Wie die anderen Kommunen der Region verfolgt die Gemeinde Sipplingen das Ziel, das Angebot auf der Bodenseegürtelbahn (BGB) zu verbessern. Das hat sie jetzt mit einer vom Gemeinderat verabschiedeten Presseerklärung bekräftigt. Unter Elektrifizierung versteht sie die Befahrung mit einem elektrischen Antrieb, aber „unabhängig davon, ob dieser Antrieb aus Oberleitungen, Batterien oder anderweitig ohne Rückgriff auf konventionelle Verbrennungsmotoren gespeist wird“.

Oberleitung, Batterie oder anderweitige Lösung

Im Zusammenhang mit der geplanten Elektrifizierung hatte sich der Gemeinderat gegen den Begriff „Gallisches Dorf“ gewehrt, der während einer Podiumsdiskussion zur Bodenseegürtelbahn Anfang Oktober in Sipplingen gefallen war. Seinerzeit hatte der Überlinger Sozialdemokrat Gerhard Riehle an ein kleines gallisches Dorf erinnert, das erbitterten Widerstand gegen eine Übermacht leiste. Dadurch erschien der Eindruck, als wehre sich Sipplingen als einzige Gemeinde gegen die Elektrifizierung. Im Sipplinger Rat hieß es aber zuletzt, man wolle nicht als Verhinderer einer Elektrifizierung dastehen, sondern vielmehr durch den Einsatz moderner Technologien einen möglichst schnellen Abschied von der veralteten Dieseltechnologie realisieren.

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Reisende müssten ab 2026 zwei Mal umsteigen

Wie es in der Presseerklärung heißt, soll im Jahr 2021 die Elektrifizierung der Südbahn von Friedrichshafen nach Ulm, 2026 die der Hochrheinbahn von Basel nach Radolfzell abgeschlossen sein. Somit werde es ab 2021 keine durchgehende Zugverbindung von Basel nach Ulm mehr geben, sondern die Reisenden müssten in Friedrichshafen umsteigen. 2026 komme dann ein weiterer Umstieg in Radolfzell dazu. Alle seien sich daher einig, dass eine schnelle Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn erforderlich sei, damit die Anbindung der Region sich nicht verschlechtere. „Vielmehr soll das Angebot möglichst durch kürzere Taktzeiten der Züge verbessert werden, was ebenfalls eine Elektrifizierung erfordert.“

"Oberleitung in absehbarer Zeit nicht realisierbar"

Aufgrund der Erfahrungen bei der Elektrifizierung der Südbahn müsse davon ausgegangen werden, dass eine Lösung mit Oberleitungen in absehbarer Zeit nicht zu realisieren sein werde. Verwiesen wird auf Regionaldirektor Wilfried Franke, der bei der Podiumsdiskussion gesagt hatte, dass die Elektrifizierung mittels Oberleitungen bei der Südbahn mehr als 30 Jahre gedauert habe. Daher sei, so die Gemeinde, bei der Bodenseegürtelbahn ein deutlich längerer Zeitraum als bis 2021 und sehr wahrscheinlich auch als bis 2026 zu erwarten, da die Strecke auch nicht in den kürzlich verabschiedeten Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen worden sei. „Eine über Jahre anhaltende Verschlechterung der Verkehrsanbindung ist aus unserer Sicht jedoch nicht akzeptabel“, ist in der Stellungnahme zu lesen.

Batterie-Lösung wäre schnell umsetzbar

Deswegen favorisiert die Gemeinde Sipplingen derzeit eine schnell umsetzbare Batteriespeisung des elektrischen Antriebs zumindest auf dem Teilabschnitt Radolfzell bis Uhldingen-Mühlhofen, „idealerweise“ auf der gesamten Strecke von Radolfzell bis Friedrichshafen. Außerhalb dieses Teilabschnitts könnte solch ein Zug den benötigten Strom aus Oberleitungen beziehen. Eine Ausweitung der Batteriekapazität für die gesamte Strecke sei laut Angaben des Zugherstellers möglich. „Technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit der vorgeschlagenen Lösung wurde durch Studien der Fachhochschule Nordwestschweiz bereits gezeigt“, so die Gemeinde Sipplingen.

Ab 2026 von Basel bis Ulm ohne Umstieg

Sie schreibt weiter, dass die vorgeschlagene Batteriespeisung erheblich schneller realisiert werden könne, als es für den Oberleitungsbau zu erwarten sei. „Diese Lösung ermöglicht die angestrebte schnelle Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn.“ So könne sofort ab 2026 von Basel bis Ulm umsteige- und unterbrechungsfrei elektrisch gefahren werden, statt „bis zur unabsehbaren Errichtung der Oberleitung“ in Friedrichshafen und Radolfzell auf Dieselzüge umzusteigen.

Eingesparte Kosten für kürzere Taktzeiten einsetzen

Die Gemeinde weist ferner auf zu erwartende Kosteneinsparungen hin. Ihr zufolge könnten die Mittel für eine Finanzierung des Vorzugskonzepts mit kürzeren Taktzeiten eingesetzt werden. „Außerdem könnten durch einen früheren Wegfall der Dieselzüge deren Abgase und die damit verbundene Belastung der Region und ihrer Bürger viele Jahre früher entfallen.“ Zudem werde das sensible und geschützte Landschaftsbild geschont. Abschließend heißt es: „Aus den dargelegten Gründen sehen sich die Gemeinde Sipplingen und ihr Gemeinderat nicht, wie verschiedentlich dargestellt, als Verhinderer einer Elektrifizierung der BGB. Vielmehr wollen wir durch den Einsatz moderner Technologien die allseits gewünschte Elektrifizierung kostengünstig und vor allem schnell realisieren, um Verschlechterungen der Verkehrsanbindung sowie Emissionen von Dieselantrieben zu vermeiden. Hierbei darf es keine Denkverbote geben.“

Der Originaltext auf der Homepage der Gemeinde: http://www.sipplingen.de

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