Der beißende Brandgeruch ist verschwunden. Wo Ruß zuletzt Wände und Decken verklebte, ist jetzt nackter Beton zu sehen. Grell-orange Schläuche leiten warme Luft ins Parkhaus am See, wo weiterhin Mitarbeiter einer auf Brandsanierung spezialisierten Firma im Einsatz sind. Die erste gründliche Reinigung nach dem verheerenden Brand Ende vergangenen Jahres ist geschafft. Jetzt geht es nach Angaben des Stadtwerks am See, Betreiber der Tiefgarage, an Feinarbeiten.

Der Ruß ist ab, das Bild der Zerstörung bleibt

Dieses Bild entstand am Tag vor Beginn der Reinigungsarbeiten nahe des Ein- und Ausfahrtsbereichs.
Dieses Bild entstand am Tag vor Beginn der Reinigungsarbeiten nahe des Ein- und Ausfahrtsbereichs. | Bild: Christina Bömelburg
So sieht es aktuell dort aus. Der Ruß wurde zwischenzeitlich entfernt.
So sieht es aktuell dort aus. Der Ruß wurde zwischenzeitlich entfernt. | Bild: Christina Bömelburg

Geparkt werden kann hier wohl frühestens im Herbst wieder

Bis hier wieder geparkt werden kann, wird es nach derzeitiger Einschätzung allerdings mindestens Herbst werden. Und auch an dieser Einschätzung kann sich noch vieles ändern, wie Norbert Schültke und Alfons Schmid, Mobilitäts- und Projektleiter beim Stadtwerk am See, am Dienstag vor Ort erklären.

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Neben nacktem Beton bestimmen Stützen, Wasserschläuche, Gerüstelemente, verschiedenste Gerätschaften und große Kanister, in denen verunreinigtes Wasser gesammelt wird, das Bild in der Tiefe.

In großen Kanistern wird das Wasser gesammelt, das nach der Reinigung in der Tiefgarage einer speziellen Entsorgung bedarf.
In großen Kanistern wird das Wasser gesammelt, das nach der Reinigung in der Tiefgarage einer speziellen Entsorgung bedarf. | Bild: Christina Bömelburg

Sechseinhalb Wochen ist es inzwischen her, dass in der Tiefgarage sechs Autos in Flammen standen. Dass der dabei am Parkhaus entstandene Schaden immens ist, war bereits absehbar, als die Spezialfirma sich nur vier Tage nach dem Feuer an die Reinigungsarbeiten machte. Seither haben die Mitarbeiter "Großes geleistet", lobt Schültke. Um der Korrosion Einhalt zu gebieten, sei beispielsweise jeder Zentimeter Metall händisch gesäubert worden. Um an verborgene Stellen zu gelangen, mussten teilweise sogar Anlagen auseinandergenommen werden.

Zentimeter für Zentimeter mussten Metalloberflächen im Bereich des Treppenaufgangs gereinigt werden, um Korrosion Einhalt zu gebieten.
Zentimeter für Zentimeter mussten Metalloberflächen im Bereich des Treppenaufgangs gereinigt werden, um Korrosion Einhalt zu gebieten. | Bild: Christina Bömelburg

Details sollen bis Mitte März untersucht werden

Für einen realistischen Sanierungsplan, den es nach anfänglicher Hoffnung des Stadtwerks bis Anfang dieses Monats geben sollte, gibt es allerdings weiterhin mitunter entscheidende Details zu klären. Konkreter als mit einem "siebenstelligen Betrag" wird sich die Schadenssumme Schültke zufolge Mitte März beziffern lassen. Bis dahin steht auch zum Ausmaß der Arbeiten und Investitionen, die vor einer Wiedereröffnung erforderlich sein werden, nur fest: Es wird immens sein. "Aber Sicherheit und Sorgfalt gehen vor Schnelligkeit", betont Schültke.

Wo zu Jahresbeginn Ruß klebte, ist jetzt der nackte Beton zu sehen. Die erste gründliche Oberflächen-Reinigung nach den Autobränden im Parkhaus am See ist abgeschlossen.
Wo zu Jahresbeginn Ruß klebte, ist jetzt der nackte Beton zu sehen. Die erste gründliche Oberflächen-Reinigung nach den Autobränden im Parkhaus am See ist abgeschlossen. | Bild: Christina Bömelburg

Stellenweise klaffen Löcher im Beton und geben den Blick bis auf den Stahl darin frei. Hier wurden Proben ausgeschnitten, mit Wasserstrahlen und einem Druck von 2500 Bar, erklärt Alfons Schmid. In einem Labor werde derzeit untersucht, wie sehr die Hitze dem Material – und damit womöglich auch der Tragfähigkeit – zugesetzt hat.

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Zusätzliche Baumaßnahmen nicht ausgeschlossen

Ausschlaggebend für den weiteren Zeitplan dürften insbesondere die Ergebnisse zu zwei der insgesamt drei Brandstellen sein. Im Bereich der Ein- und Ausfahrtsschranken direkt brannte zwar kein Auto, direkt darunter standen allerdings gleich drei in Flammen. "Wenn wir hier den Deckenteil austauschen müssen, sind keine Ein- und Ausfahrten möglich", sagt Schültke. Und sollten zwei Träger im Bereich der Parkplätze für Elektroautos – wenige Meter hinter der Einfahrtsschranke – ausgetauscht werden müssen, wäre das oberirdisch mit einer Sperrung der Karlstraße verbunden.

An dieser Stelle brannten zwei Elektroautos

Video: Bömelburg, Christina
Im Bereich der E-Ladestationen wurden am 30. Dezember zwei Autos in Brand gesetzt. Rund sechseinhalb Wochen später sieht es dort so aus.
Im Bereich der E-Ladestationen wurden am 30. Dezember zwei Autos in Brand gesetzt. Rund sechseinhalb Wochen später sieht es dort so aus. | Bild: Christina Bömelburg

Teilöffnung während Sanierung fraglich

Sofern an diesen beiden Stellen saniert werden kann und nicht neu gebaut werden muss, besteht die Hoffnung, die Baustelle, zu der die Tiefgarage nach der Reinigung erst so richtig wird, bis Herbst abschließen zu können. Und sollte die Sanierung außerdem in Teilabschnitten technisch verantwortbar und machbar sein, könnte wie bei der Generalsanierung 2016 die Möglichkeit bestehen, Teile des Parkhauses parallel freizugeben.

Mit Beginn der Aufräumarbeiten entstand in einzelnen Bereichen des Parkhauses am See ein Stützenwald.
Mit Beginn der Aufräumarbeiten entstand in einzelnen Bereichen des Parkhauses am See ein Stützenwald. | Bild: Kerstin Mommsen

Im bestmöglichen Fall stehen die rund 330 zentral gelegenen Stellplätze also im Herbst wieder zur Verfügung. "Was zeitlich oben drauf kommt, hängt vom Umfang der baulichen Maßnahmen und von der Verfügbarkeit der Firmen ab", fasst Schültke zusammen. Neben Belags- und Malerarbeiten steht bis dahin außerdem die Erneuerung verschiedener technischer Anlagen an, die durch Hitze und Ruß zerstört wurden. Brandmeldeanlage, CO-Warnanlage und Kassenautomaten sowie die Ein- und Ausfahrtsterminals müssen Schültke zufolge ausgetauscht werden.

Versicherungen übernehmen nur Teil der Kosten

Für die "unmittelbaren Brandschäden" kommen nach Stadtwerksangaben Versicherungen auf. Anders sehe das beim Einnahmeausfall während der Schließung der Tiefgarage aus. Als Anhaltspunkt: Einem Geschäftsbericht der Technischen Werke Friedrichshafen nach wurden im Parkhaus am See 2017 Umsatzerlöse von 744 000 Euro erzielt. Kostenlos ist auch die Unterbrechung der Sanierungsarbeiten im Parkhaus Altstadt für das Stadtwerk nicht. "Das ist es uns aber auch wert, dass wir dort weiterhin alle Stellplätze zur Verfügung stellen können", sagt Norbert Schültke.

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