Gegen das Vorhaben eines Landwirts, an seinem zwischen Weildorf und Beuren gelegenen Aussiedlerhof einen Start- und Landeplatz für ein Ultraleichtflugzeug anzulegen, sind im Gemeinderat massive Bedenken laut worden. Der Antrag für den Sonderlandeplatz wurde vom Regierungspräsidium Stuttgart an die Gemeinde weitergeleitet mit der Bitte um eine Stellungnahme.

Rat will Meinung der Bürger abwarten

Diese soll nach dem Willen des Gemeinderats aber erst dann verfasst werden, wenn die Anhörung der Bevölkerung abgeschlossen ist. Bis zum 1. Oktober kann der Antrag bei der Gemeinde eingesehen, bis 15. Oktober können Einwendungen gegen das Vorhaben eingebracht werden.

Auch Flüge zum Personentransport geplant

Begründet hat der Landwirt sein Vorhaben vor allem mit landwirtschaftlichen Zwecken. Unter anderem wolle er das Ultraleichtflugzeug zur Kontrolle von Hagelnetzen, zur Ausbringung von ökologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln und zur Erfassung von Wildschäden einsetzen. Darüber hinaus seien aber auch Flüge zur Erhaltung von Fluglizenzen und zum Material- beziehungsweise Personentransport geplant.

Gutachten sehen Projekt nicht kritisch

Dem Antrag auf Genehmigung einer Landebahn für ein Ultraleichtflugzeug, den der Landwirt bei dem für Luftverkehr und Luftsicherheit zuständigen Regierungspräsidium Stuttgart eingereicht hat, sind ein artenschutzrechtliches Gutachten sowie ein Lärmemissionsgutachten beigefügt. Wie Bauamtsleiter Torsten Schillinger in der Gemeinderatssitzung zusammenfasste, komme das artenschutzrechtliche Gutachten zu dem Ergebnis, dass aufgrund der nur sporadischen und kurzzeitigen Störung durch Start und Überflug erhebliche Störungen von Greifvogelarten und der übrigen lokalen Population ausgeschlossen werden könnten. Das Lärmgutachten komme zu dem Schluss, dass die Lärmemissionen für die naheliegenden Ortschaften Weildorf, Beuren und Altenbeuren gering seien. Sie lägen zwischen 15,5 und 21,1 Dezibel.

Bürgermeister sieht keinen Grund für Ablehnung des Projekts

Die Ergebnisse dieser Gutachten warf Bürgermeister Manfred Härle bei seiner persönlichen Beurteilung des Vorhabens in die Waagschale. Auf Grundlage des Gutachtens sehe er eigentlich keine Punkte, die Grund für eine negative Stellungnahme der Gemeinde wären. Ein Großteil der Gemeinderäte zog jedoch nicht nur die Gutachten als Grundlage für die Beurteilung heran.

Henriette Fiedler (FWV): "Unfair, Landwirtschaft vor den Karren zu spannen"

Gemeinderätin Henriette Fiedler (FWV) erklärte, die genannten landwirtschaftlichen Einsatzzwecke für das Ultraleichtflugzeug seien nur vorgeschobene Argumente für die privaten Interessen des Landwirts. "Ich halte es für unfair, dass hier die Landwirtschaft vor den Karren gespannt wird."

Klaus Bäuerle (GoL): "Rein private Nutzungsinteressen"

Klaus Bäuerle (GoL) pflichtete ihr bei. "Für mich stecken rein private Nutzungsinteressen dahinter."

Franz Jehle (CDU): "Zeiten ändern sich"

Anders sah Franz Jehle (CDU) die Interessensgewichtung. "Die Zeiten ändern sich." Er wolle sich der landwirtschaftlichen Nutzung des Ultraleichtflugzeugs nicht verschließen. Auch Jehles Fraktionskollegin Petra Herter hatte keine gravierenden Bedenken. Sie verwies dabei auf das Überlinger Waldrappenprojekt, bei dem ein Ultraleichtflugzeug dienliche Zwecke erfüllt habe.

Arnim Eglauer (SPD): "Ungenehmigte Rodungen im Biotop"

Arnim Eglauer (SPD) wandte sich in einer schriftlichen Stellungnahme vehement gegen das Vorhaben. Er widerspricht dem naturschutzrechtlichen Gutachten. Die Bussarde und Rotmilane, die in den Gewannen rund um den Aussiedlerhof lebten, seien keineswegs so störunempfindlich, wie es in dem Gutachten dargestellt sei. Eglauer verwies außerdem darauf, dass im April in einem Biotop ungenehmigte Rodungen vorgenommen worden seien, die der Breite der Landebahn entsprächen. "Es ist eine unverzügliche Wiederherstellung des widerrechtlich gerodeten Gewässerrandstreifens in den vorherigen Zustand zu verlangen."

Ortsreferentin Luzia Koester: "Bislang kein einziges positives Echo"

Zu den Kritiker des Vorhabens zählte auch die Beurener Ortsreferentin Luzia Koester. "Ich habe in der Bürgerschaft bisher kein einziges positives Echo gehört." 300 Starts und Landungen im Jahr seien schließlich kein Pappenstiel. Sie schlug deshalb vor, vor der Abgabe einer Stellungnahme seitens der Gemeinde zu klären, welche Einwendungen aus der Bürgerschaft eingehen.

Ulrich König (FDP): "Viele andere Betriebe, die damit kommen könnten"

Ulrich König (FDP) befürchtete, dass man mit der Befürwortung des Landeplatzes ein neues Fass aufmachen könnte. Er bezog sich auf die landwirtschaftlichen Zwecke, die der Landwirt geltend macht. "Es gibt noch viele andere landwirtschaftliche Betriebe, die mit dieser Begründung kommen könnten, und dann hätten wir bald einen Teppich voller Ultraleichtflugzeuglandebahnen."