Eigentlich gibt es am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Überlingen genug Platz für Fahrräder. An den 24 Haltebügeln können insgesamt 48 Räder angeschlossen werden. Doch der überdachte Fahrradplatz ist ständig belegt – egal ob morgens, abends oder am frühen Sonntag. Berufspendler und Ausflügler, die mit dem Fahrrad zum Bahnhof kommen, schließen ihre Räder notgedrungen an den umliegenden Geländern an.

Eines von zahlreichen Fahrrädern, die nicht ganz komplett am ZOB stehen. Hier fehlt ein Sattel.
Eines von zahlreichen Fahrrädern, die nicht ganz komplett am ZOB stehen. Hier fehlt ein Sattel. | Bild: Jürgen Baltes

Ein kurzer Blick über den voll belegten Platz offenbart schnell den Grund für den immer belegten Fahrrad-Stellplatz: Viele Drahtesel scheinen dort schon sehr lange zu stehen. Konkret fanden sich vor wenigen Tagen ein Fahrradgerippe, ein Rad ohne Vorderrad, ein einzelnes Hinterrad, sechs Räder ohne Sattel, sechs weitere ohne Luft und einige mehr, die nicht den Anschein erweckten, in letzter Zeit benutzt worden zu sein.

Kann man dieses Skelett am ZOB Überlingen überhaupt noch Fahrrad nennen?
Kann man dieses Skelett am ZOB Überlingen überhaupt noch Fahrrad nennen? | Bild: Jürgen Baltes

Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung ergibt: Man ist hierfür nicht zuständig. Zwar kümmern sich Ordnungsamt und Stadtreinigung um herrenlose Fahrräder überall sonst im Stadtgebiet, heißt es, doch der Fahrradplatz am ZOB gehöre der Deutschen Bahn. Eine Nachfrage bei der Bahn ergibt: Am Überlinger Bahnhof sei nur ein Fahrradständer auf städtischer Fläche bekannt, dafür sei die Stadt zuständig.

Eines von zahlreichen Fahrrädern, die nicht ganz komplett am ZOB stehen. Hier fehlt ein Sattel.
Eines von zahlreichen Fahrrädern, die nicht ganz komplett am ZOB stehen. Hier fehlt ein Sattel. | Bild: Jürgen Baltes

So kümmern sich andere Kommunen um das Fahrrad-Problem

Fühlt sich denn niemand verantwortlich? Üblich ist eigentlich, dass die Zuständigkeiten klar getrennt sind. Bahn und Kommunen sorgen jeweils für Ordnung in ihrem Bereich. Vereinzelt gibt es Kooperationen, etwa in Meersburg. Dort gehört der Fahrradplatz am Fähranleger den Konstanzer Stadtwerken.

Wie die Stadtverwaltung gegenüber dem SÜDKURIER erklärt, schaut hier jedoch zweimal im Jahr das Meersburger Ordnungsamt vorbei, um Fahrradchaos zu beseitigen – und holt sich dazu ganz unbürokratisch vorab die Erlaubnis aus Konstanz ein. Räder, die defekt sind oder offensichtlich nicht mehr genutzt werden, erhalten eine Markierung, werden nach einer Wartezeit weggeräumt und sechs Monate aufbewahrt. So sieht es das Gesetz vor – falls sich doch noch ein Besitzer meldet.

In anderen Kommunen ist es ähnlich. Auch Friedrichshafen organisiert zweimal im Jahr eine Fahrradständerbegehung – außer auf den Flächen der Deutschen Bahn. Laut Pressestelle werden Räder, die dort wohl schon länger weilen, beim Rundgang mit einem Hinweis versehen. Nach zwei Wochen kommen sie weg.

Vergangenes Jahr kamen in Friedrichshafen 92 Räder aufs Fundbüro, 30 zum Schrott. Ebenso in Radolfzell. Hier wird die Ventilstellung markiert. Das verursacht auch Kosten, die die Stadt auf etwa 600 Euro pro Einsatz schätzt.

Vandalismus, Corona: Gründe für Fahrradschrott sind vielseitig

Doch warum häuft sich gerade an Bahnhöfen immer wieder Fahrradschrott an? Pendler hätten oft am Abfahrts- oder Zielbahnhof ein Fahrrad stehen, weiß Gudrun Zühlke, Landesvorsitzende des ADFC Baden-Württemberg. „Und wenn jemand, wie in der Corona-Zeit, ins Home-Office geht, steht dieses auch schon mal länger dort.“ Dann werde es vielleicht Opfer von Vandalismus und schließlich „vom Besitzer aufgegeben“. Oder umgekehrt, das sei schwer zu sagen.

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Es gibt auch Beschwerden, wenn Räder mitgenommen werden

Wobei nicht jedes Rad, an dem der Sattel fehlt, das keine Luft mehr hat oder rostig dasteht, gleich eine Fahrradleiche ist. Manch einer nimmt seinen Sattel auch zum Diebstahlschutz mit. Und so wird es den Ordnungsämtern nicht ganz leicht gemacht, zu unterscheiden.

Beim ADFC geht dann schon die ein oder andere Beschwerde ein, wenn ein Rad einfach so entfernt wurde. So passiert, beispielsweise auch schon in Meersburg, wie Maximilian Fetzer, Hauptamtsleiter der Stadt, gesteht. „Die Dame musste ihr Rad dann auf dem Bauhof identifizieren und konnte es wieder mitnehmen.“

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