Der Erholungsort mit seinen rund 3000 Einwohnern hält ein besonderes Museumstrio in historischen Gebäuden bereit: Es gibt ein Obstmuseum im 1591 erbauten Petershauser Hof, das die Geschichte des Obstbaus im Bodenseeraum dokumentiert. Außerdem werden Kinder hier mit dem Raben Apfel-Krabb in das Geheimnis guter Äpfel eingeweiht. Die Lohmühle im Ortsteil Leustetten beheimatet ein Gerbermuseum mit funktionstüchtigem Wasserrad in einem Fachwerkbau von 1835.

Mechanikerwerkstatt mit vielen Raffinessen

Und das dritte Museum im Bunde: In der Teilgemeinde Altheim ist eine über 100 Jahre alte Mechanikerwerkstatt mit vielen Raffinessen der Tüftlerfamilie Widmer erhalten. Dank großem Engagement ist sie seit 15 Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich. Gleichzeitig widmet sich ein Raum dem Widmer-Lehrling Josef Maier, der nach Lehrzeit und Kriegsdienst als Maschinenbaufabrikant im französischen Jura mit zahlreichen Erfindungen wie Brillenscharnieren oder einem Taumelscheibenmotor Furore machte.

Schon die selbstfahrende Holzsäge im Museumshof ist eine Attraktion, vor allem, wenn sie von Peter Rütten und Siegfried Werres per Handkurbel in Betrieb gebracht wird.
Schon die selbstfahrende Holzsäge im Museumshof ist eine Attraktion, vor allem, wenn sie von Peter Rütten und Siegfried Werres per Handkurbel in Betrieb gebracht wird. | Bild: Martina Wolters

Der 15. Geburtstag des Tüftlermuseums soll gebührend gefeiert werden. Derzeit ist ein Buch über Maier in Arbeit, das Heimatkundler Albert Mayer verfasst und im Rahmen des Herbstmarktes veröffentlicht werden soll. Außerdem soll es eine Ausstellung geben. Wer die Widmerschen Werkräume betritt, der fühlt sich sofort in eine andere Zeit versetzt. "Hier ist alles über 100 Jahre alt, aber alles funktioniert noch", sagt Peter Rütten, einer der fünf Ehrenamtlichen um den Museumsverantwortlichen Siegfried Werres, die Besucher sonntags oder zu Sonderterminen in die Werkstattgeheimnisse einweihen.

Geräte wie von Zauberhand in Betrieb gesetzt

Schon allein das ausgeklügelte Wasserturbinensystem, durch das alle vorhandenen technischen Gerätschaften plötzlich wie von Zauberhand in Betrieb gesetzt werden, faszinieren die Besucher. Ein vom 1999 verstorbenen Karl Widmer Junior entwickeltes Transmissionsriemen-System verteilt die Wasser-Antriebskraft in die beiden Werkstatträume und bringt die dortigen Maschinen in Gang. Die Transmissionswellen reichen sogar bis nach draußen, sodass großes Maschinengerät ebenfalls instand gesetzt werden konnte.

Beinahe jedes Detail in den Tüftlerräumen ist noch im Originalzustand. Trotz seines hohen Alters ist der Widmersche Maschinenpark mit vielen kleinen und großen Erfindungen noch voll funktionstüchtig.
Beinahe jedes Detail in den Tüftlerräumen ist noch im Originalzustand. Trotz seines hohen Alters ist der Widmersche Maschinenpark mit vielen kleinen und großen Erfindungen noch voll funktionstüchtig. | Bild: Martina Wolters

Alles dreht sich, alles bewegt sich. Genaueres Hinsehen lohnt in jedem Fall. Zum Beispiel bei der Drehbank Marke Eigenbau, die dank ihrer besonderen Größe schon damals Platz bot für die Reparatur von großformatigen Mühlen- oder Dreschwellen.

Pfiffige Ideen erleichtern die Arbeit

Hinzu kommt die pfiffige Idee, den Vorschub mit einer Schnur zu regeln, damit der Werkstattmeister zwischendurch Zeit hatte, andere Arbeiten zu verrichten. Interessant ist auch die selbstentwickelte Bohrmaschine mit unkompliziertem Bohrerwechsel über einen kurzen Druck auf die Bohrerwelle oder der Schweißbock mit eingebauter Zündspule, um per Zündkerze den Schweißbrenner zu starten. "Streichhölzer waren teurer und schwieriger in der Handhabung", wie Werres erläutert.

Siegfried Werres hält als ehrenamtlicher Museumsverantwortlicher die Tradition der Bruckfelder Tüftlerdynastie Widmer in Ehren.
Siegfried Werres hält als ehrenamtlicher Museumsverantwortlicher die Tradition der Bruckfelder Tüftlerdynastie Widmer in Ehren. | Bild: Martina Wolters

Ein Blick in die Höhe ist ebenfalls lohnenswert. Werkstattführer Peter Werres deutet auf eine von der Decke hängende Trommel. Mithilfe eines Ventilators habe der ausgebuffte Tüftler die Maschinenabwärme zum Heizen seines Standorts genutzt. Lange vor der Elektrifizierung Altheims sorgte ein Elektromotor für Licht und Strom in den Widmerschen Räumen. Bei all den vielen technischen Raffinessen und Möglichkeiten ist es kein Wunder, dass die Frickinger Reparaturwerkstatt zu Lebzeiten Widmers Anlaufstelle war für Menschen aus dem gesamten Bodenseekreis. Mit ihren defekten Landmaschinen, Motoren, Fahrrädern oder Schleppern seien sie zu ihm in den Frickinger Teilort gekommen.

Anziehungspunkt für 1200 Gäste im Jahr

Bis heute zu ist das von Karl Groß initiierte Museum am Altheimer Ortseingang ein Anziehungspunkt. Bis zu 1200 Gäste kommen laut Werres jährlich. Eine Gruppe von 20 Frickingern hatte die Großsche Idee mithilfe eines Museumsplaners umgesetzt. Fünf sind bis heute noch aktiv bei den Führungen an Sonn- und Feiertagen oder bei Sonderführungen. Wenn etwas kaputt geht, legt Fuhrunternehmer und Landwirt Siegfried Werres selber Hand an. Ihm macht die ehrenamtliche Tätigkeit Spaß, wie er sagt. "Zu sehen, wie die Besucheraugen leuchten, wenn sich die Maschinen in Bewegung setzen und wir die Zusammenhänge erklären, ist einfach toll", meint er.

Josef-Maier-Stiftung von Albert Mayer

15 Jahre ist es her, dass das Tüftler-Werkstatt-Museum seine Pforten geöffnet hat. Genauso alt ist auch die Institution, welche das Museum trägt: Die Josef-und-Bernadette-Maier-Stiftung. Sie ist das Vermächtnis des erfolgreichen Unternehmers Josef Maier. Der gebürtige Bruckfelder machte in den 1930er Jahren in dieser Werkstatt eine Mechanikerlehre. Gleich darauf musste er zur Wehrmacht, nahm am Krieg in Russland teil, wurde als technisches Genie erkannt und vom Kriegsdienst freigestellt. Er kam in französische Gefangenschaft.

Auch in Frankreich erkannte man seine hervorstechenden Eigenschaften und er avancierte recht schnell vom Kriegsgefangenen zum erfolgreichen Unternehmer. Er produzierte Brillenbügel und -scharniere sowie Metallarmbänder und entwickelte auch die Maschinen zu deren Herstellung. Daneben tüftelte er mit dem Fischbacher Fabrikant Josef Wagner an der Konstruktion eines Volkshubschraubers, um sich in späteren Jahren nach dem Verkauf seines Werks ausschließlich mit der Entwicklung seines von ihm erfundenen Taumelscheibenmotors zu beschäftigen. Schon zu Lebzeiten war es Josef Maiers Wunsch, seine alte Lehrwerkstatt zu erhalten und finanziell zu unterstützen. Das Tüftler-Werkstatt-Museum wurde im Jahr 2003 eröffnet; im selben Jahr wurde auch die Josef-und-Bernadette-Maier-Stiftung errichtet. Josef Maier konnte beides nicht mehr erleben, er erlag im Jahre 1995 einem schweren Leiden.

Um diesen so einzigartigen und außergewöhnlichen Menschen Josef Maier einem breiteren Publikum näherzubringen, ist derzeit seine Biografie in Vorbereitung, in welcher Albert Mayer seinem Leben und Wirken nachgeht, um ihm damit ein bleibendes Denkmal zu schaffen. Sie soll aber auch gleichzeitig eine Reminiszenz an seine Witwe Bernadette Maier sein, die mit viel Leidenschaft und Herzblut das Vermächtnis ihres Mannes verwaltet. Seine ehemaligen Freunde und Wegbegleiter werden das Buch ebenso gerne in die Hand nehmen wie auch technikbegeisterte Besucher des Museums, die sich über Josef Maier und seine Lebensleistung ein Bild verschaffen möchten.

Zum 15. Jubiläum der Stiftung und des Museums wird eine Ausstellung informieren und den Lebensweg Josef Maiers aufzeigen. Bei der Vernissage zur Ausstellung im Rahmen des Herbstmarkts soll auch die Biografie vorgestellt werden.