Mehr als eine Quellensammlung mit historischen Dokumenten sollte das Ortsbuch von Uhldingen-Mühlhofen werden. Auch hat es nicht den Anspruch, komplett und erschöpfend zu sein. "Ziel war eine gut lesbare und kurzweilige Zusammenstellung der lokalen Geschichte, die dennoch wissenschaftlich fundiert und korrekt ist", erklärt Gunter Schöbel, der mit dem Verein für Pfahlbau und Heimatkunde Verfasser der Publikation ist.

Konzentration auf die letzten 200 Jahre

Wer ein Museum zur menschlichen Steinzeitgeschichte an seinen Ufern hat, muss mit seiner Chronik früh beginnen – sogar in der Eiszeit. Dennoch konzentriert sich die Zusammenstellung der Historie auf die letzten 200 Jahre und endet 2004. Schöbel konnte dabei auf die Mitarbeit des langjährigen Vereinsvorsitzenden Uwe Jabs und Matthias Baumhauers zählen, das Layout gestaltete Steffi Brockschläger. Das Gesamtwerk wird am Sonntag, 9. Dezember, im Welterbesaal präsentiert.

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Die Chronik und Geschichte von Uhldingen-Mühlhofen kostet 29,90 Euro. | Bild: Hanspeter Walter

Aus Sicht der Gemeinde war das Ortsbuch ein "echtes Langzeitprojekt", wie der Verfasser sagt. Gut 35 Jahre sind seit dem 15. November 1983 vergangen, als der damalige Gemeinderat unter Bürgermeister Karl-Heinz Weber den Beschluss fasste, eine Ortsgeschichte herauszugeben. Zugleich beauftragte das Gremium einen Historiker aus der Region mit der Publikation. "Die Gemeinde vereinbarte dafür ein jährliches Honorar von 10 000 Mark", hat Schöbel den Protokollen entnommen. 14 Jahre später gab es immer noch keine Chronik und der Historiker erklärte sich 1997 bereit, zumindest die Hälfte des bis dato gezahlten Honorars zurückzuerstatten.

Gunter Schöbel publizierte seit 1994 mit Verein historische Häppchen

Unterdessen hatte Gunter Schöbel – seit 1990 Direktor des Pfahlbaumuseums – ab 1994 mit einer Arbeitsgruppe des Vereins für Pfahlbau und Heimatkunde damit begonnen, historische Häppchen aus den Ortsbereisungsprotokollen des badischen Staates ab 1850 aufzubereiten und im Ortsblatt zu publizieren. "Auch mit den Publikationen des Vereins selbst hatten wir einen großen Fundus, aus dem wir schöpfen konnten", sagt der Autor. Damit gab es schon zahlreiche Fragmente, die zusammengefügt werden konnten. Unterstützt wurde Schöbel dabei auch vom Konstanzer Historiker Helmut Maurer.

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Viel Attraktivität und Farbe verleihen der geschichtlichen Materie zahlreiche Details auch jüngeren Datums, auf die der Verfasser bei seinen Recherchen und der Zusammenstellung gestoßen ist. Sie sind als kleine Einschübe integriert und farbig hervorgehoben. Den ältesten Uhldingern mag es noch bekannt sein, dass der Film "Die Fischerin vom Bodensee" 1956 in Seefelden und vor den Pfahlbauten gedreht worden war. Zu finden ist in den 1950er Jahren auch der außergewöhnliche Baron von Roehl, der stets in Frauenkleidern auftrat, als Hobbyphilosoph galt und die "Schilfhütte" betrieb, wo er sich gegen ein Entgelt auch gern mit Gästen fotografieren ließ.

Kinderstar Heintje saß in Hallendorf auf dem Traktor

Nicht schlecht staunte Schöbel allerdings, als er in einer Privatsammlung auf ein Foto des früheren holländischen Kindergesangsstars Heintje stieß: Der junge "Mama"-Sänger saß auf dem Bild 1969 in Hallendorf bei Mühlhofen auf einem Traktor. Warum er das tat, ist in dem Ortsbuch nachzulesen.

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Zu finden ist auch, dass in den 1930er Jahren zahlreiche Kraft-durch-Freude-Reisen der Nationalsozialisten aus Berlin oder Düsseldorf direkt nach Unteruhldingen führten. Die frühe Bedeutung des Hafens von Unteruhldingen ist in der Publikation ebenfalls dokumentiert. "Im 12. Jahrhundert war er wichtiger als Meersburg und Überlingen", sagt Gunter Schöbel. Er verweist auf einen Nachweis aus dem Jahr 1179, als Kaiser Friedrich Barbarossa anlässlich eines Hoftags in Konstanz verfügt habe, "dass die Schifffahrt von Unteruhldingen her seit alters her frei gewesen und auf Verlangen etlicher geistlicher und weltlicher Herren wieder in diesen Zustand versetzt worden sei".

Gemeinde schießt 45 000 Euro zu

Ein lang gehegter Wunsch der Gemeinde wird Realität: Am Sonntag, 9. Dezember um 15 Uhr wird die Ortschronik im Welterbesaal vorgestellt. Das Werk umfasst 312 Seiten und 670 Bilder. Herausgeber sind der Verein für Pfahlbau und Heimatkunde und das Pfahlbaumuseum. Der Gemeinderat beschloss, die Herausgabe der Chronik mit 45 000 Euro zu unterstützen.

Hauptamtsleiter Herbert Unger erläuterte, dass Verein und Museum erheblich viel Zeit und Geld in das Buch investiert hätten. Die Quellen der drei Teilgemeinden hätten die Autoren vor Herausforderungen gestellt. „Die unterschiedlichen Herrschaftsgebiete und die unterschiedliche Zugänglichkeit der Dokumente hatten bei den früheren Versuchen bereits zum Scheitern geführt.“ Der Gemeinderat folgte Ungers Vorschlag, die Gemeinde solle sich mit 45 000 Euro beteiligten. Unger hatte begründet: „Die Gemeinde würde 100 Freiexemplare der Chronik und weitere 100 Exemplare mit einem Rabatt von 15 Prozent bis zum 15. Februar und weitere Exemplare mit einem Rabatt von zehn Prozent bis zum 30. Juni erhalten.“

Das Buch wird für 29,90 Euro in einer Auflage von 1000 Stück verkauft.