Ein voller Theaterkeller, ein begeistertes Publikum: Die Aufführung von Martin Walsers "Die Zimmerschlacht" war ein gelungener Auftakt für das Wintertheater bei Noltes. Die Inszenierung des 1967 uraufgeführten Stücks beweist, dass das Thema nach einigen kleinen Anpassungen an die Jetzt-Zeit heute genauso ankommt wie damals. Der sprachlich sehr feinsinnig und mit viel Witz ausgearbeitete verbale Kleinkrieg eines Ehepaars, die verschlungenen Pfade und Folgen einer Intrige, die am Ende scheitert – sie sind höchst unterhaltsam, sorgen an vielen Stellen jedoch auch für Nachdenklichkeit. Alles in allem genug Material für Birgit Nolte-Michel und Oliver Nolte, um sich in Hochform zu spielen.

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Grüße vom Autor

"Mir hat er sehr gut gefallen. Auch die Atmosphäre in dem Gewölbekeller ist schön", sagte Johanna Walser, die an diesem Abend zum ersten Mal in Noltes Theater zu Gast war und entschuldigte den Autor: "Mein Vater ist nicht mehr so fit, sonst wäre er gerne auch gekommen." Dafür hatte sie den beiden Schauspielern einen ganz persönlichen Gruß des 91-jährigen Autors aus Nußdorf im Briefumschlag mitgebracht, über den sich Birgit Nolte-Michel und Oliver Nolte riesig freuten.

"Das hat mir sehr gut gefallen": Johanna Walser, Tochter des Schriftstellers, brachte Oliver Nolte auch einen schriftlichen Gruß aus Nußdorf.
"Das hat mir sehr gut gefallen": Johanna Walser, Tochter des Schriftstellers, brachte Oliver Nolte auch einen schriftlichen Gruß aus Nußdorf. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Mehr als zufrieden zeigte sich auch Michael Brunner, Abteilungsleiter für Kultur bei der Stadtverwaltung. "Das war toll. Ich bin begeistert", sagte Brunner, der die Kooperation mit den beiden Theatermachern eingefädelt hatte. "Manchmal braucht es eben einen Neuanfang." Dass es im nächsten Jahr eine Fortsetzung geben werde, hatte Oliver Nolte in seinem Abspann schon angekündigt. Er habe schon ganz konkrete Ideen, die jedoch noch reifen müssten.

Birgit Nolte-Michel und Oliver Nolte freuen sich über das begeisterte Publikum, dass ihnen am Ende der Aufführung applaudiert.
Birgit Nolte-Michel und Oliver Nolte freuen sich über das begeisterte Publikum, dass ihnen am Ende der Aufführung applaudiert. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Zwischen brüllen und schweigen

Doch jetzt ist erst mal Zimmerschlacht. Wie Felix und Tina mal im Nahkampf und mal auf Distanz verbal die Klingen kreuzen, ist beeindruckend. Der Auftakt zu rockiger Musik steht symbolhaft für das ganze Stück: Wie ein Doppelplanet kreisen die beiden Eheleute um sich selbst und umeinander, ohne sich wirklich nahe zu kommen. Felix und Tina brüllen sich an, sie schweigen sich an, nur zwischendurch kommt es zu whiskyseliger Vertrautheit.

Wie ein Doppelplanet kreisen die beiden Eheleute um sich selbst und umeinander, ohne sich wirklich nahe zu kommen.
Wie ein Doppelplanet kreisen die beiden Eheleute um sich selbst und umeinander, ohne sich wirklich nahe zu kommen. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Mehrere Anläufe, zu alter Zweisamkeit zurückzufinden, scheitern auf amüsante Weise. Als Tina die Argumente des Gatten aufgreif und ihm mit Anregungen aus ihrem Kamasutra auf die Sprünge helfen will, entzieht sich Felix gequält. "Ich weiß nicht Tina, meine Nägel sind einfach zu kurz." Tina ist entsetzt, als sie die geplante Intrige ihres Felix enttarnt. Selbst zum Töten einer Ratte ziehe er die heimtückische Mausefalle vor, statt das Tier mit der Whiskyflasche zu erschlagen, erkennt sie eine charakterliche Parallele. Die Absicht, seinen Freund Benno und dessen junge Partnerin bloßzustellen, scheitert am Ende zumindest.

Ein Wechselbad der Gefühle

Verquer sind viele kommunikative Strategien des Paares. Als Tina ihn mit dem Hinweis auf eine vermeintliche Affäre mit der blonden Spanierin Berenice erinnert, korrigiert Felix: "Sie hieß Hannelore, kam aus St. Gallen und hatte nur einen Onkel in Madrid." Den Vorwurf Tinas, dass er ihrer Version doch nie widersprochen habe, versucht Felix vorsichtig zu entkräften: "Anfangs schon!" Er habe sie nie betrogen, beteuert er, "aber ich habe dir viel verschwiegen". Und weiter: "Gesagt habe ich nur, was dir guttun sollte. Das war falsch, ich sehe es jetzt."

Giftpfeile und Gemeinheiten wechseln sich mit Empathie und Mitgefühl ab. Schallend lacht das Publikum bei den entlarvendsten Szenen, mucksmäuschenstill wird es bei den teilweise minutenlangen Monologen. Auch in den Zuschauerreihen entsteht ein Wechselbad der Gefühle.