Überlingen (cfb) "Ein bisschen bekloppt muss man schon sein," sagt Achim Friesenhagen und schiebt sich grinsend die bunte Kappe der Narrenzunft auf seinem Kopf zurecht. Ein Fuchsschwanz hängt da noch nicht dran, dafür ein bunter Bommel, wie ihn Überlinger Narrengesellen tragen.

Achim Friesenhagen kam vor 30 Jahren in Überlingen zur Welt. Die Mutter stammt von hier, der Vater ist zugezogen, die Oma vermachte den Kölschen Schlag. Und den spürt man sofort, wenn man mit Achim Friesenhagen spricht. Närrisch auf der Straße war der Überlinger erstmals im Jahr 1992 unterwegs. Damals juckte er beim Narrentag des Viererbunds als Hänsele mit. "Meine Mutter war sehr besorgt, ob ich das als Fünfjähriger überstehen würde", erinnert sich Friesenhagen. Doch seine Reaktion nach dem Umzug war anders als erwartet. "Können wir das nochmal machen", sagte er damals freudenstrahlend. Seitdem schlüpft Friesenhagen zu jeder Fasnet ins Hänsele. Daran konnte auch die Narrenzunft nichts ändern, die ihn Jahre später zum Narrengesellen machte. Natürlich könne er jetzt nicht mehr einfach so beim Hänselejuck ins Häs, warten da doch auf die Mitglieder der Narrenzunft andere Aufgaben. Aber das Preiskarbatschenschnellen davor konnte sich Achim Friesenhagen erhalten. Dann ist er, korrekt im Hänsele gekleidet, immer mit dabei. Der Griff der ersten hier gewonnen Karbatsche ist immer noch im Einsatz.

Einem Auftritt in der Bütt des Männerkaffees hat er es zu verdanken, dass die Narrenzunft auf ihn aufmerksam wurde. Vor fünf Jahren habe Friesenhagen als Kölscher Jeck eine Rede gehalten. Danach war er als Gast beim Narrenkonzert mit dabei, als Double von Horst Schlämmer, der Kunstfigur von Hape Kerkeling. Seit 2015 ist er Narrengeselle, Darsteller beim Narrenkonzert und hier ebenso Mitglied im Männerballett. Auch als Stückleschreiber hat er sich dieses Jahr erstmals versucht. Und nach der Fastnacht? Da ist der Überlinger froh, dass er etwas ruhen kann. Am Aschermittwoch ist dann Friesenhagen wieder an seinem Arbeitsplatz in einer Anwaltskanzlei. Dort kümmert sich der studierte Maschinenbauer als sogenannter Patent Professionell um Patentangelegenheiten.

Sonst widmet sich der 30-Jährige seinen Hobbys Fußball, Volleyball und Strandbad. Außerdem bekommt die Freundin nach der Fastnacht noch mehr Aufmerksamkeit. Sie ist auch närrisch und tanzt beim Frauenkaffee. Für Friesenhagen wohl der Schlüssel zum privaten Glück: "Ein bisschen bekloppt ist die auch, sonst funktioniert das nicht", sagt er und schiebt sich wieder die bunte Bommelkappe zurecht.