Spontaneinkäufe kommen für Sabine Lefebre nicht mehr in die Tüte. Wenn sie Besorgungen macht, geht sie nie ohne Tasche aus dem Haus, die schon vor dem Einkauf voll ist – mit Flaschen, Dosen, Beuteln. Gefäße, in denen sie ihre Lebensmittel nach Hause tragen wird. „Das braucht natürlich Planung“, weiß die Ailingerin. Seit der Fastenzeit vor Ostern hat sie mit dem Plastikfasten – also dem weitestgehenden Verzicht auf Kunststoffverpackungen – begonnen.

Nachhaltiger Konsum ist verpackungsfrei

Mittlerweile hat sie darin Routine, ebenso wie das Personal in vielen Supermärkten. Es sträubt sich nicht mehr gegen mitgebrachte Behältnisse, die lebensmittelrechtlich in einem Graubereich anzusiedeln sind. Nun scheinen sie einen Nerv zu treffen: Nachhaltiger Konsum ist verpackungsfrei.

Wer Verpackungsmüll vermeiden will, muss schon mit voller Einkaufstasche aus dem Haus gehen – leere Behältnisse hat man nämlich nie genug dabei.
Wer Verpackungsmüll vermeiden will, muss schon mit voller Einkaufstasche aus dem Haus gehen – leere Behältnisse hat man nämlich nie genug dabei. | Bild: Fülle, Barbara

Kann daraus ein Volkssport werden? Auf dem Schlemmermarkt lassen viele Passanten Thomas Henne und seine Mitstreiter von den Häfler Grünen erst einmal im Regen stehen. Die Ökopartei hat eine Auftaktwoche zum Plastikfasten ausgerufen, doch ausgerechnet der Wettergott spielt an diesem Samstagmorgen nicht so richtig mit.

Auf Schlemmermarkt kann man alles offen kaufen

Wenigstens ein Problem gibt es an den Verkaufsständen ringsum nicht: die eingeschweißte Bio-Gurke. Während Supermärkte ihre Kunden beim Obst und Gemüse vor die Wahl stellen – entweder konventionell und unverpackt oder bio, aber mit Plastik ummantelt –, kann man auf dem Schlemmermarkt auf dem Adenauerplatz alles offen kaufen. Doch man muss den Händlern Bescheid geben. Sonst landet auch hier alles schneller in den dünnen Tütchen, als man schauen kann.

B90/Grüne wollen Überzeugungsarbeit leisten

Den Plastikverbrauch zu reduzieren, dafür wollen die Grünen Überzeugungsarbeit leisten. Denn das Recyclingsystem, worauf wir so stolz sind, habe auch eine Schattenseite: „Der Grüne Punkt hat den Plastikmüll in die Höhe getrieben“, sagt Thomas Henne. Der Plastikverbrauch in Deutschland trage zwar nicht zur Vermüllung der Weltmeere bei. Doch die Recyclingquote sei ernüchternd.

Recyclingquote mit Gelben Säcken bei 55 Prozent

Martin Hahn, Landtagsabgeordneter der Grünen, hat die Anlage in Rheinfelden besucht, bei der die Gelben Säcke aus dem Bodenseekreis verwertet werden. Nach Betreiberangaben, erzählt er, „könnten 55 Prozent des Inhalts recycelt werden“, der Rest gehe in die Verbrennung. Doch das sind möglicherweise geschönte Zahlen. Denn nach Gesamtstatistik 2017 in Deutschland wurden von den 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen nur 16 Prozent wiederverwertet.

Unverpacktladen schließt Bedarfslücke

Sabine Lefebre hat auch auf den Schlemmermarkt ihre leeren Gefäße mitgebracht. Sogar bei Körperpflege- und Putzmitteln fällt bei ihr kein Plastikabfall mehr an – sie stellt die Dinge selber her. Alltagspraktisch umsetzbar ist das für die meisten Leute nicht. Eine Lücke, die der neue Häfler Unverpacktladen „Tante Emma's Bruder„ füllt. Betreiber Bernd Köhler rührt auf dem Schlemmermarkt die Werbetrommel nicht nur für offene Nudeln, Öle und Gewürze, sondern auch für das Deo in Papier und die Zahnpasta im Glas. Der neueste Hit: Zahnbürsten aus Bambus, die statt im Restmüll in der Biotonne landen.

Stammtisch für Erfahrungsaustausch geplant

Eine Nulldiät ist beim Plastikfasten wohl kaum möglich, doch mit ihrer Aktion wollen die Grünen eine Initialzündung geben – und dann weitermachen: Nach der See- und Strandputzete „RhineCleanUp“ am Samstag, 14. September, ist ein Plastikstammtisch geplant, zum Austausch von Tipps. Außerdem ist jeder eingeladen, über seine Erfahrungen beim Plastikfasten zu bloggen.

Informationen im Internet:
http://www.gruene-fraktion-fn.de