Meersburg – Eine Jugendsprechstunde, die allen Jugendlichen in Meersburg offensteht, wird die Schulsozialarbeiterin Andrea Lebek ab April einmal wöchentlich in der Sommertalschule anbieten. Der Gemeinderat stimmte der Einrichtung, zunächst bis Ende 2018, zu und bewilligte die erforderlichen 6600 Euro. Geplant sind zunächst vier Stunden pro Woche. Das genaue Angebot will die Stadtverwaltung noch veröffentlichen, unter anderem mit Plakaten, bei deren Gestaltung Jugendliche mitwirken sollen.

Lebek, seit vielen Jahren Schulsozialarbeiterin an der Sommertalschule, und die städtische Abteilungsleiterin Ute Rose stellten das Projekt im Rat vor. Die Jugendlichen sollen Gelegenheit bekommen, in der Sprechstunde Themen anzuschneiden, die sie beschäftigen, wie etwa Alkohol, Drogen, Sexualität, häusliche Gewalt. Durch dieses niederschwellige Angebot könnten regelmäßige Gruppen entstehen, in denen zu einzelnen Themen gezielte Angebote gemacht würden, eventuell auch mit externen Referenten. So seien ein Selbstverteidigungskurs für Mädchen oder ein Abend zur Drogenprävention denkbar. Im Oktober soll das Projekt auf den Prüfstand gestellt und gegebenenfalls weiterentwickelt werden.

Trotz der allgemeinen Zustimmung der Räte zur Jugendsprechstunde ging dieses Angebot manchem nicht weit genug. Andere meinten, die Schule sei der falsche Ort dafür. Boris Mattes (SPD), früher selbst in der Jugendarbeit aktiv, startete mit Kritik: "Die Verwaltung hat in der Vergangenheit die Jugendarbeit nicht eruiert, sondern erodiert." Milder fügte er hinzu: "Ich hoffe, dass wir heute endlich einen Neustart wagen." Doch mit vier Stunden "wird es nicht getan sein", glaubt Mattes. Ulrike Wirbatz (SPD) fand das ebenfalls nicht ausreichend. Außerdem sei es fraglich, ob Jugendliche, die andere Schulen besuchen, zur Sprechstunde in die Sommertalschule gehen würden. Auch Peter Köstlinger (CDU), Markus Waibel (FW) und Monika Biemann (Umweltgruppe) hatten daran Zweifel. Waibel sagte: "Solange 90 Prozent unserer Jugendlichen nicht auf diese Schule gehen, ist der Standort falsch." Biemann glaubt, Lebek erreiche "nur die Schüler, für die Sie sowieso schon da sind". Alexandra Mahl (Umweltgruppe) schlug eine Kooperation mit dem Droste-Hülshoff-Gymnasium vor. Lebek versicherte jedoch: "Ich habe ein gutes Netzwerk zu anderen Schulen und sage den Kollegen Bescheid." Man könne auch nicht alle Probleme während der Schulzeit besprechen, deshalb visiere sie derzeit den Mittwochnachmittag für die Sprechstunde an.

Köstlinger hält die Schule generell für den falschen Ort. "Schulsozialarbeit ist negativ besetzt und wird immer mit Problemen verbunden. Wir brauchen einen neutralen Raum." Jugendliche wollten vor allem Party und Spaß. Das Geld solle man lieber etwa in einen Bauwagen stecken und diesen den Jugendlichen anbieten. Werner Endres (CDU), der sich bei der Abstimmung als Einziger enthielt, glaubt: "Die wollen keine Beratung und keinen Aufpasser." Allerdings konnte er einer Sprechstunde durchaus etwas abgewinnen und meinte gar: "Da würde ich auch gerne zwei-, dreimal zuhören und erfahren, wo haben die Jugendlichen Probleme." Martin Brugger (CDU) meinte, das jetzige Projekt sei "eine gute Sache", die man prüfen und nicht gleich wieder bremsen solle. "Die Zeiten, wo Jugendliche Tischkicker spielten, sind vorbei, dafür brauchen wir keinen Raum." Philipp Wurster (FW) und Christian Herter (Umbo) äußerten sich ähnlich. Herter meinte: "Machen wir's. Wenn der Ort nicht gut ist, finden wir vielleicht in einem Jahr einen anderen."

Auf Antrag von Boris Mattes nahm man in den Beschluss auf, dass die Verwaltung parallel alternative Standorte suchen und dem Rat vorstellen solle. Mattes sagte, die Sprechstunde sei gut. "Aber das ist keine klassische Jugendarbeit." Peter Schmidt (CDU) betonte, momentan gehe es auch nicht um die Neuaufstellung der Jugendarbeit, sondern: "Unsere Schulsozialarbeiterin bietet ein zusätzliches Programm an." Das sei ein guter Baustein. Bürgermeister Robert Scherer bedankte sich für die Diskussion, die für ihn auch die Zeit vor seinem Amtsantritt beleuchtet habe, und meinte zur Sprechstunde: "Ich sehe das als ersten Schritt in Richtung Jugendarbeit." Und das für eine geringe Summe. Scherer: "Lasst uns das doch einfach starten, sonst werden wir nicht vorankommen."