Auf dem Fähreparkplatz wird ein neues Parkdeck entstehen, das der Stadt unterm Strich ein Plus von 265 Autostellplätze einbringen soll. Den Baubeschluss dafür fasste der Gemeinderat unisono. Die geschätzten Kosten für das Deck liegen bei rund 4,5 Millionen Euro.

Seit 30 Jahren ein Thema

Von "großer Schritt" über " historische Entscheidung" bis hin zu "Sternstunde" reichten die ausnahmslos positiven Wortmeldungen im Gremium. Kein Wunder: "Das Parkplatzproblem ist seit über 30 Jahren ein Thema in der Bevölkerung, den Gästen, dem Gemeinderat und der Verwaltung", wie die Verwaltung in ihrer Vorlage festhielt. Doch es wurde in dieser Zeit zwar viel diskutiert, aber wenig entschieden seit 1986, dem Bau des Parkhauses in der Stefan-Lochner-Straße. Entsprechend einmütig ist nun die Zustimmung zu dem von Bürgermeister Robert Scherer vorgestellten Vorhaben, auch wenn sich die Mehrheit einig ist, dass es nur ein erster, aber wichtiger, Schritt zur Abhilfe des Parkraummangels sei: Scherer meinte im April diesen Jahres, in Meersburg fehlten 500 bis 600 Parkplätze, laut der Aussagen von Hoteliers wie Gastgeber-Sprecher Michael Gröer sind es gar bis zu 800.

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Überschwängliche Reaktionen

Doch: "Endlich ein Anfang", fand Michael Gilowsky (Umbo), selbst Hotelier, und ergänzte, 800 Parkplätze wären nicht finanzierbar gewesen. Andere Reaktionen fielen noch weit überschwänglicher aus. So meinte Peter Schmidt (CDU): "Wir treffen heute eine der wichtigsten Entscheidungen der letzten 25 Jahre." Denn in Meersburg hänge ein Thema am anderen "und wir haben nun endlich den Grundbaustein aufgestellt".

Hier soll das neue Parkdeck entstehen.
Hier soll das neue Parkdeck entstehen. | Bild: Ute Schönlein

Boris Mattes (SPD) fand: "Schön, dass wir das Thema endlich so weit haben" und sagte mit Blick auf Scherer: "Die Jahre vor Ihnen waren äußerst zäh." Allerdings, so Mattes, habe früher auch die Finanzierung große Probleme bereitet. Doch nun wisse man: "Wir können's stemmen."

Finanzierung über Kredite

Die Finanzierung soll teils über Kredite erfolgen, da, so erklären Scherer und Kämmerin Heike Sonntag laut Vorlage, "die momentanen Konditionen für die Kommunen sehr günstig sind und die Verwaltung eine Refinanzierung aufgrund der großen Nachfrage sieht".

Markus Waibel (FW) schloss sich dem Lob für Scherer an. "Wir haben viele Jahre lang um Kaisers Bart diskutiert. Ich hätte nie gedacht, dass es noch einen Bürgermeister gibt, der dieses Thema angeht." Rund um das Parkhaus gebe es sicher noch viele Dinge zu diskutieren, meinte Waibel und schloss sich damit Mattes an. "Auch das kostet noch ein bisschen Geld, es wird nicht bei 4,5 Millionen Euro bleiben", glaubt Waibel. "Aber dieses Signal zu stellen war absolut überwichtig."

Das neue Parkdeck in Meersburg soll im rückwärtigen Bereich des Fähre-Parkplatzes entstehen.
Das neue Parkdeck in Meersburg soll im rückwärtigen Bereich des Fähre-Parkplatzes entstehen. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Frey spricht von Sternstunde

Heinz Frey (FW) unterstrich: "Eine Sternstunde! Ganze Generationen von Räten haben sich hier die Zähne ausgebissen. Mir gefällt, dass man das Projekt mit Augenmaß angeht: Baustein für Baustein." Er wünsche sich aber dass man die sechs weg fallenden Busparkplätze anderswo ersetze. Peter Köstlinger (CDU) schloss sich dem Lob seiner Vorredner an, mahnte jedoch: "Aber es ist nur eine halbe Sache, wenn wir nicht Zu- und Abgang gescheit planen." Am wichtigsten sei der Besucherablauf in die Unterstadt.

Umweltgruppe schaut auf Bäume

Monika Biemann (Umweltgruppe) betonte, ihre Fraktion sei sehr kritisch gegenüber den Parkhausplänen der letzten Jahre gewesen. "Mit diesem Entwurf können wir jedoch leben." Wichtig sei nicht nur, dass die meisten Bäume erhalten blieben, sondern dass man sie auch während der Bauphase schütze. Christine Ludwig (Grüne) sagte, sie sei begeistert, auch "wenn es vielleicht nicht ausreichend Parkplätze für meinen Geschmack sind". Sie verspreche sich aber eine Verbesserung für die Altstadt sowie eine Stärkung deren Wohnfunktion. Michael Gröer, der wie etliche Kollegen und Bürger die Sitzung verfolgte, meinte hinterher: "Es war Zeit." Mit einem Zuwachs von 265 Parkplätzen "kommen wir erst mal über die Runden." Doch das reiche auf Dauer nicht, schon gar nicht, wenn der Brandschutz verschärft und eines Tages sogar die ganze Unterstadt autofrei werden sollte, wo auch Gröers Hotel "Schiff" steht. Er freue sich über den Baubeschluss. Aber, so Gröer lächelnd: "Die Sektkorken knallen erst auf dem fertiggestellten Parkdeck."

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