Mit Fußball hat Cengiz Aktas nicht so viel am Hut. Trotzdem ließ der 46-Jährige gestern die wohl größte Fankurve, die es in der Region für die Fußball-WM gibt, bei sich im Ostbad aufbauen. 24 Monitore wurden zu einer vier Mal sechs Meter großen Leinwand verschraubt und dem Spiel in Russland für die Fußballfans hier am See eine große Bühne geboten. Bei der letzten WM und auch der EM operierte Cengiz Aktas noch mit kleineren Monitoren. „Ich habe jedes Mal gesehen, mit welcher Begeisterung meine Stammgäste die Fußballspiele anschauen. Jetzt, habe ich mir gedacht, machen wir ihnen eine Riesenfreude.“

Gezeigt werden laut seiner Ankündigung alle Spiele live. Die Riesenleinwand steht bis zum Endspiel am 15. Juli im Ostbad, sie misst 24 Quadratmeter, und sie wird sich nach Einschätzung von Aktas nicht amortisieren. „Ich mache das aus Spaß an der Arbeit. Man darf ja nicht immer so schlafen, sondern muss etwas tun für die Gäste. Wenn die Gäste sagen: 'Wow, das ist toll', dann macht mir die Arbeit noch mehr Spaß.“

Die Vorfreude bei seinen Gästen ist groß, wie sich diversen Einträgen auf seiner Facebook-Seite entnehmen lässt. Wie Aktas mitteilt, habe er auch die Stadtverwaltung von der Idee überzeugt, nachdem er kurzfristig von einem Statiker bestätigen ließ, dass die Wand der tonnenschweren Windlast, die auf sie bei stürmischem Wetter am Bodensee wirken kann, standhalte.

"Normal bin ich nicht so ein Fußballding", sagt Aktas, der als sehr bescheiden gilt. Gäbe es eine kurdische Mannschaft bei der WM, würde er ihr Trikot tragen. Die Türken sind bei der WM eh nicht vertreten, also steht für ihn fest, dass er für Deutschland jubelt. "Wenn Deutschland gewinnt, dann sind alle Leute noch ein bisschen glücklicher. Bisschen jubeln, das gibt eine schöne Atmosphäre hier im Ostbad."

Cengiz Aktas kam als Vierjähriger von Anatolien nach Deutschland. Er wuchs in Radolfzell auf und absolvierte eine Lehre im Hotelfach. "Dann kam ich irgendwie ins Strandbad. Sommer, Sonne, Grün, freie Luft – das ist es." Wie er berichtet, war er von 1993 bis 2008 Betreiber des Strandbads in Sipplingen und versuchte sich ab 2008 im Konstanzer Schwaketenbad, dem Freibad in Stockach und dem Naturbad in Worblingen. Den Bodensee habe er bald vermisst, und so bewarb er sich 2010 auf das neu gestaltete Ostbad, das er von früher als Gast schon kannte. "Das Ostbad ist das schönste Strandbad am Bodensee", sagt er, und ist in diesem Punkt ausnahmsweise nicht bescheiden.

Die ganze Großfamilie Aktas betreibt neben dem Ostbad die Gastronomie im Überlinger Westbad und nach wie vor das Naturbad Worblingen. Wie sehr ist er hier vom Wetter abhängig? "Nicht so sehr", sagt Aktas, "wenn kein Badewetter ist, haben wir trotzdem gut zu tun". Die Gastronomie und damit auch das Public Viewing kann besucht werden, ohne dass man Eintritt fürs Bad bezahlt. "Wir trauen unseren Gästen, das funktioniert."