Es ist ein echter Knochenjob, den sich der 38-jährige Erich Riedisser-Wegner aus Hergensweiler bei Lindau da als Hobby ausgesucht hat. Doch dieses Mal war all das Klettern, Wandern und stundenlange Steine klopfen von Erfolg gekrönt. Der 38-Jährige hat auf dem Pfänderrücken in der Nähe von Bregenz einen Sensationsfund gemacht, da sind sich auch alle Experten einig. Auf der Suche nach Schnecken im Gestein, stieß er auf Knochenteile und Backenzähne eines Ur-Elefanten, der vor rund 15 Millionen Jahren auf dem Pfänder heimisch war.

Aus diesen und weiteren Einzelteilen hat Erich Riedisser-Wegner Backenzähne eines Ur-Elefanten zusammengesetzt.
Aus diesen und weiteren Einzelteilen hat Erich Riedisser-Wegner Backenzähne eines Ur-Elefanten zusammengesetzt. | Bild: Benno Schwinghammer

"Ich versuche mir, wenn ich so etwas höre, immer vorzustellen, wie es damals wohl bei uns ausgesehen haben mag. Mit Palmen, anderen exotischen Pflanzen und Tieren, wie eben auch dem Gomphotherium (Ur-Elefant, Anm. d. Red.)", schwärmt Professor Gunter Schöbel vom Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen. Der Forscher ist ganz begeistert vom Fund des bayerischen Hobbygeologen und weiß auch: "Wir als Wissenschaftler sind auf engagierte Hobbyforscher angewiesen, die dann solche Funde auch melden und der Forschung zur Verfügung stellen", sagt Schöbel. Er hält den Fund der mehr als 1000 Einzelteile für eine ganz besondere Sache und weiß, dass solche Entdeckungen ausgesprochen selten sind.

Der Ur-Elefant, von dem die Fundstücke aus Vorarlberg stammen, soll vor mehr als 15 Millionen Jahren gelebt haben, als in der Region noch ein subtropisches Klima herrschte.
Der Ur-Elefant, von dem die Fundstücke aus Vorarlberg stammen, soll vor mehr als 15 Millionen Jahren gelebt haben, als in der Region noch ein subtropisches Klima herrschte. | Bild: Erich Riedisser-Wegner

Was er da bereits im vergangenen September auf dem knapp 1000 Meter hohen Pfänder gefunden hatte, war dem Hobbymineraliensammler zunächst allerdings nicht klar. "Ich war unterwegs an einer Stelle, die ich schon zuvor zwei bis drei Mal im Jahr besucht hatte. Ich wollte eigentlich im Mergel nach Schnecken suchen," erinnert sich Erich Riedisser-Wegner. In dem zweigeteilten Felseinschnitt entdeckte er dann auf der gegenüberliegenden Seite glänzende Stücke, die ihm ungewöhnlich vorkamen und auf die Entfernung an Mineralien erinnerten.

Die Fundstelle auf dem Pfänder.
Die Fundstelle auf dem Pfänder. | Bild: privat

"Doch als ich drüben war, spürte ich, dass die Stücke eine ganz harte und extrem glatte Oberfläche hatten", so Riedisser-Wegner. Als es ihm schließlich gelang, größere Gesteinsteile aus dem Felsen zu lösen, war ihm rasch klar, dass es sich bei den Funden um etwas Fossiles handeln musste. Zuhause in Hergensweiler ging dann die Puzzlearbeit so richtig los – in mühevoller Arbeit gelang es dem Hobbyforscher schließlich, aus den über 1000 Bruchstücken drei Backenzähne, zwei davon noch mit Wurzel, zusammenzusetzen. Die sind faustgroß und haben eine Gesamtlänge von rund 15 Zentimetern", beschreibt er die Zähne.

Der 38-jährige Erich Riedisser-Wegner aus der Nähe von Lindau freut sich über seinen Ur-Elefantenfund.
Der 38-jährige Erich Riedisser-Wegner aus der Nähe von Lindau freut sich über seinen Ur-Elefantenfund. | Bild: Susanne Hogl

Riedisser-Wegner schickte schließlich Fotos an das Inatura-Museum in Dornbirn. Von dort meldet sich dann der Wissenschaftler Georg Friebe und gratulierte zum Fund der Ur-Elefantenbackenzähne und eines gut erhaltenen Gehörknochens. "Ein Fossilienpräparator war dann sogar selbst einmal mit an der Fundstelle, um sich die Gegend genauer anschauen zu können. Er vermutete, dass dort früher eine Wasserstelle war und der Elefant dort verendet sein dürfte", erklärt der Hobbygeologe. Eigentlich hätte ein Archäologe die Stelle in Augenschein nehmen sollen, doch die sind in der Region rar und so kam es, dass lange Zeit kein Fachmann mit auf den Pfänder kommen konnte, erinnert sich der 38-Jährige. Inzwischen sind die Fundstücke beim Schweizer Urs Oberli in Sankt Gallen gelandet, der als paläontologischer Präparator die Teile fachmännisch zusammensetzt.

Finder erhält Nachbildungen

Für Erich Riedisser-Wegner war von Anfang an klar, die Funde der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. "Es gibt zwar keinen Finderlohn, dafür werde ich aber in einer Publikation erwähnt und erhalte Nachbildungen der von mir gefundenen Backenzähne", freut er sich. Die Backenzähne des Gomphotheriums sollen dann auch irgendwann einmal in einem Museum zu sehen sein, hofft Riedisser-Wegner.

Geologenhammer immer dabei

Auf dem Pfänder, im Bregenzer Wald und auch im angrenzenden Rätikon ist der Familienvater aus der Nähe von Lindau immer wieder unterwegs. "Ich liebe die Natur und die Berge, aber normales Wandern ist mit mir schwierig, ich habe immer den Blick auf den Boden und die Felsen gerichtet und meinen Geologenhammer dabei", gibt er gerne zu. Seine Familie teilt sein Hobby zwar nicht, freut sich aber natürlich über den Glücksfund.

Fund eines Hobbytauchers soll nachgebaut werden

Den anderen Fund eines Hobbytauchers, der kürzlich geborgene Einbaum, der vor Wasserburg im Bodensee gefunden wurde, will Professor Gunter Schöbel mit seinem Team in Unteruhldingen nachbauen lassen. "Wir würden gerne den Einbaum nachbauen, sind aber auf der Suche nach einem großen Baum, der einen Durchmesser von rund 1,20 Metern haben sollte", erklärte Gunter Schöbel.