Die Neunt- und Zehntklässler des Schulverbunds am Markdorfer Bildungszentrum (BZM) haben am Mittwoch ihre Abschlusszeugnisse bekommen. Wegen der Covid-19-Pandemie musste jedoch die sonst übliche feierliche Zeugnisübergabe in der Stadthalle ausfallen. „Zum Glück brauchten wir am Ende doch keine Kuverts zu verschicken“, erklärte Veronika Elflein, die Schulleiterin am Schulverbund.

Schulleiterin Veronika Elflein lobt ihre Schüler für deren Leistungen.
Schulleiterin Veronika Elflein lobt ihre Schüler für deren Leistungen. | Bild: Jörg Büsche

Denn das Stuttgarter Kultusministerium hatte Ende Juni eine „gestaffelte Zeugnisübergabe“ erlaubt. Sofern die Corona-Verordnung der Landesregierung befolgt werde. Abstandsgebot statt Umarmung, Flächendesinfektion statt Händeschütteln hieß das Gebot im alten Theaterstudio des Bildungszentrums, wo die Übergabe der 171 Abschlusszeugnisse dann doch noch ihren würdigen Rahmen fand.

Mit Abstand bestuhlt war das Theaterstudio für die Schüler und ihre Eltern.
Mit Abstand bestuhlt war das Theaterstudio für die Schüler und ihre Eltern. | Bild: Jörg Büsche

„Sie sehen es ja an der Kleidung“, erklärte Schulleiterin Elflein. Festliches überwog. Weniger die von den Schulentlass-Zeremonien in der Stadthalle gewohnte Abendgarderobe, Ballkleider waren gestern eher die Ausnahme, doch „fein gemacht“ hatten sich fast alle Schüler. Sandalen und kurze Hosen waren die Ausnahme. Auch bei den Eltern, die bei der Zeugnisübergabe anwesend sein durften.

Recht zufrieden zeigt sich die 9a der Werkrealschule.
Recht zufrieden zeigt sich die 9a der Werkrealschule. | Bild: Jörg Büsche

31 Werkrealschüler bekamen ihren Hauptschulabschluss. 33 Werkrealschul-Zehntklässler konnten ein Zeugnis mit dem mittleren Bildungsabschluss in Empfang nehmen. Und die 107 Abgänger der Realschule am Schulverbund des BZM gingen ebenfalls mit der Mittleren Reife nach Hause.

Ganz fabelhafte Leistungen haben die Schüler der Realschulklasse 10a erbracht.
Ganz fabelhafte Leistungen haben die Schüler der Realschulklasse 10a erbracht. | Bild: Jörg Büsche

Für sehr viele dieser Schüler ist die Schullaufbahn nun aber immer noch nicht beendet. Einige Werkrealschulschüler werden nach den Sommerferien ein zehntes Schuljahr anhängen, um im nächsten Sommer den mittleren Bildungsabschluss in der Tasche zu haben. Andere machen eine Ausbildung, wechseln zu einer anderen Bildungseinrichtung. Und von den Realschülern streben etliche das Abitur an.

„Schule ist für mich noch nicht vorbei, ich mache noch die zehnte Klasse nach den Sommerferien.“Nathalie Schwanfelde, 17
„Schule ist für mich noch nicht vorbei, ich mache noch die zehnte Klasse nach den Sommerferien.“Nathalie Schwanfelde, 17 | Bild: Jörg Büsche

„Bleibt auch weiterhin fleißig“, gab ihnen Rektorin Elflein mit auf den Weg, nachdem sie die „tollen Leistungen“ ihrer Schüler gelobt hatte. „Wenn ihr Rat braucht“, so wandte sich Schulverbunds-Konrektor Klaus Spatzier an seine Abgänger von der Werkrealschule, „dann kommt zu uns – wir werden euch helfen“.

„Heute ist schon ein ganz besonderer Tag, für viele unserer Schüler der letzte Schultag.“Klaus Spatzier, Konrektor am Schulverbund
„Heute ist schon ein ganz besonderer Tag, für viele unserer Schüler der letzte Schultag.“Klaus Spatzier, Konrektor am Schulverbund | Bild: Jörg Büsche

Hilfreich und überaus konstruktiv sei gewesen, was Ralph Spieth in den zurückliegenden Jahren als Elternbeiratsvorsitzender eingebracht habe, erklärte Veronika Elflein. Seine Kritik habe Spieth nie zurückgehalten. Gerade dafür sei sie ihm besonders dankbar, versicherte die Schulleiterin. Sie bedaure, dass Spieth sein Amt nun aufgibt. Nachdem sein Sohn Marco die Schule – mit dem Abgangszeugnis in der Tasche – verlässt.

Blick auf Zukunft mit Corona

„Keine Abschlussfeier, die späteste Zeugnisausgabe bisher und ein Schulhalbjahr im Zeichen der Corona-Krise“, kennzeichnete Konrektor Spatzier die „ganz besondere Situation“. Eine Situation, in der Schüler und Eltern auf langen Umwegen durchs Schulgebäude geleitet wurden, damit sie keinen anderen Schülern begegnen.

Um die gesamte Schule herum wurden Schüler und Eltern geführt, um unnötige Begegnungen im Gebäude zu vermeiden.
Um die gesamte Schule herum wurden Schüler und Eltern geführt, um unnötige Begegnungen im Gebäude zu vermeiden. | Bild: Jörg Büsche

Eine Situation, in der sie Mund-Nasen-Masken tragen mussten. Und eine Situation, in der Schulleiterin Elflein weniger auf die zurückliegenden Schuljahre blickte, sondern mehr auf die Zukunft mit Corona. „Seid bitte, bitte ganz vorsichtigt“, appellierte sie an ihre Abgänger. Die jüngsten Ereignisse an Schulen in Friedrichshafen hätten gezeigt, wie groß doch die Gefahren in der Pandemie seien.

Preise für hervorragende Leistungen

Abiturfeier des BZM im Zeichen des Außergewöhnlichen

Direktorin Diana Amann hatte die Abiturienten in ihren Garten eingeladen.
Direktorin Diana Amann hatte die Abiturienten in ihren Garten eingeladen. | Bild: Jörg Büsche

Die Schullaufbahn der 21 diesjährigen Abiturientinnen und Abiturienten des Markdorfer Bildungszentrums war alles andere als „normal“. Und Scheffelpreisträgerin Anna Scherzer zeichnete in ihrer Preisrede ein lebendiges Bild einer Klasse, die weder normal, noch langweilig war.

Im Rahmen des neunjährigen gymnasialen Modellversuchs waren sie die einzige achtjährige Klasse und sie setzten sich durch. Mit einem Abiturdurchschnitt von 2,19 setzten sie ein Zeichen und sechs der Abiturienten warteten mit einer Eins vor dem Komma auf. Die klassischen „Jungs-Domänen“ wie Mathe und Physik wurden dabei von den „Mädchen beherrscht“, so Anna Scherzer.

Veranstaltung im Garten von Diana Amann

Schulleiterin Diana Amann zeigte sich sichtlich bewegt, als sie sagte: „Ich freue mich mit euch allen.“ Auch in Zeiten von Corona müsse es unter Einhaltung der notwendigen Sicherheits- und Hygieneregeln möglich sein, einen würdigen und erinnernswerten Abschluss eines so bedeutenden Lebensabschnitts zu begehen. Kurzerhand hatte die Schulleiterin deshalb die Abiturienten samt Klassenlehrer und Stellvertreter Roger Brandt zu sich in den Garten eingeladen. „So etwas hatten wir noch nie, das darf ruhig Schule machen“, resümierte Oberstufenkoordinator Ingo Bohlke. „Die Initiation ist vollzogen“, und sie darf als gelungen betrachtet werden.

21 Schülerinnen und Schüler werden in die Verantwortung für sich und die Gesellschaft entlassen. Dies hatte Amann zum Thema ihrer Rede gemacht und gerade in der gegenwärtigen Situation an die Verantwortung erinnert, die sich aus dem stetigen Ringen um die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit ergebe.

Still und feierlich wurde es in Amanns Garten, als die Reifezeugnisse übergeben wurden. Als Überraschungsgast ließ es sich Schulleiter a. D. Dr. Gerhard Barisch nicht nehmen, die Abiturienten zu beglückwünschen und Anekdoten aus seiner Zeit am BZM aufleben zu lassen.

Anna Scherzer und Diana Amann (von links) bei der Reifezeugnis-Übergabe.
Anna Scherzer und Diana Amann (von links) bei der Reifezeugnis-Übergabe. | Bild: sk

Nach ausgelassenem Anstoßen und Grillen übergaben die jetzigen Alumnis nach tibetischer Tradition bunte Papierrollen, mit der Aufschrift „Abitur 20“ und je einem Wunsch für und an das Lebens versehen, den auflodernden Flammen.

Weder das Abitur 2020 noch die Lebenswünsche werden auf der Abifeier des BZM Markdorf ein Opfer der Flammen, sondern sollen nach tibetischer Tradition mit dem Wind in die Welt getragen werden.
Weder das Abitur 2020 noch die Lebenswünsche werden auf der Abifeier des BZM Markdorf ein Opfer der Flammen, sondern sollen nach tibetischer Tradition mit dem Wind in die Welt getragen werden. | Bild: Jörg Büsche

„Das soll auf keinen Fall bedeuten, dass ihr euer Abitur und eure Wünsche in den Wind schreiben sollt, sondern dass ihr den Wind beauftragt, beides in die Welt zu tragen“, bekräftigte die Schulleiterin.

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