Beim Dächle-Fest, das die Zunft veranstaltete, um Geld für die Instandsetzung des Dachs zu sammeln, konnten sie ein oder mehrere Fläschchen Meersburger Secco mit Spezialetikett erwerben als symbolische Ziegelsteine à fünf Euro – oder auch sonst bei Speis und Trank tüchtig zugreifen.

Ehrenamtliche bewirten die Gäste

Rund 30 Ehrenamtliche waren im Einsatz, um die Gäste zu bewirten, die von den "Original Stehgreiflern" musikalisch unterhalten wurden. Das Gebäude, in dem die Narrenzunft residiert, gehört dem städtischen Spitalfonds, der sie dem Verein gegen "eine günstige Miete" überlässt, wie Zunftmeister Norbert Waßmer betonte. "Aus diesem Grund fühlen wir uns verpflichtet, zum Unterhalt der Zunftstube beizutragen."

In vielen Arbeitsstunden wird Häuschen hergerichtet

Das tut die Zunft, die rund 500 Mitglieder hat, seit sie das Häuschen 1992 übernahm. In vielen Arbeitsstunden richtete sie das Häuschen zwei Jahre lang her, bevor sie es 1994 feierlich eröffnete. Ihr Ziel sei es nun, für die anstehende Dachsanierung 10 000 Euro zusammen zu bekommen, auch durch weitere Aktionen.

Von 1930 bis 1950 als Arrestzelle genutzt

Bevor die Narren einzogen, hatte das Häuschen zuletzt, ab 1972, als Archiv für das frühere städtische Krankenhaus gedient. Die Narrenzunft habe, bevor es ans Renovieren ging, erst die ganzen uralten Röntgenbilder der Meersburger Bürger entsorgt, erzählt Waßmer Augen zwinkernd. Auch die weitere Vorgeschichte des 1790 erbauten Anwesens ist interessant: 1856 erwarb es der damalige "Bären"-Wirt für seine Tochter, die einen Herrn Kapun ehelichte, weshalb das Gebäude heute noch als "Kapunsches Häusle" bekannt ist. 1920 ging es in den Besitz der Stadt über, die es von 1930 bis 1950 als Arrestzelle nutzte "auch für Ausnüchterung", wie Waßmer hervorhob.

Ab 1947 wieder Fasnet gefeiert

Zu diesem Thema steuerte sein Vorgänger als Zunftmeister, Peter Schmidt, der an diesem Tag zwei gut besuchte Führungen zur Fasnet anbot, eine Anekdote bei: Nach dem Zweiten Weltkrieg durfte Meersburg, früher als viele andere Städte unter französischer Besatzung, bereits ab 1947 wieder Fasnet feiern. Doch ganz so geheuer waren die Bräuche den neuen Herren nicht: Während eines Hemdglonkerumzugs forderten, so Schmidt, angeheiterte Narren die französischen Soldaten auf Alemannisch auf, doch mitzumachen.

Vier Narren wandern in die Zelle

Doch diese verstanden die Einladung falsch und setzten vier Narren in der Arrestzelle fest. Deren Eisengitter baute übrigens erst die Narrenzunft bei der Instandsetzung des Häuschens Anfang der 1990er Jahre aus, wie Waßmer anhand von Fotos zeigt. So schließt sich ein närrischer Kreis. Doch die Geschichte der Zunft im Kapunschen Häuschen soll noch lange fortdauern: 2017 verlängerte sie den Mietvertrag mit dem Spital um weitere 30 Jahre.