Der Pferdehof Hoher in Salem-Grasbeuren ist vom Naturschutzbund Donau-Bodensee (Nabu) mit dem Prädikat „Schwalbenfreundliches Haus“ ausgezeichnet worden. Denn dort sind Schwalben nicht nur geduldete, sondern sogar sehr willkommene Untermieter. Das scheint sich unter den Artgenossen herumgesprochen zu haben. Sie haben sich in Scharen im Stall und unter den Dachvorsprüngen des 4000 Quadratmeter großen Hofkomplexes eingenistet.

Hartmut Walter und Thomas Körner vom Nabu zeigen sich beeindruckt

Wie viele Schwalbennester sich unter seinen Dächern befinden, kann Klaus Hoher, der als FDP-Mann dem baden-württembergischen Landtag angehört, nicht sagen. Die Mühe, sie zu zählen, hat er sich noch nicht gemacht. Aber die Vielzahl an Vögeln, die hier herumschwirrt, ist in jedem Fall beeindruckend, findet auch Hartmut Walter, der Vorsitzende des Nabu Donau-Bodensee. „Unglaublich“, staunte er, als er auf den Pferdehof kam, um Klaus Hoher die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ zu überreichen, die jetzt das Stalltor ziert.

Wer Schwalben an seinem Haus brüten lässt, kann diese Plakette des Nabu beantragen.
Wer Schwalben an seinem Haus brüten lässt, kann diese Plakette des Nabu beantragen. | Bild: Peter Schober

Dass auf dem Pferdehof Hoher den Schwalben beliebig viel Raum zum Nisten, Leben und Brüten gegeben wird, sei dem Nabu zugetragen worden, erzählte Thomas Körner, der Geschäftsführer des Nabu Donau-Bodensee, und fügte an: „Ich wüsste nicht, wo so viele Schwalben auf einem Fleck zu finden sind. Hier ist die Plakette ‚Schwalbenfreundliches‘ Haus mehr als angebracht.“

Fluginsekten als Nahrungsgrundlage

In Baden-Württemberg wird diese Auszeichnung seit elf Jahren vergeben. Damit möchte der Nabu Hausbesitzer dafür belohnen, dass sie Schwalben an ihren Gebäuden brüten lassen, wie Hartmut Walter erklärte: „Denn die Schwalbenpopulation hat sehr stark abgenommen, auch im Bodenseekreis.“ Zum einen führe er dies auf den Rückgang an Fluginsekten zurück, der Nahrungsgrundlage der Schwalben. Zum anderen mache er dafür aber auch unbedachte Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden verantwortlich. Häufig würden die Nester auch illegal beseitigt, und das, obwohl die Schwalben nach EU-Recht streng geschützt seien und das Zerstören ihrer Brutstätten unter Strafe stehe.

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Im Stall nisten die Rauchschwalben, unter Dachvorsprüngen die Mehlschwalben

Klaus Hoher hat dafür kein Verständnis, obwohl er weiß, dass Schwalben mit ihrem Kot auch für Verunreinigungen sorgen. „Aber das ist Natur“, sagte der Landtagsabgeordnete und lässt die „Glücksbringer“, die dem Volksglauben nach vor Unwetter schützen, gewähren wie es ihnen beliebt. Klaus Hoher ist mit Schwalben um sich herum aufgewachsen. „Die hatten bei uns schon immer ein Zuhause und so soll es auch bleiben.“ Drinnen im Stall nisten die Rauchschwalben, draußen unter den Dachvorsprüngen haben die Mehlschwalben ihre Nester gebaut. Mit Kunstnestern, die die Ansiedlung von Schwalben fördern sollen, hilft Klaus Hoher allerdings nicht nach. „Die sollen selber bauen, sonst verlernen sie das.“

Das Nest einer Rauchschwalbe im Pferdestall von Klaus Hoher.
Das Nest einer Rauchschwalbe im Pferdestall von Klaus Hoher. | Bild: Peter Schober

Schwalben finden auf Pferdehof ideale Bedingungen

Für den Nestbau gibt es auf dem Pferdehof Hoher ideale Bedingungen, meint Thomas Körner: „Auf der zum Teil ausgetretenen Pferdekoppel finden sie genügend lehmartiges Baumaterial, das ihnen wegen der Versiegelung vielerorts abhandengekommen ist.“ Und hier gebe es auch noch ausreichend viele Fluginsekten.

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Gäste bleiben von Mai bis September

Allzu lange sind die Schwalben hierzulande jedoch nicht zu Gast. Üblicherweise kommen sie Anfang Mai aus ihren Winterquartieren in Afrika, weiß Klaus Hoher. Dieses Jahr seien sie etwas später dran. Wahrscheinlich wegen der kühlen Witterung im Mai, lautet seine Vermutung. „Jetzt aber sind sie fest dabei, auch neue Nester zu bauen.“ Im August bis September werden seine Gäste bereits wieder abziehen. „Die machen es, wie es viele von uns auch gerne hätten“, sagte Klaus Hoher. Sie verbringen das ganze Jahr in warmen Regionen.