Das Netzwerk für Friedrichshafen macht ernst und tritt mit einer kompletten Kandidatenliste für die Gemeinderatswahl an. Bei der Nominierungsversammlung am Dienstagabend im Rathauscafé wurde der Netzwerk-Gründer und OB-Kandidat von 2017, Philipp Fuhrmann, an die Spitze der neuen Bürgerliste gewählt. Die hat ein ehrgeiziges Ziel und will auf Anhieb mindestens mit Fraktionsstärke in den Gemeinderat einziehen. „Im Rathaus sind wir schon“, sagte Philipp Fuhrmann nach gut zweieinhalb Stunden in Anspielung auf den Versammlungsort. „In den nächsten zwei Monaten wollen wir zwei Stockwerke höher.“

"Der Stadt die Seele zurückgeben"

Für den Frontmann des Netzwerks war der Blick in die Runde äußerst befriedigend. Es sei keine Selbstverständlichkeit, so viele Mitstreiter außerhalb der etablierten Parteien zu finden. Dafür sei er dankbar, sagte Philipp Fuhrmann. Er sieht den gemeinsamen Antrieb in dem Gefühl, „dass die Stadt unter ihrem Potenzial regiert, verwaltet und gestaltet wird“. Auch wenn er dafür bekannt sei, mit scharfer Zunge Leute gegen sich aufzubringen, trete er doch an, um für etwas zu sein: für eine am Gemeinwohl orientierte, gedeihliche Entwicklung Friedrichshafens. „Wir wollen unserer Stadt die Seele zurückgeben“, sagte der 50-Jährige pathetisch. Das Wahlprogramm stehe.

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Ex-Manager von ZF auf Platz 4

Das „Netzwerk für Friedrichshafen“ trete als nicht Mitglieder-organisierte Wählervereinigung an, weshalb nur die Spielregeln des Kommunalwahlgesetzes, aber keine Parteisatzung oder dergleichen zu beachten sind, erklärte Wahlleiterin Birgit Kubalczyk. Wählbar ist also jeder, der mindestens 18 Jahre alt und Häfler mit Erstwohnsitz ist. Und wer durfte über die Kandidatenliste abstimmen? Die grüne Gemeinderätin Regine Ankermann jedenfalls nicht, die beim politischen Mitbewerber spickelte. Schließlich habe Philipp Fuhrmann, der Parteimitglied der Grünen ist, bei der Kandidatenkür der Ratsfraktion mitgestimmt. Beim Netzwerk wurde festgelegt, dass nur Anhänger wählen dürfen, die sich bis 17.30 Uhr am Dienstag angemeldet hatten. Das waren 28 Personen. Die Listenplätze wurden in drei Blöcken gewählt: Die ersten Zehn, Platz elf bis 40 und acht Nachrücker.

Platz 1: Philipp Fuhrmann, 50 Jahre
Platz 1: Philipp Fuhrmann, 50 Jahre | Bild: Cuko, Katy
Platz 2: Simon Wolpold, 27 Jahre
Platz 2: Simon Wolpold, 27 Jahre | Bild: Cuko, Katy
Platz 3: Simona Sohm, 56 Jahre
Platz 3: Simona Sohm, 56 Jahre | Bild: Cuko, Katy

Zwei Namen im ersten Listenblock lassen aufhorchen, weil sie schon sogenannte Personen des öffentlichen Lebens waren, für das Netzwerk bisher aber nicht in Erscheinung getreten sind: Jürgen Holeksa, bis September 2018 Personalvorstand bei der ZF Friedrichshafen AG, und Jürgen Hauke, bis 2015 acht Jahre lang Geschäftsführer der VfB Volleyball GmbH.

Platz 4: Jürgen Holeksa, 53 Jahre
Platz 4: Jürgen Holeksa, 53 Jahre | Bild: Cuko, Katy

Der 53-jährige frühere ZF-Manager, der nie ein Parteibuch gehabt habe, erklärte seine Kandidatur – wie die meisten „Netzwerker“ – mit einer breiten Unzufriedenheit über die Stadtentwicklung und -gestaltung in den vergangenen Jahren. Als er 2010 mit seiner Familie von Stuttgart nach Friedrichshafen zog, sei er überrascht gewesen, was Friedrichshafen alles habe: Messe, Flughafen, Industrie – und den See natürlich. Für ihn „das Paradies“. Nur sei hier bei genauem Hinsehen eher „tote Hose“. „Friedrichshafen kann mehr“, ist Holeksas Wahlspruch auf Listenplatz 4.

Jürgen Hauke, 55 Jahre, erinnerte sich an eine schöne Kindheit im schönen Friedrichshafen und hält heute manches in der Stadt für unterirdisch, so die EDV-Ausstattung mancher Schule und eine Sportlerehrung in der „Viehmarkthalle“ in Ettenkirch, die dem Anlass nicht gerecht werde. Die Ehrung gehört für ihn ins Graf-Zeppelin-Haus, „so wie früher“.

Breites Spektrum an Kandidaten

Bezeichnend für die Netzwerkliste sind Kandidaten, die ein breites Spektrum der Stadtbevölkerung abbilden und mit großer Mehrheit politische Neulinge sind. Vom 18-jährigen Schüler bis zum 84-jährigen früheren Architekten vereint die Bürgerliste Häfler, die nur einen Fokus haben: ihre Stadt. Und die habe in den vergangenen Jahren gelitten, ging aus vielen Wortmeldungen hervor. Für den jungen Landwirt Simon Wolpold etwa muss die Stadt grüner und ökologischer werden, bewirtschafteter Boden mehr sein als "Platzhalter für die nächsten Baugebiete". "Wir sind achtlos mit der Stadt umgegangen", findet Simona und nennt als Beispiel den massiven Neubau an der Riedleparkstraße, der dort nicht hinpasse.

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Legt das "Netzwerk für Friedrichshafen" jetzt noch 100 Unterschriften von Unterstützern vor, wie es das Wahlgesetz für neue Listen vorschreibt, ist die Bürgerliste am 26. Mai mit am Start. Bis dahin hat Philipp Fuhrmann das Motto "100 mal 100" ausgegeben. Wenn die Netzwerker an jedem der 100 Tage bis zur Wahl 100 Wähler mobilisieren können, "dann sind wir richtig stark."

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