Dass er nach Kirchheim unter Teck und Nürtingen nun in Überlingen wirken darf, ist für den 53-jährigen Thomas Gundelsweiler eine glückliche Fügung. „Es war Zeit, denn ich liebe neue Herausforderungen. Und der Bodensee ist für meine Familie und mich ein Traum – mein Vater kommt aus Ludwigshafen, daher kennen wir die Gegend gut.“

Allerdings steht für Gundelsweiler nun noch ein Jahr lang Pendeln auf dem Plan, bis seine Frau mit den Kindern an den Bodensee zieht. „Der eine Sohn macht jetzt Abitur, der andere steckt noch in der Ausbildung, das wäre für die beiden ein ungünstiger Zeitpunkt für einen Neuanfang“, sagt Gundelsweiler. Und dem dritten, dem achtjährigen Sohn tue es auch gut, ein paar Monate Zeit zu haben, um sich an das neue Umfeld zu gewöhnen.

Dieser Tage ist der passionierte Schulleiter und ehemalige Fußballprofi-Trainer trotz neuer Stelle in Rufbereitschaft, denn seine Frau erwartet das vierte Kind. „Bei der Geburt muss ich dabei sein“, steht für ihn fest.

Gundelsweiler will am Bodensee bleiben

Nach dem Referendariat war Gundelsweiler elf Jahre an der kaufmännischen beruflichen Schule in Kirchheim unter Teck tätig. Zunächst als Lehrer, die letzten fünf Jahre dann als Fachabteilungsleiter der kaufmännischen Berufsschule. Danach war er elf Jahre Schulleiter an der Albert-Schäffle-Schule in Nürtingen. Folgen also nun elf Jahre Überlingen? „Nein, keinesfalls“, stellt er klar, „hier muss man mich schon heraustragen. Ich bleibe bis zur Pensionierung an dieser Schule und darüber hinaus am Bodensee.“

Thomas Gundelsweiler ist, wie er sagt, BWL-, VWL- und Sportlehrer aus vollstem Herzen, Schulleiter aus Berufung – und der Ex-Fußball-Profitrainer steckt unverkennbar in ihm drin. „Wie beim Sport lege ich in der Schule größten Wert auf klare Regeln, die streng eingehalten werden, Fairness und Transparenz.“ Seine Tür stehe fast immer offen, für Lehrer wie Schüler.

„Ich liebe es, Schulleiter zu sein, aber ich fühle mich als vollwertiges Mitglied des Kollegiums, mir ist es wichtig, auf Augenhöhe zu reden. Ob Lehrer oder Schüler: Der Mensch steht im Mittelpunkt, also versuche ich individuelle Lösungen für jedes Problem zu finden, dafür nehme ich mir auch gewisse Freiheiten heraus. Man kann mit mir über alles reden, nur eines ist ein absolutes No-Go: Lügen.“

Entschleunigung statt Zeitdruck

G 8, Abitur als neuer Standard – all das findet Thomas Gundelsweiler nicht zwingend gut. „Ich bin bezüglich der Schullaufbahn unserer Schülerinnen und Schüler ein absoluter Entschleuniger. Eine Klasse wiederholen – was ist so schlimm daran? Mit 17 Abi – und dann? Da braucht man noch Zeit, sich zu finden und sich zu orientieren, bis man weiß wie es weitergehen soll.“ Auf Zeitdruck folge hier oft Orientierungslosigkeit. Dabei bleibe der Mensch auf der Strecke – und welche Vorteile dieser Zeitdruck habe, sei fraglich.

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Gundelsweilers Sohn beispielsweise besuchte entgegen aller Gymnasialempfehlungen die Realschule. Man müsse halt immer darauf schauen, was für genau dieses Kind in diesem Moment das Richtige sei, ist der 53-Jährige überzeugt.

Unterricht hat oberste Priorität

Über Pläne oder Visionen für seinen neuen Wirkungsort hat er sich bisher bewusst keine Gedanken gemacht. „Ich muss erst einmal die Strukturen kennenlernen. Was ich jetzt schon weiß: Wir haben ein wahnsinnig engagiertes Kollegium, es gibt viele Ideen und Projekte.“ Wichtig ist ihm, „dass der Unterricht oberste Priorität hat und den Schülern etwas beigebracht wird. Das klingt banal, aber tatsächlich ist das heute nicht selbstverständlich.“

Mit Blick auf die Zukunft findet Gundelsweiler es notwendig, die Internationalisierung voranzutreiben. Kontakte mit Unternehmen sind ihm wichtig. „Gerade als berufliche Schulen wollen wir auf die vielfältigen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt vorbereiten und unseren Schülerinnen und Schülern so viele Informationen wie nur möglich geben.“

Sorge um Zukunft der Berufsschulen

Sein Ziel sei es, interessierte Schüler zu gewinnen. Wie sein Vorgänger Günter Reichle mache er sich dabei keine Sorge um die Zukunft des Wirtschaftsgymnasiums, das hohen Zulauf habe, sondern um die Berufsschulen, besonders die Fachbereiche Industrie und Banken. Zu viele machten Abitur, zu wenige gingen in Ausbildung. „Vielleicht kann man mit Unternehmen in Kontakt treten, um gemeinsam darüber nachzudenken, wie wir mehr Schüler für Ausbildungsberufe gewinnen können.“

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Im Moment aber ist er damit beschäftigt, sich im neuen Alltag zurechtzufinden. „Hier sind die Abläufe komplett anders. Innerhalb der Schule, aber auch außerhalb, denn ich bewege mich jetzt in einem anderen Landkreis, der andere Vorgaben und Strukturen hat. In Nürtingen gab es einen übergreifenden Medienentwicklungsplan, hier muss ich erst sehen, wie wir das Thema organisieren.“

Und natürlich ist auch für ihn Corona beherrschendes Thema. Die Umsetzung der Hygieneregeln findet er herausfordernd. Jedoch sei Corona kein Thema, das ihm im Zusammenhang mit dem Neuanfang besondere Sorge bereitet: „Ob in Nürtingen oder hier: Das Virus wird uns in Atem halten und uns vor große Aufgaben stellen.“

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