Seit rund einem Jahr kooperiert die Sommertal-Gemeinschaftsschule mit dem staatlichen Droste-Hülshoff-Aufbaugymnasium (DHG). Dessen Schulleiter Philipp Strack wirbt ebenfalls für das ganz eigene Meersburger Modell. Fitz unterstreicht: "Hier ist alles möglich" – Schüler könnten die gesamte Laufbahn von der Grundschule bis zum Abitur in Meersburg absolvieren.

Während der Übergang von der Gemeinschaftsschule in andere Schularten grundsätzlich nach jedem Schuljahr möglich ist, bietet das DHG noch zwei besondere Gelegenheiten: Schüler können nach Klasse 6 ins Aufbaugymnasium wechseln und nach Klasse 10 ins allgemeinbildende, neunjährige Gymnasium.

Die Klassen 7 und 11 sind dabei laut Strack eine Art Übergangszeit, in der die Schüler auf den gleichen Stand gebracht werden. Der Weg könne auch andersherum verlaufen, sagt Strack: vom Gymnasium zur Gemeinschaftsschule – und später eventuell wieder zurück aufs Gymnasium. Zur Kooperation zwischen den beiden Schulen meint Strack: "Wir hoffen, dass sich das rumspricht." Denn manche hielten das DHG für ein Privat- oder ein Musikgymnasium. Beides ist falsch. Richtig ist, dass Schüler ab Klasse 7 zwischen einem Musikprofil und einem naturwissenschaftlichen Profil wählen können.

Seit dem Frühjahr 2017 tauschen sich die beiden Schulen regelmäßig aus, die gegenseitige Lehrerhospitanz wolle man künftig noch verstärken, bekräftigt Fitz. Die Schulen profitierten von der jeweiligen Kompetenz der Partnerin. "Wir haben Fachleute für Lese- und Rechtschreibschwäche", betont Fitz. Derzeit gehört dem Kollegium der Gemeinschaftsschule ein Gymnasiallehrer an. Zusätzlich unterrichten zwei Gymnasiallehrerinnen Chemie und Französisch. Strack ergänzt, dass auf dem DHG – im Gegensatz zu anderen allgemeinbildenden Gymnasien – der Start der zweiten Fremdsprache auch ab der Elften möglich sei.

Im Sommer 2017 schnupperten drei Gemeinschaftsschüler aus der damaligen Neunten ins DHG. Dieses Jahr machen Schüler des allerersten Gemeinschaftsschuljahrgang an der Sommertalschule Mittlere Reife, rund die Hälfte der ehemaligen Fünftklässler. Und drei davon wollten tatsächlich aufs Gymnasium. Die Sorge, dass es einmal mehr werden, als das DHG aufnehmen kann, hat Strack nicht: "Es wird wohl immer eine einstellige Zahl sein." Zumal auch die Gemeinschaftsschule laut Fitz "eine kleine Schule bleiben wird, wir streben eineinhalb- bis zweizügig an". Mancher Gemeinderat hat zwar Angst, dass die Schülerzahl einmal zu gering sein wird, vor allem angesichts der rund sechs Millionen Euro, die derzeit in die Sanierung und Erweiterung der Gemeinschaftsschule gesteckt werden. Doch Bürgermeister Robert Scherer betont beim Infoabend: "Das war die richtige Entscheidung." Scherer, der selbst über den zweiten Bildungsweg zwei Studienabschlüsse erreichte, meint: "Für mich ist die Gemeinschaftsschule so etwas wie ein zweiter Bildungsweg", da sie alle Optionen ermögliche. "Ich kann sie nur unterstützen, wenn Sie diesen Weg einschlagen für Ihre Kinder", sagt er den Eltern. Fitz wirbt für die pädagogischen Vorzüge dieser Schulart, etwa individuelles Lernen: "Wenn Sie unsicher sind, welche Schule am besten für Ihr Kind geeignet ist, dann ist die beste Entscheidung ganz klar die Gemeinschaftsschule."

 

Schüler führen durch die Sommertal-Gemeinschaftsschule

Schüler können am besten für ihre Schule werben, dachte die Schulleitung der Sommertal-Gemeinschaftsschule und so führen neben Lehrkräften auch vier Schülerinnen und Schüler der Klasse 7a am Infoabend die jungen Interessenten herum. Ihre Eltern lassen sich erst noch im Musiksaal über diese Schulart informieren, bevor sie sich den Rundgängen anschließen.

Eine der Schüler-Führerinnen ist Ann-Kathrin Kiefer. Sie habe viele Fragen zum Thema Selbstbewusstsein beantworten müssen. Damit habe sie selbst anfangs Probleme gehabt. "Aber hier sind die Klassen so klein, da traut man sich auch zu strecken." In der Grundschule sei sie ziemlich faul gewesen, gesteht Ann-Kathrin. "Hier habe ich selbst gemerkt, dass ich was machen muss. Man muss sich die Aufgaben einteilen, sonst schafft man's nicht" den Wochenplan zu erfüllen. Manche fragten sie auch, wie's mit Mobbing aussehe. Das komme kaum vor. "Wir haben auch Streitschlichter." Die jungen Interessenten können sich zudem spielerisch auf einer Rallye mit der vielleicht künftigen Schule vertraut machen. Der Preis: eine Tüte Gummibären. Auf großes Interesse stoßen bei den Kindern etwa die Experimente im Chemie- und Physiksaal, die die Lehrkräfte Christian Jansen und Jennifer Glas vorführen. So finden die Kinder es lustig zu beobachten, wie sich ein Schokokuss im Vakuum aufbläht und bei anschließender Luftzufuhr wieder schrumpft. Netter Nebeneffekt: Den Versuchsgegenstand darf man hinterher aufessen.

Ann-Kathrin Kiefer, Klasse 7a, Sommertal-Gemeinschaftsschule: "Hier sind die Klassen so klein, dass man sich traut zu strecken. Und ich habe selbst gemerkt, dass ich was für die Schule machen muss."
Ann-Kathrin Kiefer, Klasse 7a, Sommertal-Gemeinschaftsschule: "Hier sind die Klassen so klein, dass man sich traut zu strecken. Und ich habe selbst gemerkt, dass ich was für die Schule machen muss." | Bild: Sylvia Floetemeyer

Adrian Kiefer aus Markdorf interessiert sich für die Sommertal-Gemeinschaftsschule, weil diese bereits seine Schwester besucht. Marlin Müller, der noch in die Grundschule Leimbach geht, ist noch unschlüssig und will sich tags darauf auch noch die Salemer Gemeinschaftsschule anschauen. Felix Leanza aus Bermatingen gefällt, dass die Schule so klein ist. Das finden auch seine Mutter Maria Leanza sowie seine Schwester Emely gut, die derzeit in die sechste Klasse im Gymnasium Markdorf geht und ebenfalls gerne nach Meersburg wechseln möchte, die Schule in Markdorf sei "so riesig". Mutter Maria Leanza kennt noch ein weiteres gutes Argument für Meersburg: "Meine Schwester ist hier auf der Schule und macht gerade Mittlere Reife" – nachdem man ihr auf ihrer früheren Schule gesagt habe: "Das schaffst du nie." 

Maria Leanza, Mutter von Felix und Emely, die auf die Schule möchten: "Uns gefällt, dass die Schule so klein ist. Und: Mein Schwester macht hier gerade Mittlere Reife, nachdem man ihr früher gesagt hat: Das schaffst du nie."
Maria Leanza, Mutter von Felix und Emely, die auf die Schule möchten: "Uns gefällt, dass die Schule so klein ist. Und: Mein Schwester macht hier gerade Mittlere Reife, nachdem man ihr früher gesagt hat: Das schaffst du nie." | Bild: Sylvia Floetemeyer