Mit einem attraktiven Kulturhaus das kulturelle Leben im Ort umfassend fördern: Das ist der Plan des Sipplinger Bürgers und Initiators Michael Miller. Doch daraus scheint nichts zu werden. Der Gemeinderat hat es nach langer Debatte mit sieben Stimmen bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt, das Projekt Kulturwerk am See in Sipplingen grundsätzlich zu unterstützen.

Miller hatte das Projekt unter dem Applaus vieler Bürger präsentiert. In dem Kulturhaus stellt er sich unter anderem regelmäßige Musikveranstaltungen, Kleinkunst, Open-Air-Kino oder literarische Bodensee-Gespräche vor. Miller erklärte: „Geschaffen werden soll ein attraktiver Treffpunkt, ein kommunikatives Netzwerk, das ganz unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse berücksichtigt.“ Der zu gestaltende Kulturraum, ein Haus mit 80 bis 100 Sitzplätzen, werde offen für zahlreiche Möglichkeiten und für alle Bürger sein. „Sipplingen braucht meines Erachtens solch einen Ort in bester Lage“, warb er.

Als Standort für das Kulturwerk favorisiert er ein Areal von 500 Quadratmetern direkt im Anschluss an das Westhafen-Gebäude, gen Osten hin. Michael Miller stellt sich eine Gründung einer Kultur-Genossenschaft Sipplingen e.G. oder alternativ einer Sipplinger Kultur & Dialog GmbH als rechtlichen Träger des Kulturwerks vor. Miller erläuterte: „Das Kulturwerk zahlt an die Gemeinde die gleiche Pacht wie das Riva oder das Seehaus. Alternativ verpflichtet sich das Kulturwerk, 50 Prozent der möglichen Gewinne direkt im Kulturbereich zu reinvestieren.

“ Um solche Gewinne zu erzielen, sei eine gut funktionierende Gastronomie in dem Gebäude unerlässlich. Für die Gemeinde entstünden keine finanziellen Verpflichtungen, sagte der Referent. „Wir brauchen das Engagement unserer Bürger, sonst wird es mit dem Kulturhaus nichts“, sagte Miller, der bei optimalen Verlauf mit einer Realisierung im Sommer 2019 rechnet.

Thomas Biller (FW) eröffnete den Reigen der Diskussionsbeiträge. Er hielt den Standort für ungeeignet („so viel Gastronomie verträgt das Ufer nicht“) und erinnerte daran, dass Kultur ein Zuschussbetrieb sei. „Das können wir uns nicht leisten.“ Josef Dichgans (CDU) sprach von einer schönen Vorstellung, die aber unrealistisch sei. „Es müsste gastronomisch gewaltig brummen. Das Konzept in sich ist nicht schlüssig. Ein Luftschloss.“ Elisabeth Lohrer (CDU) befürwortete das Kulturhaus, "aber nicht diesen Standort". Dass man Kultur im Ort brauche, stellte auch Willi Schirmeister (FW) fest, „aber die kann auch woanders sein. Wir tun uns an der vorgeschlagenen Stelle keinen Gefallen.“ Clemens Beirer (CDU) gab zu bedenken, dass sich am vorgeschlagenen Platz stets viele Jugendliche aufhielten, „er ist gerade für die Jugend das A und O." Patric Geiger (FW) sprach von einer Idee, die es ermöglichte, Kultur ohne öffentliche Gelder im Ort zu etablieren. „Die Zielsetzung ist hoch attraktiv.“ Manuel Müller (Die Linke) befürwortete das Vorhaben auf ganzer Linie. Der Standort sei gut, das Vorhaben eigne sich für junge Menschen und belebe den Tourismus im Winter.

Dennoch: Das Gremium lehnte es grundsätzlich ab, das Projekt zu unterstützen, "sofern eine Genossenschaft oder alternativ eine GmbH zeitnah mit dem Ziel gegründet wird, das Kulturwerk in die Tat umzusetzen mit der Maßgabe, dass ein erheblicher Teil des Gewinns für die Kulturarbeit reinvestiert wird", wie es im Beschlussvorschlag der Gemeinde hieß. Bürgermeister Oliver Gortat sprach nach seiner Abstimmungsniederlage von keinem finalen Beschluss in Bezug auf den Standort: "Ich hätte einen Mehrwert im Projekt gesehen. Es heißt aber noch lange nicht, dass es gestorben ist."