Der Veranstaltungsort selbst ist wieder ein beschauliches Fleckchen am Seeufer und auch teils emotionale Diskussionen in Internet-Foren sind zwischenzeitlich verstummt. Sollten Limp Bizkit und Dieter Thomas Kuhn erst der Anfang gewesen sein? Die Ansichten darüber, ob diese Premiere einer Fortsetzung bedarf, gehen auseinander.

Künstler, Gelände und Atmosphäre punkten

„Wir haben in den letzten Tagen viele positive Rückmeldungen erhalten, weshalb Marc Oßwald, Geschäftsführer von Vaddi Concerts, und ich optimistisch in die Zukunft blicken", teilt GZH-Leiter Matthias Klingler auf Anfrage dieser Zeitung mit. Das Gelände habe zum einen infrastrukturell gut funktioniert und zum anderen mit seiner einmaligen See-Atmosphäre gepunktet. Der Veranstaltungsort sowie die Künstler wurden Klinger zufolge sowohl von beispielsweise aus Stuttgart angereisten Besuchern, also auch von jenen aus Friedrichshafen wertgeschätzt. "Dies alles in Kombination hat maßgeblich zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen", so Klingler.

Zuhörer auch auf Terrassen fernab des Konzertgeländes

Wo sonst eher Beschwerden dominieren, wurden nach den Nu-Metal- und Schlagerkonzerten auch lobende Worte gefunden – selbst von Häflern, die allem Anschein nach nicht vor Ort waren: So bedankt sich auf dem von Stadt und Landkreis betriebenen Portal "Sag's doch" etwa ein Häfler bei Dieter Thomas Kuhn für einen gelungenen Abend auf seiner Terrasse in Allmannsweiler. "Lauer Sommerabend mit Radler und leichter, lockerer Musik", schreibt er. Kurz nach 22 Uhr – jene Uhrzeit, zu der die Konzerte beendet werden sollten – hätte er seinem Eintrag zufolge locker schlafen gehen können, wäre da nicht der Lärm von Nachbarn gewesen.

Frontmann Fred Durst und Limp Bizkit rockten beim ersten Open-Air-Konzert am Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen.
Frontmann Fred Durst und Limp Bizkit rockten beim ersten Open-Air-Konzert am Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen. | Bild: Jeremias Heppeler

Nicht alle freuen sich über "lärmende Bande von Musikern"

Die Freude über Gratis-Musik auf der heimischen Terrasse teilt allerdings nicht jeder. Bei der Polizei hatten sich am zweiten Konzertabend sieben Anwohner, die nord-östlichen des Veranstaltungsortes leben, beschwert. Andere machten ihrem Unmut ebenfalls über "Sag's doch" Luft, wo etwa zu lesen ist: "Gratulation zur erfolgreichen Gewinnung einer lärmenden Bande von Musikern". Die Konzerte seien so laut gewesen, dass der Absender sein eigenes Wort in der Nähe des Berufsschulzentrums nicht mehr verstanden habe.

In und unter anderen Einträgen wird nicht nur über die Lautstärke der Konzerte diskutiert, sondern auch über die Diskussion selbst. "Könnt ihr an zwei Tagen für zwei bis drei Stunden mal die Luft anhalten und nicht dauern nur rumstänkern?", ist etwa in einem Beitrag mit dem Titel "FN lebt" zu lesen.

"Eine Stadt lebt allerdings nicht von Ruhe allein"

"Es ist nicht auszuschließen, dass die Konzerte aufgrund der Windsituation in einem größeren Umkreis zu hören waren", räumt die Stadtverwaltung in ihrer Reaktion auf mehrere Beschwerden ein. Weiter heißt es aber auch: "Eine Stadt lebt allerdings nicht von Ruhe allein." In der Bevölkerung bestehe auch ein großes Bedürfnis nach einem regen kulturellen Leben, das die Attraktivität einer Stadt ausmache. GZH-Leiter Klinger sagt: "Wir sehen die Belange der Anwohner. Wir versuchen bei allen Veranstaltungen, die Beeinträchtigungen so gering als möglich zu halten."

Traumhafte Kulisse für 2000 Besucher. Einige lagen mit ihren Booten an diesem hochsommerlichen Abend auf dem See direkt am GZH. Dort spielte Dieter-Thomas Kuhn mit seiner „Kapelle“ beste Schlagermusik.
Traumhafte Kulisse für 2000 Besucher. Einige lagen mit ihren Booten an diesem hochsommerlichen Abend auf dem See direkt am GZH. Dort spielte Dieter-Thomas Kuhn mit seiner „Kapelle“ beste Schlagermusik. | Bild: Hans-Robert Nitsche

Veranstalter hoffen auf Fortsetzung

Ob die Ruhe 2019 wieder unterbrochen wird, ist noch offen. "Wir würden sehr gerne weitermachen", sagt jedenfalls Marc Oßwald. Er ist voll des Lobes: für die Lage des Konzertgeländes, für die Vorteile, die Besucher und Bands durch das nahe Veranstaltungshaus hatten, für die Atmosphäre direkt am Seeufer. Auch von den Bands habe er positive Rückmeldungen zu ihrem Auftrittsort erhalten.

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Entscheidung "nach der Sommerpause"

Die Entscheidung soll nach internen Gesprächen und nach der Sommerpause getroffen werden, stellt GZH-Leiter Matthias Klingler in Aussicht. Ob und welche Punkte im Falle einer Fortsetzung optimiert werden können, müssten Auswertungen zeigen. "Es gibt allerdings auch immer Faktoren, die nicht beeinflusst werden können, wie zum Beispiel der Wind", so Klingler. "Inhaltlich wollen wir sowohl im, als auch vor dem GZH für viele Zielgruppen und Geschmäcker ein attraktives Programm anbieten: vom Kindermusical über Volkstheater bis hin zu Nu Metal", erklärt Klingler erneut. "Denn so vielfältig sehe ich auch Friedrichshafen."