Positiv sind eigentlich nur die Zahlen. Da freut es, wenn sie schwarz sind. Ansonsten weckt die Farbe Schwarz oftmals negative Assoziationen. Was sich vom Markdorfer Kunstverein freilich nicht sagen lässt. Dort ist man positiv gestimmt. Denn nachdem erste Lockerungen der Pandemie-Schutzverordnungen dem Kulturbetrieb nach langen Wochen des Stillstands endlich wieder einen gewissen Spielraum schenken, lädt der Verein zu einer neuen Ausstellung ein. Erst der zweiten in diesem Krisenjahr, in dem lediglich „Im Prozess“, die Hommage-Ausstellung für Barbara Seifried, zu sehen war.

Improvisieren war angesagt

Danach mussten aber coronabedingt sowohl die geplante Ausstellung mit Plastiken von Agnes Keil als auch die mit Arbeiten von Fernando Rascon und Rocio Infestas aus Mexiko ausfallen beziehungsweise verschoben werden. Wie Johanna Bischofberger vom Vorstand des Kunstvereins berichtete, sollten, sobald möglich, die Skulpturen von Agnes Keil gezeigt werden. Was dann aber ein anderes Ausstellungsprojekt der Bildhauerin aus Leutkirch vereitelt hat.

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Man machte sich also ans Improvisieren. Und es war Ingrid Friedel-Neumann, gleichfalls im Kunstvereinsvorstand, die für Markdorf eine Wiederauflage der zum Jahreswechsel im Kloster Bad Schussenried gezeigten „SchwarzWeiss“-Ausstellung vorschlug.

Zahl der Künstler auf acht festgelegt

Nach ihrem Besuch im Konventsgebäude der ehemaligen Reichsabtei hatten sich die Markdorfer Aufsichtskräfte ausgesprochen angetan geäußert über die Ausstellung von elf Künstlern mit ihrer strengen Konzentration auf die Facetten der Schwarz-Weiß-Opposition. „Wir haben also angefragt“, erklärte jetzt Johanna Bischofberger beim Pressegespräch am Mittwochabend. Und so kam die neue „SchwarzWeiss“-Ausstellung zustande. Wobei sich der Kunstverein auf acht statt elf Künstler beschränkt.

„SchwarzWeiss“

„Wir mussten das Konzept an die Markdorfer Verhältnisse anpassen“, erklärte Ingrid Friedel-Neumann. Dabei habe man sowohl die räumlichen Verhältnisse in der Stadtgalerie als auch das hiesige Publikum im Auge gehabt.

Kein politisches Statement

„Nein, ein politisches Statement hatten wir nicht im Sinn“, versicherte Johanna Bischofberger. „ScharzWeiss“ sei auch keine Reaktion auf andere sich während der Corona-Krise verschärfenden Kontraste, ergänzte Heide Staiger, die neben Johanna Bischofberger und Ingrid Friedel-Neumann die neue Ausstellung besorgte. „ScharzWeiss“ sei eher der griffige Titel, ein schlüssiges Auswahlkonzept – beim Versuch einer mit elf Teilnehmern doch schon größeren Künstlergruppe ein gemeinsames Forum zu bieten. So wie dies die in Bad Schussenried von Amanda Knapp kuratierte Ausstellung versucht hat.

Schwarz-Weiß-Kontrast – zwei Porträts von Gabriele Einstein.
Schwarz-Weiß-Kontrast – zwei Porträts von Gabriele Einstein. | Bild: Jörg Büsche

„Eins zu eins wollten wir das Projekt im Kloster aber nicht abbilden“, betonte Ingrid Friedel-Neumann. Durch die Auswahl neuer Arbeiten, durch eine veränderte Gruppierung sei in der Markdorfer Stadtgalerie nun eine ganz andere, eine ganz neue Ausstellung entstanden. Wobei die drei Frauen vom Kunstvereinsvorstand durchblicken ließen, wie heftig das Ringen war, bis das Bad Schussenrieder Konzept sich auf die Markdorfer Verhältnisse anwenden ließ

Maximal 20 Besucher finden gleichzeitig Einlass in die neue Ausstellung des Kunstvereins.
Maximal 20 Besucher finden gleichzeitig Einlass in die neue Ausstellung des Kunstvereins. | Bild: Jörg Büsche

Monika Leister, die Kunsthistorikerin aus Radolfzell, die im Frühjahr 2019 bereits in die Stadtgalerie-Ausstellung mit Arbeiten von Regine Rostalski eingeführt hat, sieht das auf die Auswahl schwarz-weißer Werke gestützte Konzept durchaus nicht als beliebig an.

Bunt sind in der neuen „SchwarzWeiss“-Ausstellung allein die Flaschen mit dem Desinfektionsmittel.
Bunt sind in der neuen „SchwarzWeiss“-Ausstellung allein die Flaschen mit dem Desinfektionsmittel. | Bild: Jörg Büsche

Denn mit den Grafiken von Katrin Günther, den Linienführungen von Ulla Mross und den vorwiegend im Graubereich operierenden Bildern von Anna Fedorov sei das Schwarz-Weiß als Thema angelegt. Sodass die Variationen duch die Seestücke von Gabriele Einstein, die Skulpturen von P. Ariane Ehinger und D. A. Marbach sowie Amanda Knapp schon recht nahe gelegen hätten – und überdies schlüssig seien, träfen doch Organisches und Unorganisches, Konkretes und Symbolisches aufeinander – im Kontrast oder sich verschränkend.

Skulpturen und Bilder
Skulpturen und Bilder | Bild: Jörg Büsche