Es gehört zum Wesen der Fledermäuse, dass sie per Echoortung durch die Nacht fliegen. Das haben sie mit der politischen Gruppierung BÜB in Überlingen gemeinsam: Auch sie orientiert sich an einem Echo. Und zwar dem Echo, das die Diskussion um die Platanenfällung auf dem Landesgartenschau-Gelände immer noch aussendet. Jüngstes Beispiel ist die Sorge um eine Ersatz-Allee, die auf dem LGS-Gelände aufgestellt wurde, als Orientierungshilfe für Fledermäuse.

Ansprechpartner bei Baum-Themen

Aus Protest gegen die Baumfällung auf dem LGS-Gelände im Jahr 2016 gegründet, gibt es bis heute immer wieder Bürger, die sich an die BÜB wenden, wenn es um den Schutz von Bäumen geht. Dabei will sich die BÜB gar nicht nur um Bäume kümmern, wie sie betont, sondern widmet sich einem breiteren Themenspektrum, weshalb sie sich in BÜB+ umbenannt habe.

Dirk Diestel: "Wir möchten Sie dringend bitten, diese Leitstruktur unverzüglich wieder herzustellen."
Dirk Diestel: "Wir möchten Sie dringend bitten, diese Leitstruktur unverzüglich wieder herzustellen." | Bild: Hilser, Stefan

Jetzt wandte sich ein "aufmerksamer Bürger", wie BÜB+-Sprecher Dirk Diestel formuliert, an ihn mit dem Hinweis, dass die Fledermaus-Leitbäume auf dem LGS-Gelände in einer Tonne zusammengepfercht worden seien, wo sie doch zwingend vorgeschriebene Leitbäume für Fledermäuse seien – als Ersatz für die gefällten Platanen. In einem Brief an LGS-Geschäftsführer Roland Leitner schrieb Diestel in dieser Woche: "Wir möchten Sie dringend bitten, diese Leitstruktur unverzüglich im Sinne der zu beachtenden Naturschutzauflagen wieder herzustellen."

Leitner: Nur eine Zwischenlösung

Leitner antworte auf Diestels offenen Brief, dass die Ersatz-Leitstruktur nur eine Zwischenlösung gewesen sei. Derzeit werde das Gelände fertig modelliert und eine neu Baumreihe gepflanzt, die den Fledermäusen fortan als Leitstruktur diene. Es liege in der Natur der Sache, dass die Ersatzbäume, die in Trögen gestanden hatten, erst weggenommen werden müssen, bevor die neuen Bäume gepflanzt werden können. Sinnigerweise habe man diese Arbeiten auf genau die Zeit gelegt, in der die Fledermäuse sich im Winterschlaf befinden.

Oswald Burger, SPD
Oswald Burger, SPD | Bild: Dirk Diestel

Oswald Burger, der als SPD-Fraktions-Sprecher in den Verteiler von Diestels offenen E-Mail-Brief genommen wurde, schaltete sich in die Diskussion ein und versicherte: "Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, befinden sich Fledermäuse im Überlinger Westen im wohl verdienten Winterschlaf im Goldbacher Stollen. So lange es draußen keine Insekten gibt, ruhen sie alljährlich und kommen erst wieder heraus, wenn Insekten fliegen. Die Fledermausschützer vom Nabu kümmern sich sorgfältig darum, dass keine aufwacht."

Roland Leitner: "Ihre Praxis, einen lediglich vermuteten Missstand sofort auf Ihrem Blog in gewissem Sinne anklagend öffentlich zu posten, ist aus meiner Sicht sehr irritierend."
Roland Leitner: "Ihre Praxis, einen lediglich vermuteten Missstand sofort auf Ihrem Blog in gewissem Sinne anklagend öffentlich zu posten, ist aus meiner Sicht sehr irritierend." | Bild: Hilser, Stefan

"Irritiert" zeigte sich Leitner indes von Diestels "Praxis, einen lediglich vermuteten Missstand, der, wie ich Ihnen mit dieser Nachricht deutlich gemacht habe, in keinster Weise existiert, sofort auf Ihrem Blog in gewissem Sinne anklagend öffentlich zu posten". Seiner Aufforderung, die Meldung auf der Internet-Seite der BÜB+ zu entfernen, kam Diestel nicht nach, sondern ergänzte ihn um Leitners Antwort. Diestel an Leitner: "Ich bitte um Verständnis dafür, dass wir grundsätzlich selbst entscheiden, welche Inhalte wir in unserem Blog veröffentlichen."