Seit Juli 2017 läuft der Countdown beim Rathaus. Nun können die Überlinger das Maßband aus der Schublade nehmen. Schnipp, schnapp – exakt 100 Tage sind es vom heutigen Dienstag noch, bis am Donnerstag, 23. April, die erste Landesgartenschau am Bodensee für 179 Tage eröffnet werden wird. Dass dies verlässlich geschehen wird, daran zweifelt niemand im Büro der Landesgartenschau GmbH und auch nicht im Rathaus. Gestern genoss Überlingen den großen Bahnhof auf der Touristikmesse CMT in Stuttgart und damit große überregionale Aufmerksamkeit.

Mehr als 16 000 Dauerkarten für Besucher im Vorverkauf erworben

Beflügelt wird die Zuversicht vom Ticketvorverkauf in Überlingen und Umgebung. 7000 Dauerkarten waren in der Kalkulation des Durchführungshaushalts eingepreist. Mehr als doppelt soviel meldeten die Vorverkaufsstellen, die in der ganzen Region präsent waren, schon Mitte vergangener Woche. Bis zum Ende des Vorverkaufs am Sonntag summierten sich allein die Dauerkarten auf mehr als 16 000. Diese Zahlen sind Balsam für die Seele der Verantwortlichen, angesichts des massiven Streits um Ufermauer und Platanenallee durch die Angriffe der Kritiker.

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„Rund 98 Prozent der Infrastruktur ist fertig“, sagt Geschäftsführerin Edith Heppeler. Die 2017 gepflanzten Bäume sind angewachsen, die Infrastruktur steht, selbst für die blühenden Landschaften stecken viele Zwiebeln schon im Boden und deren innere Uhr tickt. Auf Hochtouren laufen noch die Arbeiten der Landschaftsgärtner an ihren Villengärten. Mit großer Spannung erwartet werden noch zwei eingeplante Höhepunkte der Landesgartenschau: Die schwimmenden Gärten, die von begehbaren Pontons aus bewundert werden können, und die große Seebühne, die zum zentralen Veranstaltungsort im Uferpark werden wird.

Volle Kraft voraus: Die volle Beflaggung am Landungsplatz verheißt ein vielfältiges Programm im Jubiläumsjahr 2020. Die Landesgartenschau, die in exakt 100 Tagen beginnt, verspürt zunehmenden Rückenwind.
Volle Kraft voraus: Die volle Beflaggung am Landungsplatz verheißt ein vielfältiges Programm im Jubiläumsjahr 2020. Die Landesgartenschau, die in exakt 100 Tagen beginnt, verspürt zunehmenden Rückenwind. | Bild: Hanspeter Walter

Mitte Januar treffen die in Rostock produzierten Pontons im Osthafen ein und werden mit Schiffen zum Standort bei den Villengärten geschleppt. Im Februar kommt der große Kran zur Installation der Seebühne. Hier, wie auch bei der Einrichtung der Pavillons für die Aussteller, gelte es darauf zu achten, die geschaffenen Strukturen nicht zu beschädigen. „Da muss alles Hand in Hand gehen“, sagt Edith Heppeler. Bereit ist auch die ehemalige Kapuzinerkirche, wo die Floristen alle 14 Tage für eine neue Blumenschau sorgen werden. Eine Besonderheit werden neben dem begehbaren Grabensystem der mittelalterlichen Stadtbefestigung die Menzingergärten und neu geschaffenen Rosenobelgärten auf der Stadtmauer sein.

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Bei dem nicht ohne Sorge erwarteten Verkehrsansturm setzt die Landesgartenschau auf Vielfalt und Vernunft. Autofahrer werden auf den großen Pendlerparkplatz in der Nußdorfer Straße geleitet und mit einem Shuttle in die Innenstadt und zum Uferpark gebracht. Die Durchfahrt durch die Innenstadt wird beschränkt und im Einbahnverkehr geführt, um Raum für Fußgänger und Radler sowie gegebenenfalls für Noteinsätze zu haben. Gespräche laufen derzeit auch noch mit Betreibern eines solaren Velotaxis, auf E-Scooter verzichtet die Landesgartenschau allerdings ganz bewusst.

Anreise auf dem Wasser kann für Verkehrsentlastung sorgen

Neben Bussen und Bahnen ist die attraktive Anreise auf dem Wasser eine Entlastung. So werden die Kursschiffe der Bodensee-Schiffsbetriebe nicht nur am Landungsplatz anlegen, sondern auch an der Außenmole beim Bahnhof Therme nahe des Eingangs zum Uferpark. Auch die kleineren Schiffsbetriebe schippern die Besucher zur Gartenschau. Erstmals wird sich die Weiße Flotte aus Anlass der Gartenschau am 25. April mit ihrer traditionellen Sternfahrt ein Stelldichein auf dem schmalen Überlinger See vor der Stadt geben.

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Trotz wachsendem Interesse bei den Führungen und Veranstaltungen, trotz des Zuwachses bei Helfern und Freunden der Gartenschau sind die Bedenken nicht überall gewichen. „Meine skeptische Position hat sich nicht geändert“, sagt Joachim Betten, Vorsitzender des Vereins Bürgersinn. Die Landesgartenschau sei für viele Kommunen eine große Chance „Doch Überlingen hätte sie nicht gebraucht.“ Sorge macht ihm der zusätzliche Verkehr und die Tatsache, dass sich in diesem Jahr alles andere dem Thema unterordnen müsse. Eine Dauerkarte hat sich Betten dennoch im Vorverkauf gesichert. Schließlich müsse er mit interessierten Gästen rechnen und diese begleiten.