Anna Schmidt–Fuhr ist eine von derzeit sechs ehrenamtlichen Einkaufspaten für das Hilfsprojekt "Materielle Notlagenhilfe für Kinder und Jugendliche". Das gibt es in der Region Friedrichshafen bereits seit drei Jahren. Im April ist es auch im westlichen Bodenseekreis an den Start gegangen. Bis jetzt wurden 70 bedürftige Kinder mit Kleidung und Möbeln aus zweiter Hand unterstützt. Für ein neues Projekt, das Familien beim Schuhkauf für Kinder unterstützt, sucht die Stiftung aktuell noch weitere Einkaufspaten.

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Einkaufsunterstützung von der Kinderhilfe

Der Umgang zwischen Anna Schmidt-Fuhr und der vierköpfigen Familie Konrad beim Kinderschuhkauf ist freundlich und wertschätzend. Der Familie ist das Thema unangenehm, deshalb haben wir den Namen geändert. Kein Unbeteiligter käme auf die Idee, dass die Familie gerade Einkaufsunterstützung von der Kinderhilfe erhält. Gemeinsam mit Anna Schmidt-Fuhr suchen die Eltern nach passenden Schuhen für ihre kleine Tochter. Der Blick wandert dabei immer wieder zum Preisschild. Mehr als 30 Euro dürfen die neuen Schuhe nicht kosten. Das ist die maximale Förderungssumme. Was darüber liegt, müssen die Konrads selbst zahlen.

Taktvolles Vorgehen ist wichtig

Die Familie hat Glück: Relativ schnell werden sie fündig und haben sogar noch etwas Geld übrig. Dafür bekommt die ältere Tochter im Secondhand-Laden gegenüber noch Unterwäsche und ein Kleid. Das Bezahlen an der Kasse wickelt Schmidt-Fuhr unauffällig ab, als wäre sie eine Verwandte. Taktvolles Vorgehen sei als Einkaufspatin enorm wichtig, sagt sie. Kinderliebe und Offenheit auch fremden Kulturen gegenüber hält die 76-Jährige für unerlässlich. Bisher hat sie nur gute Erfahrungen als Einkaufspatin gemacht: "Alle Familien waren sehr, sehr nett."

Familie ist froh über die Hilfe

Das Resümee fällt bei den Konrads ebenfalls positiv aus. Die Familie hatte die Unterstützung der Einkaufspatin zum ersten Mal in Anspruch genommen. "Es war ein schönes Gefühl, Hilfe zu bekommen", sagt die junge Mutter. Anna Schmidt-Fuhr sei ihnen mit offenen Armen begegnet, "als würden wir uns schon lange kennen". Ihr Mann sieht das ähnlich. Die Situation sei zwar etwas ungewohnt gewesen. "Im Nachhinein habe ich aber ein gutes Gewissen, weil wir etwas Positives für unsere Kinder getan haben."

Stiftung rechnet mit steigenden Antragszahlen

Die Geschäftsführerin der Kinderstiftung Bodensee, Petra Demmer, und die zuständige Sozialarbeiterin Stephanie Morath sind froh, dass das neue Stiftungsprojekt so gut greift. Zusammen mit weiteren Angeboten sehen sie sich auf einem guten Weg hin zu mehr Chancengleichheit. "Dass wir auch im westlichen Bodenseegebiet Kinder haben, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens leben, zeigen die vielen Anträge", sagt Demmer. Sie rechnet mit steigenden Antragszahlen. Als Grund nennt sie unter anderem die hohen Mieten.