Das Thema entsetzt und wühlt auf. In der Blackbox der Zeppelin Universität wurde am Donnerstag so lebhaft diskutiert, dass die moderierende Gleichstellungsbeauftragte Stephanie Nau Mühe hatte, Ordnung in die vielen Wortmeldungen aus dem Publikum zu bringen.

Kinderprostitution gibt es überall

Damit hat die Fotografin und Journalistin Lena Reiner ihr Ziel erreicht. Weltweit gibt es kein Land, keine Stadt ohne Kinderprostitution, nur dass das kaum jemanden interessiert. Lena Reiner will das ändern, wenigstens in Friedrichshafen. Deshalb hat sie zu dieser Podiumsdiskussion eingeladen und mit Schülerinnen von St. Elisabeth eine Fotoserie produziert, die die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger thematisiert. Ab Dienstag, 16. Oktober, werden fünf der Motive als Großplakate an belebten Orten im Stadtgebiet hängen.

Eines der Motive, mit denen in Friedrichshafen auf das Thema sexuelle Ausbeutung Minderjähriger aufmerksam gemacht wurde.
Eines der Motive, mit denen in Friedrichshafen auf das Thema sexuelle Ausbeutung Minderjähriger aufmerksam gemacht wurde. | Bild: Lena Reiner

Preise in den Häfler Bordellen sind niedrig

Denn, wer hätte es gedacht: Auch Friedrichshafen ist keine Insel der Seligen. Ganz im Gegenteil: Da es die einzige Stadt im Bodenseekreis ist, die mehr als 30 000 Einwohner hat, dürfen auch nur hier Bordelle betrieben werden. Es sind die bekannten großen Häuser und jede Menge Wohnungsbordelle, im Winter werden sogar leerstehende Ferienwohnungen zweckentfremdet. Messe, Flughafen und Tourismus spülen zusätzliche Freier in die Stadt, deshalb sind hier die Preise niedrig. Das wiederum lockt Männer aus der Schweiz, Österreich und Liechtenstein. "Frauen sind hier so leicht und günstig zu haben wie eine Pizza, aber die meisten Prostituierten sind in einem katastrophalen Zustand", sagt Veronika Wäscher-Göggerle, die Frauen- und Familienbeauftragte des Bodenseekreises, der dieses Thema am Herzen liegt. Sie hat Razzien begleitet und war erschüttert, wie viele Minderjährige mit gefälschten Pässen unter den Frauen waren.

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Zahl der Teenager bei Prostituierten steigt

Bundesverdienstkreuzträgerin Inge Bell von Terre des Femmes weiß: "Prostitution ist zu über 90 Prozent Zuhältergetrieben. Die meisten Frauen kommen über Menschenhändler aus Slowenien und Bulgarien, angelockt mit falschen Versprechen." In Deutschland wächst zudem die Zahl der Teenager, die in die Fänge von Loverboys und so in die Prostitution geraten. Davor sei kein Mädchen sicher, warnt Bell. Die "Bono Direkthilfe" hat Lena Reiner inspiriert, sie bietet von Menschenhandel betroffenen Frauen und Kindern in Nepal und Indien Hilfe und Schutz. Veronika Wäscher-Göggerle will erst Ruhe geben, wenn es auch hier ein Hilfsprogramm für Prostituierte gibt und Lena Reiner sagt: "Es geht um eine Welt ohne Prostitution. Der Weg dahin ist nicht die Prostituierten zu bestrafen, sondern die Freier."