Ein 30-Jähriger bringt die Stimmung auf den Punkt: "Hört euch mal den Song 'Friedhofshafen' an, da stimmt jedes Wort." Wenn er mit seinen Freunden ausgeht, dann sicher nicht in Friedrichshafen. "Wenn hier mal etwas los ist, steht sicher gleich einer mit einem Lärmmessgerät an der Ecke", sagt er. Er habe den Eindruck, die Stadt solle planmäßig zum Anziehungspunkt für Touristen und Rentner ausgebaut werden. Die Open-Air-Konzerte am Graf-Zeppelin-Haus seien ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.

"Friedrichshafen hat an Qualität verloren"

Weitere Schritte hat sich die 31-jährige Alissa Linz ausgedacht: Mehrere Seiten hat sie mit Vorschlägen gefüllt, wie die Innenstadt mit Engagement und wenig Geld belebt werden könnte. "Ich bin Häflerin mit Herz und Seele und habe schon lange auf so eine Veranstaltung gewartet", sagt sie. Sie könnte sich eine Narrenmesse um den 11.11. vorstellen, bei der Fasnetsvereine feiern, Mitglieder werben und sich vernetzen können. Oder eine Verlegung der Eisbahn vom Buchhornplatz auf den Adenauerplatz. "Dann kommen die Gäste schon an vielen Läden vorbei", sagt sie. "Friedrichshafen hat an Qualität verloren", sagt Sieglinde Ege, die lange selbstständig war und jetzt im Stadtforum mitarbeitet. "Es fehlt die Kreativität und die Leidenschaft, hier etwas zu ändern." Städtebauliche Chancen wie das Schöllhorn-Areal oder auch das Grundstück des jetzigen Schuhauses Trapp würden nicht zur Weiterentwicklung genutzt.

Der Uferpark ist ein wichtiger Teil der Debatte um die Entwicklung der Innenstadt. Hier Landschaftsarchitekt Sigurd Henne (links), Vorsitzender des Preisgerichts für den Ideenwettbewerb zur Neugestaltung des Uferparks, bei der Präsentation des Siegerentwurfs.
Der Uferpark ist ein wichtiger Teil der Debatte um die Entwicklung der Innenstadt. Hier Landschaftsarchitekt Sigurd Henne (links), Vorsitzender des Preisgerichts für den Ideenwettbewerb zur Neugestaltung des Uferparks, bei der Präsentation des Siegerentwurfs. | Bild: Cuko, Katy

Die SPD Friedrichshafen hat zum Salon Rouge ins Café Gessler geladen. Zum Einstieg in das Thema Uferpark und Innenstadtentwicklung stellt SPD-Vorstandsmitglied Ulrich Bernard die Entwürfe zum Uferpark vor. "Die Entwürfe dürfen sich nicht nur auf den Park konzentrieren. Es geht auch um die Entwicklung von Urbanität", sagt Bernard. Die Beziehungen zum Bahnhof und zur Altstadt sollten stärker werden.

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"Strategisches Gesamtkonzept fehlt"

Für einen weiteren Impuls hat Luca Baumann, stellvertretender SPD-Vorsitzender in Friedrichshafen, Stimmen von Gewerbetreibenden in der Innenstadt gesammelt. Diese kritisieren Verkehrsengpässe, das Fehlen eines weiteren Einzelhandelsmagneten und zu wenig Kultur im öffentlichen Raum. "Ein strategisches Gesamtkonzept mit Zukunftsentwürfen für die Innenstadt fehlt", sagt Baumann. Martin Riethmüller, Geschäftsführer von Ravensbuch, schließt sich dem an. "Ich kenne unsere Läden und die Situation in Ravensburg, Tettnang und Friedrichshafen. Hier fehlt die Idee, das Konzept", sagt er. Zudem seien bürokratische Hürden in Friedrichshafen hoch. "In den anderen Läden haben wir eine Abholbox, da können die Kunden jederzeit mit einer PIN ihre Bücher abholen. In Friedrichshafen müsste ich dafür erst mal einen Stapel Formulare ausfüllen."

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Sichtachsen zum See schaffen

Neben Kritik haben die Teilnehmer konkrete Ideen: "Ich war im Urlaub auf den Kapverden, da ist es sauberer als hier", sagt eine Dame aus der Runde. "Warum stellt die Stadt nicht einen Müllmann ein, der auch außerhalb der Abholzeiten sauber macht?" Bernd Caesar aus Kluftern möchte die Teilung der Stadt durch die Schienen mildern, in dem mehr Übergänge geschaffen werden. Auch möchte er an mehr Stellen den Bezug zum See stärken. "Der See ist das, was Friedrichshafen auszeichnet. Wir müssen da Sichtachsen schaffen", sagt er. "Verwaltungen arbeiten träge, das ist nicht nur hier so. Aber ich habe viel mitgenommen", sagt SPD-Gemeinderätin Gabriele Pferd am Ende der Diskussion.

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Wünsche und Vorschläge

  • Kümmerer: Ein gemeinsamer Wunsch aller Teilnehmer ist die Installation eines "Kümmerers". Er sollte von der Stadt bezahlt werden, aber von der Verwaltung unabhängig und für Themen der Stadtentwicklung ansprechbar sein.
  • Innenstadt: Das Stadtforum hält interessante Gastronomie- und Einkaufsangebote und eine ansprechende Gestaltung des Stadtgrüns für entscheidend, um die Innenstadt aufzuwerten.
  • Bürokratie: Die Gewerbetreibenden klagen über zu viel Bürokratie und ein fehlendes Gesamtkonzept für die zukünftige Gestaltung der Innenstadt. Verwaltung, Gewerbe, Kulturschaffende und Bürger sollten in der Gestaltung dieses Raums stärker zusammenarbeiten, sie könnten sich die Einrichtung einer Einkaufspassage im alten Zollhaus und Kulturveranstaltungen auf dem Adenauerplatz vorstellen.
  • Ausgehen: Jüngeren Bürgern fehlen vor allem Ausgehmöglichkeiten. Sie wünschen sich Infoveranstaltungen der Stadt zu Uhrzeiten, während der sie nicht arbeiten müssen, also nicht um 9 Uhr oder 17 Uhr. Sie plädieren auch für mehr Konzerte und Kultur im Innenstadtbereich und mehr Unterstützung für Initiativen der Jugend.
  • Uferpark: Die SPD fordert, die Pläne für den Uferpark so zu bearbeiten, dass Park und Stadt stärker verbunden werden. Von den Teilnehmern kamen noch die Vorschläge, einen Müllmann anzustellen, der konkreten Verschmutzungen nachgeht. Der Ansatz, ehrenamtliches Engagement durch städtische Zuschüsse zu fördern, sollte stärker verfolgt werden. Die Stadt solle auch auf Vorschlägen etwa von Studenten und Kreativen reagieren und eine "Ermöglichungskultur" schaffen.