Die ersten Preise im Ideenwettwerb über die Neugestaltung des Uferparks sind schon seit Ende November 2017 vergeben und haben inzwischen zu heftige Diskussionen geführt. Zum einen geht es um die Idee eines Gebäudes in der Sichtachse des Bahnhofs zum See an der Friedrichstraße. Das wird von der Planungsgemeinschaft Professor Schmid Treiber Partner, Freie Landschaftsarchitekten (Leonberg) und Henning Baurmann, Architekt (Karlsruhe) vorgeschlagen. Zum anderen geht es um die Zukunft des Lammgartens. Der taucht im oben genannten Siegerentwurf gar nicht auf, im zweiten Siegerentwurf von der Planungsgemeinschaft K1 Landschaftsarchitekten und Gunnar Tausch, Stadtplaner und Architekt (beide Berlin), ist ein "Parkrestaurant mit Biergarten" angedacht. Dieser Entwurf sieht gegenüber des Bahnhofs am Uferpark eine breite Treppe mit Sitzgelegenheiten vor. Genannt wird diese Stelle "Stadtbalkon".

Der Blick hinüber vom Bahnhof zum Bodensee über den Bahnhofsvorplatz, von einem leicht erhöhten Standpunkt auf den den Treppen zum Bahnhofsgebäude aus gesehen.
Der Blick hinüber vom Bahnhof zum Bodensee über den Bahnhofsvorplatz, von einem leicht erhöhten Standpunkt auf den den Treppen zum Bahnhofsgebäude aus gesehen. | Bild: Wex, Georg

Netzwerk für Friedrichshafen übt Kritik

Das Netzwerk für Friedrichshafen um Philipp Fuhrmann wirft der Stadt unterdessen Intransparenz vor – unter anderem, weil der Technische Ausschuss in seiner jüngsten Sitzung nicht-öffentlich zum Uferpark beriet. Fuhrmann fordert öffentliche Beratungen zu dem Thema, damit alle über das weitere Vorgehen Bescheid wissen. Dabei verweist er insbesondere auf den Bahnhofsvorplatz und die Frage, ob an dem jetzigen Platz des Zeppelin-Denkmals im Uferpark ein Gebäude entsteht. Die Pressesprecherin der Stadt, Monika Blank, teilte dazu auf Nachfrage mit, dass in der besagten Sitzung über das weitere Verfahren diskutiert worden sei, konkret den Zeitpunkt einer öffentlichen Bürgerinformation zum Planungsstand im Herbst mit Möglichkeit der Bürger, sich einzubringen, und die Beratung in den Gremien.

Die Planungsgemeinschaft K1 Landschaftsarchitekten und Gunnar Tausch, Stadtplaner und Architekt sieht gegenüber des Bahnhofs ein "durchsichtiges" Café auf dem Straßenniveau der Friedrichstraße vor.
Die Planungsgemeinschaft K1 Landschaftsarchitekten und Gunnar Tausch, Stadtplaner und Architekt sieht gegenüber des Bahnhofs ein "durchsichtiges" Café auf dem Straßenniveau der Friedrichstraße vor. | Bild: Planungsgemeinschaft K1 Landschaftsarchitekten und Gunnar Tausch, Stadtplaner und Architekt/Stadt Friedrichshafen

Verfahren zieht sich noch Jahre hin

Das Bebauungsplanverfahren soll Ende 2018/Anfang 2019 starten, auch hier mit Bürgerbeteiligung. "Wir rechnen damit, dass das gesamte Verfahren bis 2020 dauern wird", so Blank. Erst dann könne die bauliche Umgestaltung des Uferparks beginnen. Was die Siegervorentwürfe aktuell betreffe, so würden diese von den Büros überarbeitet und angepasst. Dabei gehe es nur um die grundsätzliche Flächenbetrachtung und nicht um Detailplanung. Diese Pläne sollen dann Grundlage für die Uferparkgestaltung sein.

Die Planungsgemeinschaft Professor Schmid Treiber Partner, Freie Landschaftsarchitekten (Leonberg) und Henning Baurmann, Architekt (Karlsruhe) sieht ein etwa 110 Meter langes Gebäude vor an der Stelle vor, an der jetzt das Zeppelin-Denkmal steht, das sich unterhalb des Friedrichstraße befindet. Auf dem Dach, auf dem Niveau der Friedrichstraße, wird ein transparentes Gebäude mit Café vorgeschlagen. Unten, erreichbar auch über einen Aufzug, sollen eine Gastronomie, ein Kiosk, eine WC-Anlage und Räumlichkeiten für Geräte der Stadtgärtnerei entstehen.

Könnte hier künftig ein Gebäude mit Café stehen oder vielleicht ein repräsentatives Stadthaus? Die Zeppelin-Stele würde dann auf den Bahnhofsvorplatz zurückgesetzt.
Könnte hier künftig ein Gebäude mit Café stehen oder vielleicht ein repräsentatives Stadthaus? Die Zeppelin-Stele würde dann auf den Bahnhofsvorplatz zurückgesetzt. | Bild: Wex, Georg

Architekten bewerten Vorschläge unterschiedlich

Das ist beispielsweise dem Architekten Ulrich Bernard schon zuviel. Er teilte seine Ansicht dem Gemeinderat mit und erhielt nach eigenen Angaben teilweise Zuspruch. "Ich habe nichts gegen die Lösung unterhalb der Friedrichstraße", sagt Bernard. Was er nicht gut finde, sei der "angeblich transparente" Oberbau. "Vier Reihen zu jeweils 25 Stützen, insgesamt also 100 Stützen" würden den Bahnhof optisch und räumlich vom See isolieren. "Der schöne Sichtbezug, der am Bodensee einmalig ist, ist dann weg", sagt Ulrich Bernard. Zu hinterfragen sei auch, dass die Stadt hier Bebauung südlich der Friedrichstraße zulasse "und wahrscheinlich damit Begehrlichkeiten weckt". Ebenso, ob dieses Gebäude von einem privaten Investor gebaut werde.

Anders sieht dies Architekt Rudolf Moser, der in Friedrichshafen geboren ist und an der Gemarkungsgrenze zu Markdorf wohnt. Auch er wandte sich an den Gemeinderat. Er würde gegenüber dem Bahnhof ein "Stadthaus" errichten nach dem Vorbild in Ulm auf dem Münsterplatz. "Wenn die Idee schon auf dem Tisch ist, könnte man es richtig machen", so Moser. Er will an dieser Stelle ein großes, repräsentatives Gebäude, das zusammen mit der Umgebungsbebauung einen "urbanen Platz" schafft.

Die Zukunft des Lammgartens ist weiterhin unklar

Angeregt und kontrovers ist die Diskussion über den Lammgarten. "Die Verwaltung hat nicht gesagt wie oder was", beschreibt Pächter und Geschäftsführer Thomas Vogt seinen Kenntnisstand nach einem Gespräch am Mittwoch. Es werde noch an den Planungsgrundlagen gearbeitet, sei ihm gesagt worden. Er könne nur sagen, dass sein Pachtvertrag mit der Stadt Friedrichshafen Ende 2019 auslaufe. Das gelte auch für das "Laguna". Er brauche aber möglichst bald eine Entscheidung, um zu wissen, ob der Standort im Uferpark noch Zukunft hat. In den Diskussionen geht es vor allem um drei Fragen:

  • Wird es den Lammgarten weiter geben? Folgt man der öffentlichen Diskussion, beispielsweise auf der Facebook-Seite des SÜDKURIER Friedrichshafen, sehr wahrscheinlich Ja. Philipp Fuhrmann sieht Signale, dass dies so sein wird. "Schrecklich" und "unvorstellbar" nennt beispielsweise eine Kommentatorin eine Uferpromenade ohne Lammgarten. Vogt meint, dass viele Häfler schon als Kinder hier waren und der Lammgarten ein Teil Friedrichshafens ist.
  • Müssen die bestehenden Gebäude abgerissen werden? Ja, meint Pächter Vogt. Er müsse jährlich 15 000 bis 20 000 Euro in Elektroinstallationen, die Küche, Technik und marode Gebäudeteile stecken. Das Gebäude sei undicht und es gebe keine richtige Heizung. Auch Fuhrmann vom Netzwerk ist für den Abriss, wenn der Bau zu marode ist.
  • Bleibt der Lammgarten an seinem Standort? Favorit ist der jetzige Standort. Im Siegervorentwurf der Planungsgemeinschaft K1/Tausch ist westlich des "Stadtbalkons" ein "Parkrestaurant", dort wo jetzt "Laguna" ist, mit Biergarten davor vorgesehen. Bernhard schlägt eine Versetzung nach Westen vor, enger zusammen mit zu den anderen Gastronomie- und Freizeitangeboten im Uferpark. (wex)