Auf der Leinwand im Bürgersaal des Owinger Rathauses flimmert ein Film, die Stimme aus dem Off verspricht: "Unbegrenzte Mengen an Daten in Lichtgeschwindigkeit nach Hause, eine Verbindung unempfindlich gegen äußere Einflüsse." Für die Gemeinderäte war es der Einspieler in den vierten Tagespunkt mit der Frage: Will sich Owingen an der Gründung und am Betrieb des Zweckverbandes Breitband im Bodenseekreis beteiligen? Die Owinger Räte beantworteten diese Frage in einem Grundsatzbeschluss mit Ja.

17 Gemeinden haben ihr Interesse am Projekt zugesagt

Das Ziel des Verbandes: Es soll ein Glasfasernetz im Bodenseekreis aufgebaut werden, das die Kommunen flächendeckend mit schnellem Internet versorgen soll. Bisher haben neben Owingen weitere 17 Gemeinden ihr Interesse am Projekt zugesagt.

Die kommunale Zusammenarbeit bringt Vorteile mit sich: Zum einen kann der Verbund mehr Fördergelder durch das Land abgreifen. Zum anderen überwiegen die administrativen Vorteile, wie Bürgermeister Henrik Wengert erklärte. Um in Owingen eigenständig den Glasfaseraufbau voranzutreiben, müssten im Bauamt spezialisierte Mitarbeiter eingestellt werden. Diese Kräfte sollen lieber ausgelagert und im Zweckverband gebündelt werden.

Raus aus der "Kupferzeit"

Ralf Witte, der 2010 beim Aufbau eines ähnlichen Zweckverbandes in Ravensburg beteiligt war, berichtete in der Gemeinderatssitzung von den damaligen Erfahrungen. Er sieht sich als "neutralen Berater", mit ihm soll es raus aus der "Kupferzeit" gehen, wie er ankündigte. Denn bisher seien in vielen ländlichen Regionen Kupferleitungen verlegt, die beim Hochladen oder Verschicken von großen Datenmengen Schwierigkeiten haben. Für die Zukunft sei die Technik nicht ausreichend und stoße immer mehr an Grenzen. "Es führt kein Weg am Glasfieber vorbei", so sein Fazit und er rät: "Verlegen Sie beim Bau von Neubaugebieten, immer wenn eine Grube entsteht, Glasfaserleitungen in den Boden."

Zweckverband ist Bauherr und Eigentümer

In Owingen sei das Kerngebiet schon gut mit Glasfaserleitungen versorgt, doch es sei wichtig, dass zum Beispiel landwirtschaftliche Betriebe an die effektivere Leitung angeschlossen werden. Dafür soll vom Landkreis ein sogenanntes Backbone-Netz gebaut werden. Übersetzt wird der Begriff mit „Rückgrat“, dieses Hauptnetz soll im Bodenseekreis ringförmig verlegt werden. Daraus sollen Glasfaserleitungen in die Gemeinden abzweigen, die wiederum weiterführende Leitungen in die Straßen und Wohnungen verlegen.

Der Zweckverband ist Bauherr und Eigentümer des Netzes. Den Gemeinden wird das Nutzungsrecht eingeräumt. Der Netz-Betreiber wird nach der Fertigstellung in einer Ausschreibung bestimmt. Für die innerörtliche Breitbandverlegung wurde in Owingen bereits im Jahr 2016 ein Unternehmen per Ausschreibung gefunden. Die erste Kostenberechnung für einen flächendeckenden Glasfaserausbau liegt bei rund 9,26 Millionen Euro.