In Pandemiezeiten einen Betrieb zu führen, hat seine Tücken. Das neu zusammengefundene Kernteam des Frickinger Wirtschaftsrats (WR) berichtet von teils verzögerten Materiallieferungen und stark angezogenen Preisen. Auch wenn im 20. Jahr des Bestehens des Wirtschaftsrats keine Feierstimmung aufzukommen scheint, bleiben die Teammitglieder optimistisch. Sie hoffen auf wieder mehr mögliches Miteinander in 2022 und stellen die Vorzüge des Gremiums heraus, das rund 180 Mitglieder hat.

Die bisher zwei Corona-Jahre waren für keinen der Wirtschaftsrat-Vertreter ganz einfach. Franziska Schlitner und Martin Müller betreiben einen Reithof. Den Reitbetrieb haben sie wegen der hohen Corona-Auflagen zeitweise komplett einstellen müssen. Zurzeit läuft er wieder. Aber die Holzpellets für die Heizung wurden immer noch nicht geliefert. Caroline Elstner weiß, wovon ihre beiden Kollegen reden. Bis zu vier Monate müsse ihr Zimmerereibetrieb zeitweise auf Holzbalken warten. Philippe Hermle, Leiter Zentrale Dienste von Camphill-Schulgemeinschaften, kennt Einschränkungen in den Bereichen Holz bis Elektronik.

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Bäckermeister Josef Baader fasst zusammen: „Die Problematik Corona beschäftigt uns alle intensiv.“ Besonders die Gastronomie habe es aufgrund der Kontaktbeschränkungen gebeutelt. Da seine Bäckereibetriebe als systemrelevant gelten, konnte er die Ladentüren stets offenlassen. Trotzdem erfordere es viel Geschick, Kontaktbeschränkungen in Betrieben intern umzusetzen.

Vorausschauendes Einkaufen und Bevorratung gefragt

Dass das Zwischenmenschliche, wie ein Händedruck oder gemeinsame Weihnachtsfeiern, wegen Corona wegfallen müssen, versteht er, bedauert es aber sehr. „Für den Teamzusammenhalt ist das nicht gut.“ Auch der Bäckermeister hat Probleme mit Material-Engpässen. Auf Ersatzteile für eine Maschine müsse er derzeit bis zu vier Monate warten. Seine Backwaren müsse er momentan in unbedruckte Papiertragetaschen minderer Qualität verpacken lassen. Die gewohnte Ware sei nicht zu bekommen. „Vorausschauendes Einkaufen auf Vorrat und Sicherheit ist jetzt gefragt“, sagt Baader. Bei Getreide und anderen Rohstoffen für die Herstellung der Backwaren sieht er keine Probleme. Hier bedient er sich bei bewährten Anbietern vor Ort. Allerdings bereiten ihm die gestiegenen Preise Bauchweh, beispielsweise von Milch und Butter.

Vernetzung in der Region „essentiell“

Die anderen Mitglieder aus dem Kernteam des Wirtschaftsrates nicken, denn sie machen ähnliche Erfahrungen mit teureren Materialien. „Die Teuerungsrate wird uns alle treffen“, befürchtet Baader. Froh zeigen sich alle, dass sie hauptsächlich regional und nachhaltig denken. Sie sägten ihr Holz vor Ort selbst und seien daher nicht auf Großsägereien angewiesen, nennt Medea Conrad ein Beispiel aus ihrem Holzverarbeitungsbetrieb. „Es ist für die Zukunft essentiell, sich im Regionalen zu vernetzen“, unterstreicht Conrad die Wichtigkeit des Wirtschaftsrats.

Ähnliche Probleme trotz unterschiedlicher Voraussetzungen

Und schon zählt die WR-Kerngemeinschaft weitere Vorteile des Gremiums auf. „Die Gemeinschaft hat hier Vorrang“, betont Wilfried Reichle vom gleichnamigen Autohaus. Sowohl in der Gesamtgemeinde als auch im Wirtschaftsrat stehe das Miteinander im Vordergrund. Gerade den Austausch unter den Gewerbetreibenden, Handwerkern und Dienstleistern schätzt das Team. Man habe ähnliche Probleme trotz unterschiedlicher Voraussetzungen.

Das erste hölzerne Logo des Wirtschaftsrates stammt von Gebhard Gut, der den Rat zusammen mit seiner Frau Gertrud aufbaute und zehn ...
Das erste hölzerne Logo des Wirtschaftsrates stammt von Gebhard Gut, der den Rat zusammen mit seiner Frau Gertrud aufbaute und zehn Jahre lang organisierte. | Bild: Martina Wolters

Bürgermeister lobt Netzwerk und Aktionen

Bürgermeister Jürgen Stukle ist überzeugt: „Wenn sich alle besser kennen, bleibt die Wirtschaftskraft vor Ort.“ Voll des Lobes ist er über das Netzwerk des Wirtschaftsrats, das sich über Vorträge, regelmäßige Hocks und die beliebten Betriebsbesichtigungen speise. Neue Betriebe würden gleich mit einbezogen und er heiße sie gemeinsam mit einem Vertreter des Wirtschaftsrats willkommen. „Für Neuzugänge ist das entscheidend“, betonen Müller und Schlitner, die aus der Schweiz nach Frickingen kamen und sich dank des Wirtschaftsrats zuhause fühlen.

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Vernetzung mit Koordinatorenstelle im Rathaus geplant

Ekrem Sylejmani von BSB Beton Sägen Bohren sagt: „Durch die Betriebsbesuche habe ich viele neue Menschen kennengelernt, interessante Einblicke bekommen, Ideen ausgetauscht und viel Neues gelernt, das mir selbst weitergeholfen hat.“ Für das neue Jahr steht schon ein erstes gemeinsames Treffen an, um die Jahresplanung aufzustellen. Sicher ist, dass die im Januar startende Koordinatorenstelle für kommunale Entwicklungspolitik im Rathaus sich unter anderem zum Thema Nachhaltigkeit mit dem Wirtschaftsrat vernetzen soll. Fix ist ferner bereits der Vortrag von Antje von Dewitz, Geschäftsführerin des Outdoor-Spezialisten Vaude in Obereisenbach, zum Thema Nachhaltigkeit.

Kalender 2022 des Wirtschaftsrats thematisiert Nachhaltigkeit

Seit 15 Jahren gestaltet Christa Balser den Frickinger Wirtschaftsrat-Kalender, der kostenfrei an alle Haushalte geliefert wird.
Seit 15 Jahren gestaltet Christa Balser den Frickinger Wirtschaftsrat-Kalender, der kostenfrei an alle Haushalte geliefert wird. | Bild: Martina Wolters

Vor 17 Jahren entstand die Idee eines selbst entwickelten Kalenders „von Frickingern für Frickinger“. Christa Balser vom gleichnamigen Projektbüro und langjähriges Mitglied im Kernteam des Wirtschaftsrats füllt seitdem den Tischkalender jährlich neu mit Leben. Hier sind Veranstaltungstermine, die ihr genannt werden, ebenso vermerkt wie die Termine der Müllabfuhr, Wahldaten und Daten von Finalspielen. Unter der Rubrik „Frickingen von A-Z“ findet sich ein immer aktualisiertes Nachschlagewerk der örtlichen Betriebe, Vereine und Initiativen sowie der Gemeindeverwaltung. Darüber hinaus werden thematisch Schwerpunkte gesetzt. So befasste sich der Kalender 2021 mit dem 20. Geburtstag des Wirtschaftsrates.

Die neue Ausgabe für 2022 steht im Zeichen der vom Bund finanzierten Koordinatorenstelle für kommunale Entwicklungspolitik (Kepol). „Wir wollen den Nachhaltigkeitsgedanken schon einmal in alle Haushalte tragen“, erläutert Balser. Daher seien die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung aus der UN-Agenda 2030 in den Mittelpunkt gerückt worden. Die Frickinger Bürger finden demnach im Kalender ganz praktische Beispiele, wie diese Ziele umgesetzt werden können. So sind beispielsweise zum Nachhaltigkeitsziel 3, „Gesundheit und Wohlergehen“, Blutspendetermine in der Gemeinde angegeben. Bei Nummer 12 „Nachhaltige/r Konsum und Produktion“ wird angeregt, Basare in der Festhalle der Gemeinde zu nutzen, um Kleidung für Erwachsene und Kinder zu kaufen. Der Kalender wird kostenfrei an alle Haushalte geliefert und wird über Werbeanzeigen finanziert. Die aktuelle Auflage liegt bei 1750 Exemplaren.