Es ist Freitag kurz nach 9 Uhr. Eine Maschine aus Bali landet auf dem Züricher Flughafen. Es ist eine besondere Maschine, denn es sind keine Passagiere an Bord, die erholt von einem Urlaub zurückkehren. Es ist der Ambulanzflug von Marcus Samsa. Der 39-jährige Meersburger hatte 18 Tage zuvor einen dramatischen Badeunfall und war faktisch bereits ertrunken. Nach einer viertelstündigen Reanimation am Strand durch ein ägyptisches Pärchen kam er wieder zurück ins Leben.

Das war passiert

Marcus Samsa hat sich bei dem Unfall drei Wirbel gebrochen und eine Menge Salzwasser geschluckt. Deshalb ist sein Zustand bis heute ernst, aber stabil. Er wird liegend transportiert und beatmet. Auf dem Züricher Rollfeld wartet bereits der Krankentransport. Eine gute halbe Stunde später trifft er im Konstanzer Klinikum ein.

Gut drei Stunden später landet eine weitere Maschine in Zürich. Darin sitzen Samsas Freundin Mandy Neumann, seine Schwester Sandra Frischhut sowie Freund und Chef Hubert Böttcher. „Als wir auf dem Rollfeld waren, haben wir sofort das Handy angemacht und eine Nachricht erhalten, dass alles geklappt hat“, berichtet Mandy Neumann. „Wir sind dann direkt noch in Sandalen nach Konstanz gefahren.“

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Ein erstes großes Ziel ist erreicht. Das Trio hat 18 Tage lang versucht, Marcus Samsa nach Deutschland zu holen. „Ohne die Hilfe aus Deutschland hätten wir das nicht geschafft“, betont Hubert Böttcher. „Es war unglaublich, wie viele ihre Kontakte haben spielen lassen, um uns zu unterstützen.“ Allerdings sei es lediglich ein erster Schritt auf einem noch langen Weg für Marcus Samsa.

Momentan spürt er seine Beine nicht

In Konstanz wird der 39-Jährige erst einmal gründlich untersucht. „Die Ärzte in Bali haben einen wirklich sehr sehr guten Job gemacht“, berichtet Neumann. Auch wenn der Flug für Samsa anstrengend gewesen sei, geht es ihm den Umständen entsprechend gut. Die künstliche Beatmung ist momentan nicht mehr nötig, wobei er nach wie vor Sauerstoff bekommt. Seine Schultern und Arme kann er bewegen, die Finger allerdings nicht. Seine Beine spürt er momentan gar nicht. „Im Krankenhaus wird er immer wieder mal aufgesetzt“, erzählt Böttcher. „Damit hat er wenigstens ein bisschen Bewegung.“ Mittlerweile ist der Meersburger in eine Spezialklinik geflogen worden. Dort wird er die kommenden Wochen an seiner Rehabilitation arbeiten.

In Deutschland gibt es eine Welle der Hilfsbereitschaft. Über das Internet sind bereits 116 000 Euro zusammengekommen, um Samsa zu unterstützen. „Das ist wirklich unglaublich, wie viele hier helfen“, freut sich Neumann. „Das hat uns auf Bali enorm Kraft und Motivation gegeben.“ Das Geld ist deshalb wichtig, weil der 39-Jährige keine Auslandskrankenversicherung hatte. Allerdings flog er in der Annahme nach Bali, eine zu haben.

„Wir haben unsere bisherigen Urlaube immer über ein Internetportal gebucht“, erklärt Mandy Neumann. „Nach dem letzten Türkeiurlaub bekamen wir dann einen Brief mit dem Hinweis, dass wir als treue Kunden im Goldclub Bonusprogramm aufgenommen seien.“ Diese beinhalte einen zweijährigen Auslands-Krankenschutz. Was allerdings nicht gelesen wurde, war das Kleingedruckte, denn darin stand, dass dieser Schutz nur gelte, wenn auch über das Portal gebucht werde. Und genau das war nicht der Fall. Die Folge: Die kompletten Kosten, die sich mittlerweile auf mehr als 150 000 Euro belaufen, müssen selbst getragen werden.