Die Feriengäste bei Familie Wengert in Ahausen haben es gut: Tagelang können sie den riesigen Garten genießen und sich überall niederlassen. Vier Sitzgruppen und Liegen laden zum Verweilen oder zu einem Nickerchen ein. Aber es genügt auch schon eine kurze Zeit, um in einer der Ecken hektischen Alltag abzustreifen und zu entspannen.

Das können Brigitte und Kurt Wengert auch selbst – wenn der Garten dann mal gegossen ist. Denn in diesem trockenen Sommer musste "Wassermeister" Kurt Wengert öfters mal zum Schlauch greifen und Überstunden leisten. Über eine Stunde täglich ist er mit dem Gießen der Blumen, des Rasens und des Gemüses beschäftigt.

Mit einer grünen und blühenden Fassade ist der Holzschopf verdeckt, in dem Brigitte Wengert bügelt und in dem einige Pflanzen überwintern.
Mit einer grünen und blühenden Fassade ist der Holzschopf verdeckt, in dem Brigitte Wengert bügelt und in dem einige Pflanzen überwintern. | Bild: Christiane Keutner

Aber es lohnt sich, denn der Nutzgarten, der heute anders genutzt wird als früher, ist nicht abgenutzt: Wo früher Hennen Würmer pickten, 20 Hasen vor sich hin mümmelten, Geißen grasten und sich eine Sau sauwohl fühlte, gedeihen heute so viele Pflanzen, dass Brigitte Wengert kaum Gemüse und Obst dazukaufen muss – abgesehen von den Zwetschgen für den Kuchen, die sie bei den Nachbarn holt.

800 Quadratmeter Baumgarten

Ansonsten hängen die Bäume im rund 800 Quadratmeter großen Baumgarten voll: Hier leuchten gelbe Mirabellen und Birnen, dort grüne diverse Apfelsorten, prallvoll sind die Johannisbeersträucher und Jostabeeren, und ein kleiner Zwetschgenbaum wirft demnächst auch mehr Früchte ab. "Ich kaufe nie Salat – auch nicht im Winter", wehrt die 77-Jährige ab und erzählt vom "running gag": Einmal sagte sie zu den Enkeln, sie sollten den Salat aus Omas Garten nehmen. Wann immer nun zu Tisch gerufen wird, heißt es dann aus aller Munde "ah, aus Omas Garten". Es muss aber was dran sein am biologisch gezüchteten Gemüse, denn Schwiegersohn Thommy Hummel isst ausschließlich Tomaten aus "Omas Garten".

Tomaten und Paprika gediehen gut. Sie sind in der Obhut von Kurt Wengert.
Tomaten und Paprika gediehen gut. Sie sind in der Obhut von Kurt Wengert. | Bild: Christiane Keutner

Die Tomaten sowie Gurken und Paprika sind neben Gießen und Grasen das "Projekt" von Kurt Wengert, der Rest ist fest in weiblicher Hand: Passanten läuft beim Anblick des Vorgartens wohl das Wasser im Mund zusammen: Dort gedeihen Zucchini, Salat, Auberginen, Rosenkohl, Zwiebeln und alle Kohlarten; dazu Kräuter wie Petersilie, Bohnenkraut, Schnittlauch, Basilikum, Rosmarin, Oregano und sogar Curry – ein frisches Zweiglein zum Braten ergibt eine besondere Geschmacksnote.

Dazwischen, nebendran und hinter dem Haus blühen meterhohe Sonnenblumen, Petunien, Oleander, Kartoffelblumen und Pflanzen, deren Namen Brigitte Wengert gar nicht kennt. Stolz ist sie auf ihre über 20 Jahre alte Hängebegonien, die vor der Pergola baumeln.

Ihr Witz spiegelt sich im "Sau-Bänkle" wider, auf dem sich Brigitte und Kurt Wengert sauwohl fühlen: Die Lehne des Bänkles, das aus ihrem alten Apfelbaum entstand, ähnelte einem Schwein; eine Kugel im Astloch ist das Auge.
Ihr Witz spiegelt sich im "Sau-Bänkle" wider, auf dem sich Brigitte und Kurt Wengert sauwohl fühlen: Die Lehne des Bänkles, das aus ihrem alten Apfelbaum entstand, ähnelte einem Schwein; eine Kugel im Astloch ist das Auge. | Bild: Christiane Keutner

Brigitte Wengert liebt ihre Arbeit im Freien – und die Früchte ihrer Arbeit: "Ich bin keine Schubladen-Putzerin und freue mich, wenn ich in den Garten lauf, ums Eck und meine eigenen Produkte holen kann. Da legen wir Wert drauf." Nur in diesem Jahr nahm der Spaß mit zunehmender Hitze ab: "Zu heiß zum Schaffen und es ist nicht alles gekommen", bedauert sie.

Wengers sind Draußen-Menschen

Rechnet man es um, wurschtelt die 77-Jährige mindestens einen Tag pro Woche auf ihrem Grundstück. "Wenn man anfängt, findet man schlecht ein Ende." Wengers sind Draußen-Menschen: Wann immer es möglich ist, wird unter freiem Himmel zu Mittag gegessen und abends gevespert; bei schlechtem Wetter unter der Pergola. Oder unterm 50 Jahre alten knorrigen, Schatten spendenden Birnenbaum. Gott sei Dank ist der mit einem Netz gesichert: Urplötzlich pengt eine Birne aufs Dach und wird abgefangen – sonst wäre sie auf Mensch oder Tisch geknallt.

Reichlich Futter finden Hummeln und Bienen an den leuchtenden Sonnenblumen.
Reichlich Futter finden Hummeln und Bienen an den leuchtenden Sonnenblumen. | Bild: Christiane Keutner

Nicht nur die Pflanzen profitieren vom großen Garten. Mimi und Oskar, die zwei Katzen, streifen gerne durchs Gelände. Sie machen es sich auch schon mal auf dem "Liebesbänkle" am Mühlbach gemütlich, der dieses Jahr jedoch kein Wasser führte. Das Mini-Teichle, an dem Keramikenten sitzen, dient als Quelle für dürstende Tiere. Im von Kurt Wengert gebauten Insektenhotel fliegen die Wildbienen ein und aus; im Baumgarten nisten Erdbienen. Meisenkästen bieten Brutmöglichkeiten – und Kurt Wengert die Möglichkeit, im Winter anhand des Vogelbuchs die Arten zu bestimmen. Am First des Holzschopfs, der heute als Bügelraum und Winterquartier für frostempfindliche Pflanzen genutzt wird, bietet ein Fledermauskasten den nützlichen Nachtschwärmern Unterschlupf.

Bevor Brigitte Wengert ins Haus eilt, um den täglichen Kuchen für Familie und Gäste zu backen, zitiert sie einen Gärtner: "Der sagt, ein Garten ersetzt den Psychiater. Kurz bevor ich am Überschnappen bin, gehe ich in den Garten."

Warm war es Schwiegersohn Thommy Hummel, als er das Holz hackte, warm ums Herz wird es Wengerts beim Gedanken an die geleistete Arbeit und an den warmen Winter.
Warm war es Schwiegersohn Thommy Hummel, als er das Holz hackte, warm ums Herz wird es Wengerts beim Gedanken an die geleistete Arbeit und an den warmen Winter. | Bild: Christiane Keutner