"Sechs Mal sechs" ist der Titel einer SÜDKURIER-Serie zum Kommunalwahlkampf, bei dem die sechs für den Überlinger Gemeinderat antretenden Parteien und Gruppierungen zu sechs Themenkomplexen Stellung nehmen. Den jeweiligen Experten, der hier mit Bild zu Wort kommt, benannten die Listen selbst. Die maximale Zeilenzahl war vorgegeben, musste aber natürlich nicht ausgeschöpft werden.

Umfrage zum Wirtschaftsstandort

Eine von der IHK organisierte Umfrage zum Wirtschaftsstandort Überlingen nennt diese Stärken und Schwächen: Die Versorgungssicherheit, der hohe Freizeitwert und das positive Image, das vom Standort Überlingen ausgeht, werden gelobt. Kritik übten die befragten Firmen an den hohen Kosten für Gewerbeimmobilien und an der mangelnden Verfügbarkeit von Gewerbeflächen, aber auch am Defizit an Wohnraum und der Verkehrsinfrastruktur. Inwiefern kann der Gemeinderat, der am 26. Mai neu gewählt wird, zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Überlingen beitragen? Diese drei Fragen haben wir an die Bewerber gestellt:

  1. -Wie tragen Sie zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Überlingen bei?
  2. -In den nächsten Jahren entstehen neue Gewerbeflächen: Reicht das, oder wo sehen Sie weitere Entwicklungsflächen?
  3. -Der Internethandel verändert viel. Wie helfen Sie dem örtlichen Einzelhandel, hier dagegen zu halten?

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Wir haben auch OB Jan Zeitler um eine Bewertung gebeten. Er teilte mit: "Wir haben großes Interesse daran, trotz der Knappheit von Bauland passende Gewerbeflächen für eine Vielzahl von Unternehmen zur Verfügung anbieten zu können. Die Tatsache, dass wir das Gewerbegebiet Oberried IV zeitnah an den Markt bringen, zeigt dies deutlich. Wichtig ist uns dabei eine Entwicklung, die die Bedürfnisse von Gewerbetreiben und der Bevölkerung in Einklang bringt."

6700 Einpendler

Das sind die Fakten: 2018 hatte Überlingen in etwa 6700 Berufseinpendler und 4000 Berufsauspendler. Im gleichen Zeitraum gab es etwa 10 700 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte am Arbeitsort und 8100 sozialversicherungspflichtige am Wohnort. "Diese Zahlen sind seit 2011 stetig steigend", teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage mit.

Ansiedlung in Andelshofen?

Wie viele Gewerbeflächen hat Überlingen derzeit als Angebot im Bestand? Im Gewerbegebiet Langäcker seien dies etwa 2,4 Hektar an erschlossenen Gewerbeflächen. Wobei unterhalb Andelshofen neue Flächen entstehen sollen, sie sind Teil der beantragten Änderung im Regionalplan, über die genaue Größe muss der Gemeinderat später befinden. Die Erweiterung der Flächen Zum Degenhardt werden demnächst erschlossen.

Lob für Breitbandkabel

Reinhard Haas, Vorsitzender des Wirtschaftsverbundes (WVÜ) hat Gewerbe und Handel im Blick. Die Umfrageergebnisse der IHK decken sich mit der Einschätzung des WVÜ. Haas: "Wir haben sehr gute Industrie-, Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe, die überregional oder weltweit tätig sind." Positiv sei die Versorgung mit Breitbandkabel und künftig die Verkehrsanbindung, wenn der Ausbau der B 31 abgeschlossen ist. Als "Herausforderungen, die vom Gemeinderat angegangen werden müssen", betrachtet Haas die Schwierigkeiten, vor denen ein expansionswilliger Betrieb am Ort steht. Sei es flächenmäßig oder beim Mitarbeiterzuwachs: Flächen seien knapp und Beschäftigte schwierig zu finden, weil es an bezahlbarem Wohnraum fehlt. Was den damit einhergehenden Flächenverbrauch betrifft, anerkennt Haas: "Uns ist das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Anwohner- und Firmeninteressen bewusst."

Ihr Gesicht gehört seit über 40 Jahren zum Handel in Überlingen: Pina de Sanctis auf dem Wochenmarkt auf der Hofstatt. Die Italienerin verkauft Obst und Gemüse, verschenkt jedesmal ein Lächeln und gibt ganz nebenbei Italienischkurse. Der Markt zählt mit zu den Besuchermagneten, von denen die gesamte Innenstadt profitiert.
Ihr Gesicht gehört seit über 40 Jahren zum Handel in Überlingen: Pina de Sanctis auf dem Wochenmarkt auf der Hofstatt. Die Italienerin verkauft Obst und Gemüse, verschenkt jedesmal ein Lächeln und gibt ganz nebenbei Italienischkurse. Der Markt zählt mit zu den Besuchermagneten, von denen die gesamte Innenstadt profitiert. | Bild: Hilser, Stefan

Dass die Stadt seit einem Jahr einen Wirtschaftsförderer beschäftigt, begrüßt Haas. "Es finden regelmäßige Treffen mit Stefan Schneider statt. Wir wissen auch, dass er unsere Anliegen an die richtigen Stellen weiter gibt." Eine wichtige Aufgabe von Kommunalpolitik und -Verwaltung sei es, bei frei werdenden Handelsflächen in der Innenstadt eine Bündelung zu größeren Einheiten zu unterstützen. "Neue Flächen in der Innenstadt können nicht entstehen. Größere Einheiten können unter betriebswirtschaftlichen Gründen aber nötig sein." Es gebe immer wieder das Interesse und die Anfrage von bundesweit tätigen Handelsunternehmen, das bislang aber an den vorhandenen Flächen gescheitert sei.

Doch braucht Überlingen überhaupt so einen Handelsriesen? WVÜ-Chef Haas: "In bestimmten Segmenten ja, zum Beispiel im Bereich Mode für junge Leute. Es gibt immer wieder Sortimente, die in Überlingen nicht mehr vorhanden sind oder nur noch bei wenigen Läden, dadurch fehlt ein gewisser Mix."

Von Touristen sei zwar immer wieder der Wunsch nach einer verkehrsberuhigten Innenstadt zu hören. Gleichzeitig suchten sie aber auch einen hochwertigen Einzelhandel. "Die Gäste wollen ja nicht nur Schiff fahren und promenieren". Ein guter Kompromiss stelle aus Sicht des Handels deshalb nicht die Verbannung des Individualverkehrs dar, sondern eine intensivere Temporeduzierung, mit dem Ziel, dass Gleichberechtigung zwischen Autofahrern und Fußgängern herrscht.

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