viel Liebe in allen Ecken“, sagt Sophie Höpker. „Der Sinn fürs Schöne“, ergänzt Florentine Höpker. „Das ist vielen Männern egal.“

Emilie Höpker eröffnete 1953 im Siedlungshäuschen im Birnauweg in Fischbach das Café mit Konditorei.
Emilie Höpker eröffnete 1953 im Siedlungshäuschen im Birnauweg in Fischbach das Café mit Konditorei. | Bild: Jan Heinrich

Seit die beiden älteren Schwestern die Verantwortung für den Betreib übernommen haben, kamen mit der Verantwortung auch Neider. Missgunst ist immer ein Thema. „Wir werden schon manchmal belächelt“, beschreibt Alice Höpker. „Viele meinen vielleicht auch, wir hätten das hier geschenkt bekommen und mussten nichts dafür tun.“ Natürlich sei die Verantwortung manchmal auch eine Bürde, natürlich gebe es auch Tage, an denen es einfach zu viel werde.

Sind sie stolz auf das, was sie tun? Alice Höpker zögert keine Sekunde: „Doch, schon. Ich glaube, es wäre schlimm, wenn keiner von uns den Laden übernommen hätte.“

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