"So gut ist es mir noch nie ergangen, ich habe noch keinen Tag bereut. Hier erhalte ich die Hilfe, die ich benötige." Ursula Kübler ist glücklich. Die 92-Jährige wohnt seit knapp zehn Jahren im Wohnpark Seefelder Aach an der Aachstraße in Oberuhldingen. Wenn sie Hilfe braucht, beispielsweise um Einkäufe im Ort zu erledigen, wendet sie sich an den Verein Bürger für Bürger Uhldingen-Mühlhofen, in dem sie seit dessen Gründung vor 15 Jahren Mitglied ist. Der unabhängige und ehrenamtliche Verein bietet unter anderem Botengänge, Begleit- und Fahrdienste sowie handwerkliche und hauswirtschaftliche Hilfsdienste an. "Früher habe ich anderen geholfen, jetzt lasse ich mir helfen", sagt die gebürtige Schlesierin. "Ich muss mich meinem Schicksal ergeben."

Das bürgernahe Betreuungskonzept des Vereins sieht vor, älteren Menschen zu helfen, damit sie nach Möglichkeit in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können, wie Vorstandssprecher Meinrad Holstein verdeutlicht. Seit der Gründung hat sich der Verein Bürger für Bürger zu einer unverzichtbaren Einrichtung in der Gemeinde entwickelt. „Wir sind stolz darauf, einen solchen Verein in unserer Gemeinde zu haben. Seine Arbeit ist wertvoll und wichtig“, sagt Bürgermeister Edgar Lamm. „Der Verein ist in der Gemeinde eine zentrale soziale Einrichtung von höchster Bedeutung und mit weit überregionaler Anerkennung. Er war und ist Vorbild für viele andere später gegründete Initiativen.“

Sieben Vorstandsmitglieder, unterstützt von einem Beirat aus vier Mitgliedern, lenken die Geschicke des Vereins. Holstein erklärt: „Wir möchten Hilfe ergänzend zu bestehenden sozialen Einrichtungen bieten, wobei der Fokus auf der Hilfestellung in akuten Notfällen liegt. Wir bieten Botengänge, Begleit- und Fahrdienste an. Aber auch hauswirtschaftliche Dienste sowie Beratung und Organisation bei der Erledigung amtlicher oder sonstiger Vorgänge.“ Drei Ansprechpartner koordinieren und organisieren diese Hilfen. Im Jahr 2016 leisteten die Mitglieder bei 862 Einsätzen fast 2000 Stunden Hilfe.

Im Bürgerbüro des Vereins: (von links) Kassierer Rolf Rudischhauser, Zorica Meljanac (Bürodienst) und Vorstandssprecher Meinrad Holstein.
Im Bürgerbüro des Vereins: (von links) Kassierer Rolf Rudischhauser, Zorica Meljanac (Bürodienst) und Vorstandssprecher Meinrad Holstein. | Bild: Holger Kleinstück

Holstein erzählt, dass Hilfsdienste ausschließlich von Vereinsmitgliedern erbracht werden. Leider sei das Problem, dass die Mitgliederzahl sehr hoch, die Zahl der Helfer jedoch relativ klein sei. „Neue Helfer zu gewinnen, ist für den Vorstand daher ein wichtiger Schwerpunkt“, betont der Vorstandssprecher. Dafür werden auch jüngere und aktive Bürger gesucht, die ihre individuellen Fähigkeiten einbringen und bereit sind, nach Absprache vor Ort Hilfeleistungen oder Dienste füreinander zu erbringen oder ihr Wissen an andere Mitglieder weiterzugeben.

Bei mittlerweile fast 500 Mitgliedern erfordern Holstein zufolge allein schon die Finanzen nicht nur viel Sachkenntnis in EDV und Buchhaltung, sondern auch sehr viel Zeit und Sorgfalt. Von Beginn an erledigt das Rolf Rudischhauser für den Verein. Das gesellige Beisammensein kommt ebenfalls nicht zu kurz, „auch dies erfordert eine gehörige Portion Organisationstalent und Vorbereitungen“, sagt Holstein. So sind immer wieder Ausflüge und Vorträge angesagt, auch eine Weihnachtsfeier. „Ferner beabsichtigen wir, den Stammtisch wiederzubeleben, der schon einmal existierte", sagt der Vorstandssprecher.

Als Kontaktstelle zur Bevölkerung nennt Holstein die Geschäftsstelle in der Aachstraße 18a, in der Fragen der Mitglieder persönlich beantwortet werden. Aber auch Interessierte, die dem Verein beitreten wollen, werden hier informiert. So liegen hier nicht nur Broschüren aus, die den Leistungskatalog des Vereins beschreiben, sondern auch solche für einen Antrag auf Mitgliedschaft.

Ein zweites Standbein des Vereins ist die Betreuung der Bewohner in der Seniorenwohnanlage Seefelder Aach in Oberuhldingen.
Ein zweites Standbein des Vereins ist die Betreuung der Bewohner in der Seniorenwohnanlage Seefelder Aach in Oberuhldingen. | Bild: Holger Kleinstück

Ein zweites Standbein des Vereins ist die Betreuung der Bewohner in der Seniorenwohnanlage Seefelder Aach. Ein Team aus vier Frauen kümmert sich hier um die Belange von 78 Bewohnern, um eine eigenständige Lebensgestaltung bis ins hohe Alter zu ermöglichen. Dem Wohnpark liegt die Idee „so viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Hilfe wie nötig“ zugrunde. Holstein sagt: „Unsere Mitglieder sind Ansprechpartner für alltägliche Probleme der Einzelnen und sie fördern durch die Organisation von Festen und gemeinschaftlichen Aktivitäten das gesellschaftliche Miteinander.“

 


Der Verein

Der 2003 gegründete gemeinnützige Verein Bürger für Bürger Uhldingen-Mühlhofen hat sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zu leisten, die Lebensqualität älterer, behinderter und Hilfe suchender Mitglieder zu erhalten, ergänzend zu den bestehenden sozialen Einrichtungen. Dazu wird im privaten Wohnumfeld der Mitglieder eine aktive Hilfe und Unterstützung verlässlich angeboten. In einem Katalog finden sich Leistungen für Betreuung und für Tätigkeiten des Alltags, die vom Mitglied nicht selbst ausgeführt werden können.

Ein Bürgerbüro ist in der Aachstraße 18c eingerichtet. Sprechzeiten sind Dienstag und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr, Telefon 0 75 56/92 97 91. Der Verein hat rund 440 Mitglieder und betreut 75 Mitglieder, die in der Seniorenwohnanlage Wohnpark Seefelder Aach leben.

Sprecher des Vorstands ist Meinrad Holstein. Für die Organisation von Hilfe- und Betreuungsleistungen gemäß des Leistungskatalogs sind Ansprechpartner: Josefine Brost, Telefon 0 75 56/83 22; Heidi Mielke, Telefon 0 75 56/96 6 9 13; Barbara Walter, Telefon 0 75 56/88 14.

Informationen im Internet: www.buergerfuerbuerger-um.de

 

"Habe Zeit übrig, anderen zu helfen"

Benno Beck, Vereinsmitglied
Benno Beck, Vereinsmitglied | Bild: Holger Kleinstück

Benno Beck, Vereinsmitglied: „Ich bin erst im September von München hierher gezogen. Ich kenne hier noch nicht viele. Meine Motivation ist vielfältig. Zum einen habe ich Zeit übrig, die man nutzen kann, anderen Leuten zu helfen. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit, in die Gemeinde hineinzukommen und Menschen kennenzulernen, also soziale Kontakte zu etablieren. Bis jetzt habe ich noch weniger Einsätze, als ich mir vorgestellt habe, denn ich habe nur ein paar mal Schnee geräumt. Aber ich bin sicher, das wird sich ändern.“

 

"Will mit Menschen zu tun haben"

Erich Kramer, Wohnpark-Bewohner
Erich Kramer, Wohnpark-Bewohner | Bild: Holger Kleinstück

Erich Kramer, Wohnpark-Bewohner: „Nach Beendigung meiner beruflichen Tätigkeit in Friedrichshafen habe ich mir gesagt: Du musst was machen, und zwar etwas grundsätzlich Gegensätzliches. Denn ich komme aus der Technik und wollte etwas mit Menschen zu tun haben. Nach meinem Umzug hierher hat mich der Vorstand von Bürger für Bürger gefragt, ob ich mitmachen möchte, das habe ich dankend angenommen. Ich bin jetzt beauftragt, unser Büro in der Aachstraße zu organisieren. Ich bin jetzt knapp fünf Jahre dabei.“

 

"Ich bringe mich einfach ein"

Karin Beyer, Wohnpark-Bewohnerin
Karin Beyer, Wohnpark-Bewohnerin | Bild: Holger Kleinstück

Karin Beyer, Wohnpark-Bewohnerin: „Ich bin eigentlich von früher gewohnt, dass ich Leuten in irgendeiner Weise geholfen habe. Viele Jahre habe ich eine ältere Dame betreut. Hier im Haus betätige ich mich, wo Hilfe gebraucht wird, da bin ich einfach da. Tisch decken, fahren oder im Garten arbeiten. Nicht nur für Bürger für Bürger, sondern auch für mich selbst, weil ich gerne etwas in die Hand nehme. So bringe ich mich einfach ein. Morgens zwischen sieben Uhr und halb acht ist das Erste, was ich mache: die Zeitung zu verteilen.“

 

"Bin sozusagen schon ewig dabei"

Rolf Rudischhauser, Kassierer
Rolf Rudischhauser, Kassierer | Bild: Holger Kleinstück

Rolf Rudischhauser, Kassierer: „Meine Hauptaufgabe ist es, mich um die Finanzen des Vereins Bürger für Bürger zu kümmern. Ich bin ja Gründungsmitglied des Vereins, der sich im Jahr 2003 zusammenfand, und damit sozusagen schon ewig dabei. Ich beschäftige mich mit dem finanziellen Teil schon von Anfang an, sowohl im Verein als auch im Wohnpark Seefelder Aach. Ich mache das, was man tun kann, manchmal ist es natürlich ein bisschen mehr. Mich mit Zahlen zu beschäftigen, das macht mir aber nach wie vor Spaß.“