Erst vor einem Monat fand der symbolische Spatenstich für das Neubauprojekt im Hägleweg statt. Bauträger Real Massiv aus Markdorf realisiert auf dem 8 500 Quadratmeter großen Gelände insgesamt 98 Eigentumswohnungen in vier Gebäuden.

Viele der Wohnungen werden bereits zum Verkauf im Internet und von der Sparkasse Bodensee angeboten, die Preise beginnen bei 232 300 Euro für eine 2-Zimmer-Wohnung bis hin zu einer 4-Zimmer-Wohnung für 807 700 Euro. Penthouse-Wohnungen gibt es ebenfalls – die Kosten dafür werden auf Nachfrage interessierter Käufer bekannt gegeben.

Viele Häfler sind auf der Suche nach Wohnraum

Werden neue Projekte bekannt wie dieses in Jettenhausen, schlagen die Wogen schnell hoch. "Können die nicht mal Wohnungen für den Mittelstand bauen" oder "Wohnungen, in denen wir normale Bürger, die arbeiten, nie bekommen werden", heißt es beispielhaft für viele in den Kommentaren zum Spatenstich-Artikel auf unserer Facebook-Seite. Tatsächlich steigen die Kosten sowohl für Eigentum als auch für Mietwohnungen nicht nur in der Zeppelinstadt seit Jahren.

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Stadt prüft derzeit welche Wohnungen in Frage kommen

Im "Karree vier" werden aber auch Wohnungen mit Mietpreisbindung entstehen, auch wenn das auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Das bestätigte Stephan Fenchel, Geschäftsführer der Real Massivbau, auf Nachfrage des SÜDKURIER. "Allerdings steht zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht fest, wie viele der 98 Wohneinheiten tatsächlich mietpreisgebundener Wohnraum sein werden", erklärt Fenchel. Denn die Stadt Friedrichshafen prüfe derzeit, welche Wohnungen dafür in Frage kämen. "Es gibt genaue Vorgaben, wie diese Einheiten auszusehen haben, etwa dürfen sie eine bestimmte Größen nicht überschreiten", so Fenchel weiter.

Entwurf eines der neuen Gebäude im Hägleweg in Jettenhausen. Insgesamt sollen hier 98 Wohnungen entstehen. Wie viele mietpreisgebunden sein werden, steht noch nicht genau fest. <br /><br />
Entwurf eines der neuen Gebäude im Hägleweg in Jettenhausen. Insgesamt sollen hier 98 Wohnungen entstehen. Wie viele mietpreisgebunden sein werden, steht noch nicht genau fest. | Bild: Architekten Plösser

Zum Hintergrund: Die Stadt Friedrichshafen hatte im Mai 2017 die umstrittene Sozialquote beschlossen. Schafft ein Bauherr neuen Wohnraum oder wird bestehendes Baurecht wesentlich geändert, müssen 25 Prozent der neu geschaffenen Geschossfläche mietpreisgebunden, also Sozialwohnungen, sein. Die Bindung läuft dabei auf 25 Jahre. Die Stadt Friedrichshafen bestätigte gegenüber dem SÜDKURIER, dass diese Sozialquote auch für das Neubauprojekt "Karree vier" gelte. "Im Durchführungsvertrag wurde diese Quote vertraglich fixiert. Es ist möglich, dass der Bauträger eine Wohnung mit der Mietpreis- und Belegungsbindung verkauft, dann geht diese auf den Käufer über", erläutert Andrea Kreuzer, Pressesprecherin der Stadt.

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Stephan Fenchel betont allerdings, dass die Wohnungen mit Mietpreisbindung wohl nicht in den offenen Verkauf gehen werden. "Wahrscheinlich werden diese in unserem Bestand gehalten und von uns vermietet", erklärt Stephan Fenchel, Geschäftsführer der Real Massivbau. Klar sei das aber alles noch nicht, weil eben auch noch nicht klar sei, für wie viele Wohneinheiten genau eine gedeckelte Miete gelte.

Für den Bauherren gäbe es aber noch weitere Möglichkeiten, den Anforderungen der Stadt gerecht zu werden. Wer keinen mietpreisgebundenen Wohnraum im Neubauprojekt schaffen will, kann beispielsweise auch eine Ausgleichszahlung leisten.
Diese fließt zweckgebunden in einen Topf, aus dem beispielsweise
Wohnungsbaugesellschaften, die verstärkt Sozialwohnungen schaffen, Gelder erhalten. Andere Varianten sehen vor, die Quote bei einem anderen Neubauprojekt zu erfüllen oder der Stadt ein Grundstück abzutreten. "Alle das werden wir beim 'Karree vier nicht' anwenden", bestätigt Bauherr Stephan Fenchel. Ab 2021 werden sich so einige Häfler über kostengünstige Wohnungen freuen können.

Weitere Neubau-Vorhaben

Derzeit wird an vielen Stellen gebaut, manche Projekte starten im nächsten Jahr. Eine Auswahl:

  • Allmannsweiler Südost: Auf einer Fläche von 8 044 Quadratmetern werden auf dem Gelände rund um die Eintrachtstraße in den nächsten Jahren rund 120 neue Wohnungen entstehen, dreißig Prozent davon (36 Wohnungen) müssen als sozialer Wohnraum realisiert werden.
  • Fallenbrunnen Mitte: Auf der 1,5 Hektar großen Fläche wird die Städtische Wohnbaugesellschaft ab 2019 mehrere Gebäude bauen, insgesamt sollen rund etwa 20 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen, die für Wohnraum aber auch Gewerbe gedacht sind.
  • Riedleparkstraße: Die Fränkel AG errichtet derzeit zwei Häuser mit Platz für 32 Wohnungen und Gewerbeflächen. Die Wohnungsgrößen reichen laut Fränkel AG von 52 Quadratmetern bis hin zu 102 Quadratmetern.
  • Jettenhausen: Das Siedlungswerk Stuttgart will ab 2021 ein komplettes neues Stadtquartier bauen. 400 neue Wohneinheiten sollen hier entstehen: etwa 25 Doppel- und Reihenhäuser, Eigentumswohnungen und rund 100 Mietwohnungen, die überwiegend preisgebunden sein sollen.
  • Paulinenstraße: Die Firma IBG Ostermann Wohnbau baut derzeit in vier Häusern 25 Eigentumswohnungen: 2-, 3- und 4-Zimmer-Wohnungen mit Größen von 63 bis 128 Quadratmeter Wohnfläche. Die meisten wurden bereits verkauft.