Salem – Trotz brütender Hitze waren am Donnerstag rund 300 Bürger gekommen, um die feierliche Grundsteinlegung für das neue Rathaus an der Schlossseeallee mitzuerleben. Unter den Gästen befanden sich auch der spanische Architekt Primitivo Gonzalez und seine Tochter Noa. Ihr Büro hatte vor zwei Jahren den Architektenwettbewerb gewonnen, der für das neue Rathaus ausgelobt worden war.

SÜDKURIER-Ausgabe als Zeitdokument hinterlegt

In der Schatulle mit Zeitdokumenten, die in den Eingangsbereich des künftigen Rathauses eingebaut wird, liegt auch die aktuelle SÜDKURIER-Ausgabe.
In der Schatulle mit Zeitdokumenten, die in den Eingangsbereich des künftigen Rathauses eingebaut wird, liegt auch die aktuelle SÜDKURIER-Ausgabe. | Bild: Peter Schober

Auf der Decke der Tiefgarage sind bereits die ersten Betonmauern hochgezogen. In der südöstlichen Wand, wo sich einmal der Eingang zum neuen Rathaus befinden wird, wurde eine kleine Luke ausgespart. Hier wurde, mit einer Glasscheibe überdeckt, eine Schatulle mit Zeitdokumenten eingelassen. Neben den Bauplänen enthält sie ein Luftbild von der Baustelle, die wichtigsten Protokolle aus dem Gemeinderat, die den Entwicklungsprozess der Neuen Mitte betreffen, sowie die aktuelle Ausgabe des SÜDKURIER, in der über die "hitzigen Diskussionen" zu lesen ist, die sich zwei Tage zuvor im Gemeinderat an den Kosten für die Außenanlagen am künftigen Rathaus entzündet hatten.

Das könnte Sie auch interessieren

Bürgermeister: Schon in 1970 Jahren brisantes kommununalpolitisches Thema

Bürgermeister Manfred Härle sagte: "Für Salem ist die heutige Grundsteinlegung für das neue Rathaus ein historisches Ereignis." Für ihn persönlich sei es ein sehr emotionaler Moment, "denn ich habe mich über Jahre hinweg für die Gemeindemitte engagiert und leidenschaftlich dafür eingesetzt". Härle erinnerte daran, dass die Realisierung und Umsetzung eines Zentralbereichs für die Gesamtgemeinde schon seit dem Zusammenschluss in den 1970er Jahren ein brisantes kommunalpolitisches Thema gewesen sei.

Fertige Pläne schon in den 1980er Jahren

Bereits in den 1980er Jahren habe es fertige Pläne für ein neues Rathaus an diesem Standort gegeben. Diese Überlegungen seien jedoch zurückgestellt worden, da andere kommunalpolitische Aufgaben Vorrang gehabt hätten.

"Im Herzen der Gesamtgemeinde"

Ein besonderer Augenblick: 300 Bürger wollten die Grundsteinlegung für das neue Rathaus in der Neuen Mitte an der Schlossseeallee miterleben. Bilder: Peter Schober
Ein besonderer Augenblick: 300 Bürger wollten die Grundsteinlegung für das neue Rathaus in der Neuen Mitte an der Schlossseeallee miterleben. Bilder: Peter Schober | Bild: Peter Schober

Härle erklärte: "Unser Rathaus entsteht nun an dem Standort, wo es hingehört, nämlich in der geografischen Mitte und im Herzen der Gesamtgemeinde." Für ihn sei nicht nur der Planentwurf des spanischen Büros Estudio Gonzalez für das Rathaus, sondern auch die Gestaltung der neuen Gemeindemitte mit den Klinkerfassaden ein Riesenwurf mit hoher Qualität.

Härle spricht Kritik aus Gemeinderat an

Der Bürgermeister machte aber keinen Hehl daraus, dass auch im Gemeinderat nicht alle dieser Meinung sind, obwohl es immer sein Ziel gewesen sei, jeden Gemeinderat für das Vorhaben zu begeistern. Dies sei 2014 beim Grundsatzbeschluss zur Realisierung der Neuen Mitte mit dem alten Gemeinderat auch gut gelungen. Härle erinnerte: "Ohne Gegenstimmen bei zwei Stimmenthaltungen haben wir damals die Umsetzung der Neuen Mitte mit breitem Schulterschluss auf den Weg gebracht." Dies habe sich mit der Bildung des neuen Gemeinderats und dessen Zusammensetzung jedoch geändert. Ohne Rücksicht auf bestehende Entscheidungs- und Beschlusslagen habe sich eine starke Front gegen die Umsetzung der Neue Mitte formiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Härle bedankte sich bei den Altgemeinderäten, bei der aktuelle CDU-, SPD- und FDP-Fraktion sowie Ursula Hefler und Herbert Sorg von den Freien Wählern für die Rückendeckung. "Sie sind in meinen Augen die wahren Gründungsväter der Neuen Mitte."

"Finanzielle Ausgangssituation so gut wie nie"

Finanziell könne das Vorhaben sauber abgewickelt werden. "Es wird die Gemeinde nicht in Schieflage bringen, wie so mancher Gegner des Projekts befürchtet", versicherte Härle. Die finanzielle Ausgangssituation für das Projekt sei noch nie so gut gewesen wie heute.

Architektin: "Ein Haus für alle Einwohner"

Die spanischen Planer des neuen Rathauses: die Architekten Primitivo Gonzalez (rechts) und Noa Gonzalez, seine Tochter.
Die spanischen Planer des neuen Rathauses: die Architekten Primitivo Gonzalez (rechts) und Noa Gonzalez, seine Tochter. | Bild: Peter Schober

Die Architekten Primitivo Gonzalez und seine Tochter Noa Gonzalez waren aus Spanien nach Salem zur Grundsteinlegung des von ihnen geplanten Rathauses gekommen. Seniorchef Primitivo Gonzalez lobte auf Spanisch die gute Zusammenarbeit, Noa Gonzalez erklärte auf Deutsch, dass Salem mit dem neuen Rathaus ein unverwechselbares Gebäude in einer reizvollen Umgebung bekommen werde: "Das neue Rathaus soll nicht nur ein Verwaltungsgebäude werden, sondern ein Haus für alle Einwohner." Dabei verwies sie auf die in das Rathaus integrierte Gemeindebücherei, die zum Verweilen einlade und auch kleinere kulturelle Veranstaltungen ermögliche. Und Noa Gonzalez nannte das Trauzimmer im obersten Stockwerk, von dem aus man einen einzigartigen Blick auf den Erholungs- und Freizeitpark am Schlosssee habe.

Konzeption und Kosten

  • Das Objekt: Auf 2200 Quadratmetern Nutzfläche werden Büros, Besprechungsräume und ein großer Sitzungssaal geschaffen. Im obersten Stockwerk wird ein Trauzimmer eingerichtet. Im Erdgeschoss kommt die Gemeindebücherei unter, wo auch kleinere kulturelle Veranstaltungen möglich sind. Außerdem wird die Tourist-Info auf 120 Quadratmetern im Erdgeschoss Platz finden. Unter das Rathaus kommt eine öffentliche Tiefgarage mit 210 Stellplätzen.
  • Die Kosten: Das Rathaus mit Bibliothek und Tourismus-Büro ist mit 12,1 Millionen Euro veranschlagt, die Tiefgarage mit 5,7 Millionen Euro. Für die Außenanlagen um Rathaus, Marktplatz und Bürgerpark fallen 6,3 Millionen Euro an.
Das könnte Sie auch interessieren
  • Hinzu kommt die Erschließung für 3,8 Millionen Euro. Die Gesamtsumme beläuft sich auf 28 Millionen Euro. Diesen stehen Einnahmen aus Grundstücksverkäufen und Zuweisungen von 13,5 Millionen Euro gegenüber. Daraus ergibt sich ein Finanzierungsbedarf von 14,5 Millionen Euro. Diesen Betrag hat die Gemeinde in den Rücklagen angespart. (as)