Die Überraschung ereilte Nicole Thieke, Vorsitzende des Vereins "Hallo Kongo", Mitte Oktober in Form eines Briefes vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten. Winfried Kretschmann schrieb: "Für ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement hat Ihnen Herr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Rahmen der Ordensaktion zum Tag des Ehrenamtes 2018 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen." Sie habe davon nichts gewusst, dafür aber ihr Mann, erzählt die 74-Jährige. Über ihn hätten die Behörden Informationen über ihre ehrenamtlichen Aktivitäten eingeholt.

20 Ehrenamtliche erhalten Bundesverdienstkreuz

Am 1. Dezember wurde ihr das Bundesverdienstkreuz im Marmorsaal des Neuen Schlosses in Stuttgart verliehen. "Es war ein würdiger Festakt", beschreibt Nicole Thieke die Zeremonie. Lobend äußert sie sich auch über den Ministerpräsidenten: "Er hat die richtige Art gefunden. Am Ende hat er noch Persönliches erzählt." Sie habe ihm im Anschluss einen Dankesbrief geschrieben. Mit Nicole Thieke wurden 19 weitere Ehrenamtliche für ihr jahrelanges Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. "Es wurden nicht einzelne Projekte ausgezeichnet. Alle haben sich sehr lange in verschiedenen Projekten ehrenamtlich für ihre Sache eingesetzt", erzählt sie.

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Seit der Jugend bei "Initiatives of Change" aktiv

Schon in ihrer Jugend engagierte sich Thieke bei der "Initiatives of Change", einer Organisation, die sich weltweit sich für friedliche Konfliktlösungen und Versöhnungsprozesse einsetzt. Eine Maxime des Gründervaters Frank Buchman war, dass jede Veränderung erst in einem selbst anfangen müsse, bevor man daran gehen könne, die Welt zu ändern. Ein Leitmotiv, das Thieke sich zu eigen gemacht und immer beherzigt hat. Dabei wandte sie eine besondere Technik an. "Immer wenn ich am Scheideweg stand, habe ich mich zurückgezogen und habe auf mein Inneres gehört", beschreibt Thieke. Vor lebensverändernden Entscheidungen bete sie, führe Gespräche mit sich und Gott.

Dialog als Erfolgsstrategie

Bereits seit ihrer Jugend hat Nicole Thieke gesellschaftliche Verantwortung übernommen, sei es bei den Pfadfindern oder später im Studium, als sie während der Studentenunruhen im Rahmen der 68er-Bewegung zur Studentenvertreterin gewählt wurde. Das war zwar an einer Universität mit nur 1500 Studenten im schweizerischen Neuchâtel. Aber auch dort hätten die Studenten aufbegehrt, erzählt Thieke. Sie wisse noch immer nicht, warum sie damals gewählt worden sei. Krawall und Gewalt habe sie immer abgelehnt und stattdessen auf Dialog gesetzt. Mit dieser Strategie hatte sie Erfolg.

Immer wieder in ihrem Leben hoben die Menschen in ihrem Umfeld sie in die Verantwortung. In die kantonale Synode der Kirchengemeinde zum Beispiel, als Vorsitzende der "Initiatives of Change Deutschland", als Elternbeiratsvorsitzende der Realschule Salem oder in den Kirchengemeinderat.