Anfang nächsten Jahres wird die Sanierung des Ratskellers abgeschlossen sein. Im Frühjahr werden die Räumlichkeiten bei einem Tag der offenen Tür vorgestellt. Ein neues Nutzungskonzept liegt noch nicht vor. Knapp ein Jahr dauerte die Sanierung der 1936 eröffneten Wirtschaft. Seit 2005 wurde das Restaurant nicht mehr verpachtet und nur noch sporadisch für Veranstaltungen genutzt.

Moderne Technik im Hintergrund verborgen

Anlässlich der Begehung mit dem Gemeinderat erklärte Bürgermeister Robert Scherer: "Es fehlen noch etwa fünf Prozent bis zur endgültigen Fertigstellung." In enger Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden sei es Bauamtsmitarbeiter Bernd Engesser gelungen, das historische Ambiente zu erhalten und dennoch alle Anforderungen an die Sicherheit zu erfüllen und die moderne Technik im Hintergrund zu verbergen. Hinter der restaurierten Holzvertäfelung verlaufen die Stromkabel und das Lüftungssystem.

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Boden raus, Lüftungsanlage rein

Engesser erklärte: "Eine gewaltige Lüftungsanlage musste verbaut werden, da die meterdicken Außenwände eine ungewöhnlich hohe Durchnässung aufwiesen." Umfangreiche Arbeiten seien auch erforderlich gewesen, um die im Boden der Nebenräume liegenden alten Gussleitungen zu erneuern. Engesser beschrieb den Zustand: "Der komplette Boden musste raus, da die alten Rohre nur noch hauchdünn waren."

Ratskeller künftig barrierefrei

Der Ratskeller ist in Zukunft auch barrierefrei zugänglich, ein Hublift für Rollstuhlfahrer und eine behindertengerechte Toilette wurden eingebaut. Die alten Tische und Stühle wurden aufgearbeitet, ebenso die Einrichtungsgegenstände aus Metall, wie Lampen und Garderoben. Das Wappen der Stadt, die Zunftwappen und die Uhr werden wieder aufgehängt.

Historische Fenster von großem Wert

Kunstwerke besonderer Art sind die historischen Fenster. Anhand der alten Kostenaufstellung des damaligen Architekten Erich van Meerendonk konnte Engesser darstellen, dass die Fenster damals alle zusammen 865 Reichsmark kosteten. Er stellte gegenüber: Würde man sie heutzutage neu auf diese Art herstellen, müsste man 10 000 bis 15 000 Euro pro Fenster veranschlagen.

Bernd Engesser vom Bauamt und Glasveredler Andreas Dierig (von links) mit der Scheibe aus dem kleinen Ratsstüble, die vergrößert wurde und nun ein Fenster im Hauptraum ziert.
Bernd Engesser vom Bauamt und Glasveredler Andreas Dierig (von links) mit der Scheibe aus dem kleinen Ratsstüble, die vergrößert wurde und nun ein Fenster im Hauptraum ziert. | Bild: Lorna Komm

Mit größter Vorsicht hoben der Überlinger Glasveredlermeister Andreas Dierig und Schreiner Daniel Burkhardt die frisch restaurierten Glasfenster in die über drei Meter hoch gelegenen Nischen und schraubten sie an die Rahmen.

Fenster zeigen Meersburger Persönlichkeiten

Die Originale, die 1935 von Ernst Georg Haller in einer speziellen Schlifftechnik auf Glas ausgeführt wurden, zeigen zeitgenössische Persönlichkeiten wie Doktor Fritz Zimmermann und Bürgermeister Karl Moll. Ähnlich der Gravurtechnik habe Haller die Motive gegen das Licht aus dem farbigen Glas herausgearbeitet und dabei die Schichten in zehntel Millimetern abgetragen, beschrieb Dierig die Arbeitsweise des Konstanzer Künstlers. "Es handelt sich um eine Technik, die ich in dieser Dimension vorher noch nicht gesehen habe." Bis auf ein Fenster leuchten sie tiefrot.

Glaskünstler arbeitet mit zwei verschiedenen Techniken

Das Zimmermann-Fenster ist in Orange gehalten. "Das erste Fenster wurde im Krieg zerstört", erklärte der Glaskünstler. "Nach dem Krieg hat Haller das ursprüngliche Glas nicht mehr herbekommen." Deshalb habe Haller auch auf eine andere Technik zurückgreifen müssen. "Hier handelt es sich um eine Wachsschicht zwischen zwei Gläsern", erklärte der Restaurator. Im Laufe der Zeit sei die äußere Scheibe aufgrund eines Defekts schwarz angelaufen. Dierig hat diese ersetzt und das Kunstwerk wiederhergestellt.

Ein Fenster durch Farbglas ersetzt

Erhalten geblieben sind fünf Originalfenster. Eines aus dem Nebenzimmer, dem kleinen Ratsstüble, musste dem Abzug der Lüftungsanlage weichen. Es wurde mit einer Fläche aus rotem Glas vergrößert und ziert nun den Hauptraum. Für ein fehlendes Fenster im Nebenzimmer, für das es keine Originalvorlage gab, wurde eine Scheibe aus mundgeblasenem Farbglas von der Glashütte Lamberts gefertigt, erläuterte Dierigs Mitarbeiterin Susanne Hackenberg.