24 Jahre lang stand er an der Spitze der Stadtverwaltung, gab nach drei Amtsperioden im Alter von knapp 55 Jahren den Chefsessel ab und ging seiner Profession als Jurist nach. Doch als die Stadt ihn zu brauchen glaubte, war sich Reinhard Ebersbach auch mit 75 Jahren nicht zu schade, um Verantwortung zu übernehmen.

Mit 75 Jahren engagierte er sich für die Landesgartenschau

Mit der Initiative "Wir für Überlingen" engagierte er sich vor dem Bürgerentscheid über die Landesgartenschau im Jahr 2013 für die Umsetzung. Und als LGS-Geschäftsführer Roland Leitner später bei wachsendem Gegenwind einen Hilferuf sandte, ließ sich Ebersbach im März 2015 zum Vorsitzenden der Freunde der Landesgartenschau Überlingen wählen und engagiert sich bis heute. Am morgigen Sonntag, dem Martinstag, kann Reinhard Ebersbach seinen 80. Geburtstag feiern.

1969: Krasser Außenseiter Ebersbach kickt Platzhirsch Schelle aus dem Amt

Es war eine Sensation gewesen, als der junge Rechtsanwalt, Sozialdemokrat und krasse Außenseiter im September 1969 im konservativen Überlingen den langjährigen Amtsinhaber und selbstbewussten Platzhirsch Anton Wilhelm Schelle von der CDU mit einem knappen Stimmenvorsprung aus dem Amt kickte. Es sprach für Ebersbach, dass er in den folgenden Jahrzehnten gleich zweimal wiedergewählt wurde und bei einer durchweg konservativen Mehrheit im Gemeinderat wegweisende Projekte auf den Weg brachte.

Wegweisende Projekte gestartet

Allen voran den mutigen Bau des Ufersammlers, der seit 1976 Fundament für die Promenade ist. Dass das Vorhaben nicht mit den kalkulierten 1,7 Millionen Mark zu realisieren war, sondern rund zehn Mal so teuer wurde, konnte der Autorität Ebersbachs nichts anhaben.

Er war ein Befürworter der Autobahntrasse am See

Er hatte ein gutes Gespür für die Menschen und das Ohr am Bürger. Nicht nur wenn er sich an der Fastnacht beim Dorferfrühschoppen talentiert in die Bütt begab. Deshalb stellte Reinhard Ebersbach bei der Diskussion um eine Autobahntrasse im Nahbereich des Seeufers seine persönliche befürwortende Position zurück. Mancher, der beim damaligen Bürgerentscheid zu den Gegnern gehörte, würde sich heute möglicherweise anders entscheiden.

Nach der zweiten Wiederwahl scheitert er am Kongresshaus

Nach der zweiten Wiederwahl verließ Ebersbach jedoch das Gespür für den Bürgerwillen. Mit seinen Plänen für ein Kongresshaus im Kurgarten scheiterte er 1988 deutlich. Damit wurde er zugleich Geburtshelfer für die aus den besorgten Bürgern erwachsene Liste für Bürgerbeteiligung und Umweltschutz (LBU), heute mit den Grünen neben der CDU stärkste Ratsfraktion.

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In einem großen Interview im Januar im SÜDKURIER riet Ebersbach seinem inzwischen vierten Nachfolger und Parteigenossen, OB Jan Zeitler, "den Kontakt zur Bevölkerung nicht zu verlieren". Er selbst würde wieder für den Chefsessel im Rathaus kandidieren, sagte er hier auch, wenn er noch einmal 30 Jahre alt wäre.