Ein Festtag für die Verantwortlichen der Flughafen Friedrichshafen GmbH und der Regionalfluggesellschaft People's Viennaline: Am Mittwochvormittag hat auf dem Bodensee-Airport die Erstflugbegrüßung für die wiederbelebte Flugstrecke Friedrichshafen – Köln/Bonn stattgefunden. Kurz nach 10 Uhr ist das Flugzeug vom Typ Embraer 170 mit der Kennung OE-LMK im Landeanflug. Zwei Fahrzeuge der Flughafen-Feuerwehr stehen bereits bereit und besprühen die Maschine für die traditionelle Begrüßungsdusche mit kräftigen Wasserstrahlen. Ein Lotse weist den Piloten ein, die Gangway steht bereit, ein roter Teppich ist flugs ausgerollt, ehe die Fluggäste – darunter zahlreiche Medienvertreter – das Flugzeug verlassen.

Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand sowie Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer der Flughafen Friedrichshafen GmbH, heißen den Chef von Peoples Viennaline, Daniel Steffen, gut gelaunt willkommen. Steffen freut sich: "Ein guter Tag und eine tolle Geschichte. Zwei Märkte am Bodensee werden miteinander verbunden. Friedrichshafen – Köln/Bonn ist eine traditionelle Strecke. Die regionale Industrie und Wirtschaft brauchen diese Verbindung. Es ist eine Wertschöpfung für die Region." Angesprochen auf die laut gewordene Kritik über den Kurzflug von rund vier Minuten vom Flughafen St. Gallen-Altenrhein zum Bodensee-Airport reagiert Steffen gelassen. Er halte die Ökobilanz bei mindestens zehn Fluggästen – "und die haben wir" – für ausgeglichen. Andernfalls müssten Fluggäste zumeist mit dem Auto nach Zürich fahren. Steffen weiter: "Wir sind ein privatfinanziertes Unternehmen und agieren im gesetzlichen Rahmen. Altenrhein und Friedrichshafen – Köln/Bonn zu verbinden, gibt beiden Flughäfen Stabilität."

Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer der Flughafen Friedrichshafen GmbH argumentiert in die gleiche Richtung: "Für uns ist die Wiederaufnahme der Strecke Friedrichshafen – Köln/Bonn mit Blick auf die regionale Wirtschaft von großer Bedeutung. Die Nachfrage am Markt ist nachgewiesen und vorhanden. Es ist eine Verbindung, die erfolgreich betrieben werden kann." Wehr betrachtet wie Wiederaufnahme der Strecke Friedrichshafen – Köln/Bonn als einen ersten Erfolg. Wie Wehr erklärt, sollen Verbindungen nach Hamburg und Berlin so bald wie möglich folgen. Auch Wehr sieht Vorteile darin, dass über den Flughafen Altenrhein mit People's Viennaline der Ostschweizer Markt besser bedient werden kann.

Die Regionalfluggesellschaft People's Viennaline fliegt zweimal täglich (Montag bis Freitag) von Altenrhein startend über Friedrichshafen nach Köln/Bonn.

Widerstand im Kanton St. Gallen

Die Regierung des Kantons St. Gallen hat sich ebenfalls am Mittwoch mit den Kurzstreckenflügen von Altenrhein nach Friedrichshafen beschäftigt. Meinrad Gschwend (SP-GRÜ-Fraktion) und weitere Unterzeichner hatten sich im September in einer sogenannten Interpellation gegen diese Flüge gewendet. Darin heißt es beispielsweise: "Von den Auswirkungen dieser Linienflüge werden auch Siedlungen auf Schweizer Boden betroffen sein. Zudem ist allgemein anerkannt, dass für Kurzstrecken der öffentliche Verkehr dem Flugverkehr vorzuziehen ist, da Start und Landung überproportional viel Treibstoff verbrauchen und zudem besonders lärmintensiv sind.

" Die Umweltverbände fordern laut Gschwend seit Jahren, dass für Reisen kürzer als 1000 Kilometer auf das Flugzeug zu verzichten sei. In der Interpellation wird aus Artikel 16 der St. Galler Kantonsverfassung zitiert: "Der Staat setzt sich zum Ziel, dass der Mensch und die natürliche Umwelt vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen bewahrt werden." Nach Auskunft aus dem Volkswirtschaftsdepartement des Kantons St. Gallen soll voraussichtlich am 7. November das Ergebnis der Beratungen bekannt gegeben werden.

Winterflugplan

Die Wiederaufnahme der Strecke nach Köln/Bonn, eine größere Auswahl an Umsteigemöglichkeiten über Frankfurt mit bis zu vier täglichen Flügen und Nonstop-Flüge zum Roten Meer seien prägende Neuerungen des Winterflugplans des Bodensee-Airports, wie aus einer Mitteilung der Flughafen Friedrichshafen GmbH hervorgeht. Bessere Umsteigemöglichkeiten in ihr Streckennetz biete die Lufthansa mit jetzt bis zu vier Flügen am Tag nach Frankfurt. Die mazedonische Hauptstadt Skopje werde wie im Sommerflugplan durch Wizz Air mit zwei wöchentlichen Flügen bedient, Twin Jet biete weiterhin vier wöchentliche Verbindungen nach Toulouse an. Turkish Airlines setzt für die Winterflugplanperiode die täglichen Linienflüge nach Istanbul aus, habe aber angekündigt, mit Beginn der Sommerflugplanperiode den Bodensee-Airport wieder anzufliegen. Die Flüge seien bereits buchbar. Mit sechs Flügen pro Woche werden die Kanarischen Inseln Gran Canaria (Las Palmas), Fuerteventura und Teneriffa sowie die portugiesische Blumeninsel Madeira (Funchal) von Germania angeflogen.

Mit dem Zielflughafen Hurghada ist die Urlaubsregion Rotes Meer wieder einmal pro Woche erreichbar. Mallorca wird ab Anfang März 2017 zwei Mal pro Woche von Germania bedient – ab April wird die Ferieninsel täglich mit Nonstop-Flügen erreichbar sein. Abgerundet wird das Angebot durch die Flüge aus London (Gatwick), die von British Airways, easyJet und Monarch für Skitouristen aus Großbritannien angeboten werden. Diese Linienflüge seien frei buchbar – können laut Mitteilung also auch für Kurzreisen in die britische Metropole genutzt werden.


People's Viennaline

Markus Kopf, Eigentümer des Flughafens St. Gallen-Altenrhein hat im Oktober 2010 seine eigene Fluglinie People's Viennaline gegründet, wie aus dem Internetauftritt des Unternehmens hervorgeht. People’s Viennaline hat am 24. März 2011 das "Aircraft Operator Certificate" (AOC) erhalten. Vier Tage später fand der erste Take-off statt. Stand September 2015 hat People's Viennaline nach eigenen Angaben 47 Mitarbeiter. Das fünfjährige Bestehen ist am 28. März, 2016 gefeiert worden. (gan)

Weitere Informationen unter: www.peoples.at