Leise schnurrt der kleine Elektromotor und schiebt die Segelyacht vor Seemoos auf den spiegelglatten See. Nur vereinzelt sind dunkle Flecken auf dem Wasser zu erkennen. Leichte Böen, die das Boot nach dem Segel setzen vor sich hertreiben. Lautlos und elegant. Mit der "Green Bente 24" präsentiert Friedrich Deimann bei der diesjährigen Interboot erstmals eine Jacht aus nachhaltigen Materialien.

"Ich war auf einer Waldorfschule und habe als Segler ein Gefühl für Natur und Umwelt", sagt der 30-jährige Bootsbaumeister und Gründer von Greenboats in Bremen. Als naturverbundener Segler wollte er, wie er sagt, nicht mehr länger auf einem Haufen Sondermüll fahren und begann nach Alternativen zu suchen. Seine Lehre hat Deimann, der bereits mit 14 genau wusste, was er lernen wollte, bei einem Holzbootsbauer gemacht. Als er ein paar Jahre im Kunststoffbau arbeitete, begann er zu experimentieren und zu forschen.

"Ich habe gesehen, wie viele fossile Rohstoffe verarbeitet wurden", sagt er und wollte die Vorteile dieser Fertigungstechnik zukünftig umweltfreundlicher nutzen. Bei seiner Recherche stieß er auf Flachsfasern, die die höchste Zugfestigkeit aller Pflanzenfasern aufweisen und die mit der von Glasfasern vergleichbar ist. Auf der Suche nach nachwachsenden Rohstoffen aus dem europäischen Raum stieß er zudem auf Kork. "Kork lässt sich gut verarbeiten, verrottet nicht, dämpft und absorbiert Vibrationen und Schläge." Dass Korkeichen in ihrer Wachstumsphase viel CO2 binden, ist dabei ein erfreulicher Nebeneffekt.

Die Oberfläche der 24 Fuß langen Jacht, nach dem Riss der Bente 24 gebaut, zeigt eine hochwertig glänzende Strukturoberfläche und wirkt von Weitem wie Holz. Flachsfasern, getränkt mit einem Epoxid-Harz auf Pflanzenölbasis, bilden die äußeren Schichten, dazwischen ist Kork. Auch auf Teak als Tropenholz hat er verzichtet. Das Deck ist ebenfalls mit Kork belegt. Die Jacht, die durch ihre extravagante Optik besticht, steht ihrer Schwester herkömmlicher Bauart in nichts nach. Haltbarkeit, Steifigkeit und Segeleigenschaften seien eins zu eins vergleichbar, sagt Friedrich Deimann und steuert lautlos über den See.

Friedrich Deimann, 30, hat mit der Green Bente 24 ein Boot aus nachwachsenden und natürlichen Rohstoffen gebaut.
Friedrich Deimann, 30, hat mit der Green Bente 24 ein Boot aus nachwachsenden und natürlichen Rohstoffen gebaut. | Bild: Anette Bengelsdorf

Da bildet Tom Amann auf den ersten Blick mit seinen historischen Rennmotorbooten den Gegenpol. Bis man mit ihm ins Gespräch kommt: "Solche Boote sind für mich ein Kunstwerk", sagt der ehemalige Generaldirektor eines internationalen Unternehmens. So entdeckte der Manager, der auch Künstler ist, seine Leidenschaft für Rennboote und ganz speziell für die Dreipunkter, die ehemalige Formel 1 des Motorbootsports. "Wichtiger als besitzen und fahren sind für mich dabei die Geschichte, die Form und die Technik", sagt der 55-Jährige. Zu einem Exemplar des italienischen Konstrukteurs Popoli aus dem Jahr 1971 hat er jetzt eines von Timossi gekauft. Ein Glücksfall bei der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Denn von vielen ihrer Art ist nur noch der Auspuff oder die Motorabdeckung erhalten. Auch dieses Boot, dass wie alle seiner Klasse an eine fliegende Untertasse erinnert und durch den Auftrieb nur auf drei Punkten das Wasser berührt, war in schlechtem Zustand.

Mithilfe des bereits 80-jährigen Technikers, der 1969 den Renner gebaut hatte, restaurierte Amann das Kulturgut. "Ich bin handwerklich begabt und lege gerne selber Hand an", sagt er und freut sich über das Lob des Verkäufers, eine italienische Rennfahrerlegende. Ein Erlebnis der besonderen Art ist es, wenn diese Boliden, die 1936 in USA erfunden wurden, auf dem Wasser sind. Mit 2500 Kubik, verteilt auf sechs Zylinder, leistet der Timossi 170 bis 180 PS und gleitet mit dem Sound einer wild gewordenen Wespe mit bis zu 250 Stundenkilometern Geschwindigkeit über den See. Für die Demo-Rennen am zweiten Interboot-Wochenende, mit deutlich niedrigerer Geschwindigkeit, haben die Piloten eine Sondergenehmigung. Zu wünschen ist Amann ein spiegelglatter See. Denn "bei 170 Stundenkilometern muss man schon gut beieinander sein, um das zu kontrollieren".

Rund um die Messe

  • Die 55. Interboot findet von Samstag den 17. bis Sonntag, den 25. September 2016 statt. Parallel, vom 15. bis 18. September, die Interdive. 471 Aussteller aus 18 Ländern stellen in acht Hallen aus. Das Angebot umfasst Segel- und Motoryachten, Katamarane und Schlauchboote, Kanus, Kajaks, Wasserski und Wakeboards.
  • Interdive: Das Angebot der Parallelmesse Interdive umfasst 200 Aussteller mit Ausrüstung, Urlaubsangeboten und vielen Informationen rund ums Tauchen.
  • Das Rahmenprogramm bietet eine stehende Surfwelle in Halle B2, ein Aktionsprogramm mit Wakeboardshow und Schnuppersegeln auf dem Messe-See.
  • Im Interboot-Hafen können über 130 Boote besichtigt und getestet werden, der ADAC bietet Schulung für Powerboote, dazu gibt es Motorboottraining für Frauen.
  • Veranstaltungen: Interboot-Trophy, Oldtimerregatta, Motorbootrennen "Liquid Quarter Mile", Wakeboardwettbewerbe und -Show, SUP-Wettfahrten.
  • Öffnungszeiten: Die Messe ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sunsetshopping, nur in Halle B1, am Donnerstag, den 22. September, bis 21 Uhr. Interboot-Hafen täglich von 10 bis 19 Uhr.
  • Eintrittspreise: Tageskarte 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, Zwei-Tages-Karte 17 Euro, Familienkarte (Eltern mit allen Kinder von vier bis 16 Jahren) 28 Euro. Kinder von sechs bis 14 Jahren 5 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt. Der Besuch des Interboot-Hafens ist kostenlos. Kombikarte Interboot und Interdive am 17. und 18. September 16 Euro, Familien 38 Euro. Nur Interdive: Tageskarte 6 Euro.
  • Kostenloser Bus-Shuttle ab Stadtbahnhof, Messehafen/Fähre, Eingang Ost und Eingang West.