Frau Neumann, Herr Böttcher, die wichtigste Frage vorneweg: Wie geht es Marcus Samsa?

Mandy Neumann: Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Seit Anfang der Woche muss er nicht mehr beatmet werden, wobei er nach wie vor Sauerstoff bekommt. Die Lungenentzündung ist noch nicht überstanden, kann nun aber gezielt behandelt werden. Und er wird immer mal wieder aufgesetzt.

Ist er bei Bewusstsein?

Neumann: Das ist er. Wir können mit ihm reden, und er hat seinen Humor nicht verloren.

Die Lunge ist das eine, aber viel schwerwiegender ist die Verletzung im Hals. Wie geht es ihm da?

Neumann: Er hat drei Halswirbel gebrochen, die bei der Operation auf Bali versteift wurden. Marcus hat nach wie vor eine Halskrause, die ihn stützt. Die Ärzte in Deutschland haben ihn noch einmal komplett untersucht und bestätigt, dass ihn die Kollegen auf Bali sehr gut versorgt haben.

Kann er sich bewegen?

Hubert Böttcher: Er kann die Schultern und die Arme bewegen. In den Fingern hat er zwar Gefühl, kann sie aber kaum bewegen. In den Beinen fühlt er momentan leider gar nichts, auch wenn er auf Bali noch Reflexe gezeigt hat.

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Der Badeunfall auf Bali ereignete sich am Nachmittag. Können Sie sich noch erinnern, wie sie vom Unfall erfahren haben?

Neumann: Auf jeden Fall. Ich war im Ferienhaus und habe geschlafen. Da kam jemand, weckte mich und sagte, dass Marcus ertrunken sei. Er hat mich eine halbe Stunde vorher noch mit dem Roller ins Ferienhaus gefahren, weil es mir nicht gut war.

Böttcher: Ich hatte mich auch hingelegt und wurde ebenfalls geweckt. Im ersten Moment dachte ich nicht, dass es so etwas Gravierendes sein würde.

Was haben Sie dann gemacht?

Böttcher: Wir sind direkt in die ambulante Notaufnahme gefahren. Ich bin dann weiter mit ihm ins Krankenhaus.

Marcus Samsa wurde am Strand eine Viertelstunde lang reanimiert. Konnte er sich an den Unfall erinnern?

Neumann: Es war ein ägyptisches Pärchen, das ihn am Strand wiederbelebt hat. Marcus sagte im Krankenhaus, dass er in die Welle gesprungen sei und es dann geknackst hat. Außerdem sprach er davon, dass er ertrunken sei.

Wie war die Zeit danach?

Neumann: Es war die Hölle. Ein Arzt sagte, dass er sterben würde, da er eigentlich sofort operiert werden müsse. Dies war aber nicht möglich, da er Blutverdünner nahm.

Böttcher: Sie erklärten uns, dass der Hals durch die Wirbelbrüche anschwellen würde und er so ersticken würde, wenn nicht operiert wird. Andererseits würde er durch den Blutverdünner verbluten, wenn man ihn operiert. Das war eine wirklich dramatische Situation.    

Marcus Samsa bei seinem Bali-Urlaub kurz vor dem dramatischen Badeunfall.
Marcus Samsa bei seinem Bali-Urlaub kurz vor dem dramatischen Badeunfall. | Bild: privat

          

Wann wurde die Diagnose dann besser?

Neumann: Am frühen Abend, als die Spezialisten kamen. Die sagten zunächst, er habe 20 Prozent Überlebenschance und am nächsten Morgen waren es 40 Prozent.

Wie war er untergebracht?

Böttcher: Er lag in einem Raum mit etwa zehn anderen Schwerverletzten. Es war recht laut im Raum, so dass Marcus kaum schlafen konnte. In der Zeit, in der der auf Bali lag, sind auf dieser Station zwei Personen gestorben. Das war sicher nicht einfach.

Vier Tage nach dem Unfall ist er operiert worden. Laut Ärzten hieß es, dass er eine 50-prozentige Überlebenschance habe. Wie war das für Sie?

Neumann: Es waren die längsten fünf Stunden meines Lebens. Es ist unglaublich hart, sich von seinem Freund verabschieden zu müssen, ohne dass man weiß, ob er wieder lebend aus dem OP kommt.

Böttcher: Hinzu kommt, dass die Ärzte, die extra aus Jakarta eingeflogen wurden, gesagt haben, dass die Operation drei Stunden geht. Sie waren allerdings erst nach fünf Stunden fertig.

Wann wurde Ihnen klar, dass Sie die Kosten tragen müssen?

Neumann: Richtig realisiert haben wir es etwa drei Tage nach dem Unfall, als wir in den Verträgen das Kleingedruckte gelesen hatten.

Sie hatten also doch eine Auslandskrankenversicherung?

Neumann: Wir sind in der Annahme nach Bali geflogen, ja.

Wie das?

Neumann: Wir buchen unsere Urlaube eigentlich immer über ein Onlineportal. Nachunserem letzten Urlaub erhielten wir eine Brief, dass wir als treue Kunden in das sogenannte Goldclub Bonusprogramm aufgenommen worden seien, das einen zweijährigen Auslands-Krankenschutz beinhalte. Allerdings ist es so, dass dieser nur gilt, wenn man auch über das Portal die Reise gebucht hat. Die Bali-Reise war allerdings unsere erste Reise, die wir anders gebucht hatten.    

Bali gilt als sehr beliebtes Reiseziel.

Und dann wurden die Freunde in Deutschland aktiv?

Böttcher: So ist es. Als die Operation geglückt war, bekamen wir einen Anruf von meiner Tochter Melanie, die einen Beitrag im Fernsehen gesehen hatte, dass es da ein spezielles Spendenportal gebe. Als sie fragte, ob sie mit ihrem Freund etwas starten solle, haben wir zugesagt.

Und dann begann eine beeindruckende Welle des Zuspruchs.

Neumann: Es war unglaublich. Wir haben auf Bali alles mitbekommen. Auch Marcus wurde über alles informiert, der von der Anteilnahme überwältigt war. Das hat ihm garantiert ganz viel Kraft gegeben. 

Böttcher: Wir übrigens auch. Und es hat uns motiviert und Kraft gegeben, mit Hochdruck vor Ort an der Rückreise zu arbeiten.

Im Urlaubsparadies Bali passierte das Unglück.

Momentan sind etwa 110.000 Euro zusammengekommen. Wie weit kommen Sie mit dem Geld?

Neumann: Die Krankenhaus- und Operationskosten und der Ambulanzflug zurück haben deutlich mehr gekostet als wir bislang zusammen haben. Wir sind aber überglücklich, dass wir eine dermaßen große Unterstützung haben.

Den Ambulanzflug nach Deutschland haben Sie von Bali aus organisiert. Wie schwer war das?

Böttcher: Wir sind alles Laien. Das bedeutet, wir mussten uns über alles erst einmal informieren. Dabei hatten wir eine wirklich unglaubliche Unterstützung von Deutschland. Es haben sich viele erkundigt und Kontakte spielen lassen. Letztlich haben wir mehrere Anbieter angefragt, hatten drei konkrete Angebote und mussten uns für eines entscheiden.  

Wie viel hat der Flug dann letztlich gekostet?

Böttcher: Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart.

Am Freitagvormittag landete Marcus Samsa in Zürich. Wie haben Sie davon erfahren?

Neumann: Per Nachricht auf dem Handy, als wir mit unserem Linienflug in Zürich gelandet waren. Wir waren sehr erleichtert, als wir erfuhren, dass alles glatt gelaufen ist.

Marcus Samsa an einem entspannten Abend vor dem Unfall.

Was haben Sie dann gemacht?

Neumann: Wir sind direkt zu ihm nach Konstanz ins Krankenhaus gefahren – mit Sandalen.

Liegt er immer noch in Konstanz?

Böttcher: Nein, mittlerweile wurde er in eine Spezialklinik geflogen. Auch hier wollen wir nicht sagen wohin, da das Wichtigste, was Marcus jetzt benötigt, Ruhe und Zeit ist.

Neumann: Aber auch hier hat er seinen Humor nicht verloren, weil er sich tierisch auf den Flug mit dem Hubschrauber gefreut hat.  

 

Die Fragen stellte Reiner Jäckle