Als er 50 wurde, zog sich Hape Kerkeling 2014 vom großen Showgeschäft zurück. Doch auf den kleinen Bühnen lässt er sich zuweilen noch gern blicken. So wie am Mittwochabend bei der Bürgeruniversität der ZU: 500 Gäste drängten sich ins Forum, um dem Entertainer zu lauschen. Binnen vier Stunden nach der Ankündigung dieser Veranstaltung waren alle Plätze weg, erzählte Uni-Pressesprecher Rainer Böhme. „Wir hätten vier Mal so viele Besucher haben können.“

Ein vielseitiger Showmaster

Kein Wunder: Kerkeling ist dank seiner Vielseitigkeit als Schauspieler, Komiker, Autor, Schriftsteller oder Synchronsprecher bekannt wie nur wenige Entertainer. Er sei wohl der einzige Showkünstler, über den schon zu Lebzeiten zwei Spielfilme gemacht wurden, merkte Moderator Klaus Schönbach schmunzelnd an. Dazu die unzähligen Preise, die Kerkeling alias Horst Schlämmer, Evje van Dampen oder Gisela schon abgeräumt hat. Und wie kommentiert er die Eloge? „Also, der Bambi, der läuft im Schritt an. Der oxidiert! Der ist von Burda, daher.“ Allein vom pseudo-goldenen Reh hat er zwei Exemplare in der Vitrine.

Hape Kerkeling zu Gast bei der Bürgeruniversität der ZU Friedrichshafen, moderiert von Professor Klaus Schönbach.
Hape Kerkeling zu Gast bei der Bürgeruniversität der ZU Friedrichshafen, moderiert von Professor Klaus Schönbach. | Bild: Cuko, Katy

Im Dialog mit Professor Schönbach, dem ehemaligen Vizepräsidenten der Zeppelin Universität (ZU), aber auch in der ausgiebigen Fragerunde mit dem Publikum entspann sich ein launiges Gespräch über Gott und die Welt. In dem verriet Hape Kerkeling, dass er Loriot oder Woody Allan als Vorbilder und sich beileibe nicht als lustigsten Deutschen sieht. Oder dass der kauzige Lokalreporter Schlämmer seine liebste Rolle sei, weil „der am wenigsten mit mir zu tun hat“. Selbst auf der Bühne zu stehen und diese Rollen zu spielen, die er sich ausgedacht hat, sei gar nicht sein Wunsch gewesen; er schreibe lieber. „Aber immer, wenn ich jemandem ein Drehbuch unterjubeln wollte, musste ich selber ran.“

Kurzweilige anderthalb Stunden

In dem so zwanglos witzigen Menschen, der den Gästen der Bürger-Uni kurzweilige anderthalb Stunden schenkte, steckt aber auch einer, der Position bezieht. Das Verständnis von Humor habe sich dramatisch verändert, Witzigkeit kenne eben doch Grenzen. Kerkeling beklagte fehlenden Respekt und versteht die Welt nicht mehr, wenn ein AfDler öffentlich und ungestraft die falsche Strophe der Nationalhymne singen darf. Kann er sich ein Comeback vorstellen? Man soll niemals nie sagen, antwortete er. Ganz zur Ruhe habe er sich ja nicht gesetzt. Er schreibt weiter Bücher, für 2020 sei ein Spielfilm in Planung. Ob das wirklich eine Krimikomödie wird, in der er Horst Schlämmer als Kommissar auf die Leinwand schickt? Das kann, muss man aber nicht Ernst nehmen.