Einstimmig begrüßten die Mitglieder des Technischen Ausschusses des Gemeinderats am Dienstagabend den Architekten-Wettbewerb, den das Siedlungswerk für das Gebiet "Jettenhauser Esch" plant. In dem neuen Häfler Stadtquartier, das hier entstehen soll, könnten rund 520 Menschen wohnen, wie Klaus Sauter, Chef des Stadtplanungsamtes, sagte. In vier bis fünf Jahren könnten die Wohnungen bezugsfertig sein, beschrieb Florian Bertz vom Projektmanagement des Siedlungswerks den Zeithorizont.

Erster Schritt auf dem Weg zum neuen Stadtquartier ist der städtebauliche Architekten-Wettbewerb, zu dem 20 Planungsbüros zugelassen werden. Das Preisgericht soll am 9. Februar 2018 tagen und den Sieger ermitteln. Dessen Entwurf soll dann die Basis für einen für dieses Gebiet nötigen Bebauungsplan bilden. Mit dem Bebauungsplan wird sich der Gemeinderat voraussichtlich ab dem Frühjahr kommenden Jahres beschäftigen. Nach den Leitlinien des Siedlungswerks sollen 30 Prozent der Wohnungen, die hier gebaut werden, preisgünstig – sprich gefördert – sein. 100 solcher Wohnungen soll es geben, 25 Mietwohnungen sollen über den freien Markt angepriesen werden. Und 250 Eigentumswohnungen sollen verkauft werden. Das Gelände, auf dem das Siedlungswerk bauen will, gehört diesem bereits.

Eingebunden in die Planungen für das Gebiet "Jettenhauser Esch", das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Werk 2 der ZF befindet, ist auch ein Konzept für einen Lebensmittelladen. Platz soll dieser anstelle des leer stehenden Lebensmittelmarktes an der Pacellistraße finden. Wie Klaus Sauter, Chef des Stadtplanungsamtes, die Mitglieder des Technischen Ausschusses informierte, würde der Eigentümer des Areals mit der Stadt in dieser Frage an einem Strang ziehen. Sauter erhofft sich durch einen neuen Lebensmittler an dieser Stelle eine Verbesserung der Infrastruktur für das gesamte Gebiet, also auch die angrenzende, bestehende Bebauung.

Quer durch alle Fraktionen stießen die Planungen des Siedlungswerks auf große Zustimmung. Heinz Tautkus (SPD) reklamierte allerdings angesichts dieses neuen Stadtquartiers, dass die Verwaltung sowohl eine Verkehrsleitplanung wie auch eine Gesamtschau auf die gesamte Stadt vorlegen solle. Die heutige Verkehrssituation an der Kreuzung an der Ludwig-Dürr-Schule sei ja schon eine Tragödie. Er forderte eine weitsichtige Planung, die auch künftige, durch das neue Stadtquartier ausgelöste Verkehrsströme berücksichtige. Daniel Oberschelp (CDU) forderte ähnlich wie Tautkus sowohl eine Ist- wie auch eine Potenzial-Analyse, die in einem großen Maßstab Baugebiete und deren Verkehrswirkungen beleuchteten. Norbert Fröhlich (CDU) unterstützte Oberschelp. In zwei Monaten will Baubürgermeister Stefan Köhler eine "grobe Analyse" vorlegen. Er sagte, an der Ludwig-Dürr-Schule werde es sicher einen Kreisverkehr geben, bevor das "Jettenhausener Esch" bebaut sei.

Zum Unternehmen

Der größte Anteilseigner des Siedlungswerks Stuttgart ist mit 75 Prozent das katholische Bistum Rottenburg-Stuttgart. Die restlichen 25 Prozent hält die Landesbank Baden-Württemberg. Die Bilanzsumme des Siedlungswerks lag 2016 bei 528 Millionen Euro. Seit Bestehen hat das Unternehmen 30 000 Wohnungen gebaut. Insgesamt verfügt das Siedlungswerk zurzeit über rund 5000 Wohn- und Gewerbeeinheiten. Von den rund 4800 Wohnungen, die heute noch dem Unternehmen gehören, ist die Hälfte dem geförderten Wohnraum zuzurechnen, wie Florian Bertz vom Siedlungswerk den Mitgliedern des Technischen Ausschusses am Dienstagabend erklärte. Einer der Grundsätze des Siedlungswerks sei es, sozial gemischte Wohnquartier zu schaffen.