Gleich als Vorschuss gab es von Bürgermeister Andreas Köster in der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses am Mittwochnachmittag Lob für Matthias Klingler, kaufmännischer Leiter des Graf-Zeppelin-Hauses (GZH). Klingler stellte die Ergebnisse und Entwicklungen des Hauses vor. "Ich bin sehr, sehr froh, dass Sie einiges gewagt haben und innovativ unterwegs waren", sagte Köster zu Klingler, der vor eineinhalb Jahren die kaufmännische Leitung übernommen hatte. Dieser fasste die Situation kurz zusammen als "ein Haus im Umbruch in Zeiten steigenden Wettbewerbs".

"Das GZH ist jetzt 33 Jahre im Dauerbetrieb und sehr gut gepflegt und gehegt worden", sagte Klingler. Es sei immer noch eine innovatives Haus – Beispiel Bühnentechnik – und die Abläufe seien sehr gut eingespielt. Es sei aber dennoch an der Zeit, die zahlreichen Sanierungen und Modernisierungen in Angriff zu nehmen. "Es gilt die richtigen Weichen zu stellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben", sagte er. Neben der Sanierung und Modernisierung mit einem tragfähigen gastronomischen Konzept sei auch zu beachten, dass in den kommenden Jahren sechs der neun Mitarbeiter des Technischen Teams in Rente gehen, für die kompetenter Ersatz gefunden werden müsse.

Wo GZH-Chef Matthias Klinger steht, werden im Sommer Limp Bizkit und Dieter Thomas Kuhn mit Band auftreten.
Wo GZH-Chef Matthias Klinger steht, werden im Sommer Limp Bizkit und Dieter Thomas Kuhn mit Band auftreten. | Bild: Bömelburg, Christina

Zunehmender Wettbewerb im Tagungsbereich

Hintergrund sei der immer noch zunehmende Wettbewerb im Tagungsbereich, wie durch die Inselhalle in Lindau, das Maxx Emotion Konstanz, die Zeppelin-Universität und die Messe oder Hotels. Gleiches gelte für den Kulturbereich. Hier müssten Marketing und Vertrieb ausgebaut werden. Gleichzeitig müsse sich den Herausforderungen der Digitalisierung gestellt werden. Ziel müsse sein die Umsätze zu steigern, wie durch attraktive Gestaltung des Restaurants und Foyers für höhere Pacht und Mieten, eine Schrankenanlage für die Tiefgarage und neue Dienstleistungen, zum Beispiel Werbeflächen und eine Garderobenabgabenordnung. Kostentreiber wie die Energieversorgung müssten gesenkt werden.

Der Nettoumsatz bei den Vermietungen liege seit drei Jahren knapp über 1 Million Euro. 60 Prozent der Veranstaltungen im GZH müssen wegen des Stiftungshintergrunds gemeinnützig sein, 40 können kommerziell sein, erläuterte Klingler. Weitere Einnahmeposten seien die Garderobe mit 19 200 Euro, die Pacht der Gastronomie mit 104 000 Euro und die Tiefgarage mit 215 000 Euro im Jahr 2017. Der Zuschussbedarf lag 2017 bei 2,86 Millionen Euro, ohne die kalkulatorischen Kosten (Verzinsungen und Abschreibungen) bei 1,23 Millionen Euro. Klingler wies aber darauf hin: "Es entsteht eine regionale Wertschöpfung durch dieses Haus". Und: "Das GZH ist für die Lebensqualität in Friedrichshafen ein entscheidender Faktor."

Die Nu-Metal-Band Limp Bizkit, hier Sänger Fred Durst,  kommt am 18. August ans Bodenseeufer.
Die Nu-Metal-Band Limp Bizkit, hier Sänger Fred Durst, kommt am 18. August ans Bodenseeufer. | Bild: Steve C.Mitchell/dpa

"Andere Hallen sehen mit Neid auf uns"

Veranstaltungen gab es im vergangenen Jzahr 712, Raumbelegungen 1998. Leider habe das GZH die VDI-Tagung im Sommer verloren, die 2016 einen Nettoumsatz von 54 570 Euro brachte. Dieser Umsatz konnte trotz mehr Veranstaltungen und Raumbelegung nicht kompensiert werden. Insgesamt bilanzierte Klingler dennoch: "Andere Hallen sehen mit Neid auf uns." Was das Kulturprogramm betreffe, "brauchen wir uns gar nicht verstecken in der Region".

Eines von Klinglers wichtigsten Stichworten war Innovationen. "Wir haben viel versucht von links nach rechts zu drehen." 20 Neuerungen listete er auf, darunter neue Webseite, Facebook, Youtube-Kanal, zweites Ticket-System, verschiedene Technikanschaffungen, flächendeckendes freies WLAN, neue Webcam mit 180-Grad-Seeblick und mehr. "Wir müssen auf der einen Seite das Gute bewahren, aber auf der anderen experimentieren", sagte der kaufmännische Leiter. In diesem Jahr zählen dazu Konzerte im Außenbereich mit Limp Bizkit (18. August) und Dieter Thomas Kuhn (19. August). Bezüglich der Metaller von Limp Bizkit schien Köster nicht restlos überzeugt, ob das auf dem Außengelände gut geht.

Ein schwieriges Thema ist die Tiefgarage des GZH. Zum einen entgehen dem Haus Einnahmen durch die fehlenden Schranken, zum anderen muss sie saniert werden.
Ein schwieriges Thema ist die Tiefgarage des GZH. Zum einen entgehen dem Haus Einnahmen durch die fehlenden Schranken, zum anderen muss sie saniert werden. | Bild: Sandro Kipar

Konzept für die Tiefgarage

Matthias Klingler erläuterte in seinem Geschäftsbericht 2017 für das Graf-Zeppelin-Haus, dass die Tiefgarage Einnahmen von 215 000 Euro erbracht habe. 2016 waren es deutlich mehr: 240 000 Euro, im Jahr 2015 sogar 253 000 Euro. Drei Parkdecks mit 450 Stellplätzen gibt es im GZH. Nach seinen Angaben ergaben mehrere Stichproben im vergangenen Jahr eine Nicht-Zahler-Quote zwischen 25 und 30 Prozent. Er forderte daher eine Schranke.

"Ist das eine gute Idee? Das kann ich mir nicht vorstellen", meinte dazu Dieter Stauber (SPD). Man stelle sich eine Großveranstaltung vor, bei der ein Ausfahrer vergessen hat, seinen Parkschein zu entwerten und alle Autos dahinter stehen bleiben müssen, weil die Ausfahrt blockiert ist. Gaby Lamparsky (FDP) argumentierte, es wären dafür wesentlich mehr Ticketautomaten notwendig als bisher, damit sich bei Großveranstaltungen mit 1000 oder mehr Menschen nicht die Besucher schon in den Gängen stauen.

Bürgermeister Andreas Köster widersprach. Diese Probleme gebe es auch andernorts – und Lösungen dafür. "Ich glaube, wir kriegen das auch hin", sagte Köster. Mehr wolle er an dieser Stelle jedoch nicht sagen. Die Verwaltung wolle ihre fertig erarbeitete Lösung zu einem späteren Zeitpunkt komplett vorstellen. Ob bei den Überlegungen auch die Sanierung der Tiefgarage in mehreren Abschnitten, voraussichtlich ab 2019 oder 2020, eine Rolle spielt, blieb unklar.