„Ich freue mich auf meine neue Aufgabe, will aber hier auch ein bestelltes Feld hinterlassen.“ Das sagt Spitalfonds-Leiter Ralf Scharbach. Nach zweieinhalb Jahren an der Spitze des städtischen Eigenbetriebes, für den er zugleich auch der Leiter des Altenpflegeheims St. Franziskus und des städtischen betreuten Wohnens ist, verlässt der 46-Jährige Ende Januar nächsten Jahres Markdorf. Ihn zieht es in die Nachbarschaft: In Überlingen wird er zum 1. Februar 2023 die Stelle des Abteilungsleiters Bildung, Jugend und Sport antreten. Damit kehrt Scharbach gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück. Von 2009 bis 2017 war er im Salemer Rathaus bereits für die Kindergärten und Schulen zuständig, der heutige Markdorfer Stadtkämmerer Michael Lissner war damals sein Chef.

Das Altenpflegeheim St. Franziskus hat 40 Betten, aktuell ist es zu nahezu 100 Prozent ausgelastet. 2023 werden Gemeinderat und ...
Das Altenpflegeheim St. Franziskus hat 40 Betten, aktuell ist es zu nahezu 100 Prozent ausgelastet. 2023 werden Gemeinderat und Verwaltung sich nochmals der Frage nach einem Erweiterungsbau annehmen müssen. | Bild: Grupp, Helmar

„Für mich war immer klar, dass ich mittelfristig wieder in die normale Verwaltung zurück will“, sagt Scharbach. Dass nun die Stelle in Überlingen frei wurde, sei ein Glücksfall gewesen. „In der Kombination von Arbeitsort und Aufgabenzuschnitt hat das einfach gepasst.“ Denn Scharbach wohnt mit seiner Familie, er hat zwei Töchter, die noch zur Schule gehen, in Nesselwangen. Von dort aus kann er künftig mit seinem E-Bike zur Arbeit fahren.

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Ein Personalkarussell

Doch der Wechsel ist auch eine Rochade: Scharbach tritt in Überlingen die Nachfolge von Abteilungsleiterin Adelheid Hug an, die als Hauptamtsleiterin nach Owingen wechselt. Die Owinger Hauptamtsleiterin Regina Holzhofer wiederum wird als Nachfolgerin von Klaus Schiele im nächsten Jahr neue Hauptamtsleiterin in Markdorf werden.

Auch das gehört zu den Aufgaben des Spitalverwalters: Ralf Scharbach (von links) meldet den Impfstatus seines Hauses an das ...
Auch das gehört zu den Aufgaben des Spitalverwalters: Ralf Scharbach (von links) meldet den Impfstatus seines Hauses an das Gesundheitsamt, unterstützt wird er von den Pflegefachkräften Uwe Walter und Nathalie Herr. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Scharbach verhehlt nicht, dass seine zweieinhalbjährige Zeit in Markdorf recht kurz gewesen ist. Auf irgendeine freie Stelle hätte er sich aber auch nicht beworben. Bei der frei werdenden Stelle in Überlingen habe aber alles gepasst. „Hätte ich mich dort nicht beworben, hätte ich mir das sicher noch lange vorgeworfen“, sagt Scharbach.

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Gemeinsam mit seinem Vorgänger und Kurzzeit-Leiter Heinrich Lang hat Scharbach den vor vier Jahren nach langer Misswirtschaft finanziell und organisatorisch am Boden liegenden Spitalfonds wieder auf Vordermann gebracht. Das sieht man auch im Rathaus so. Riedmann attestiert dem 46-Jährigen, eine „herausragende Arbeit, sowohl im kaufmännischen als auch im menschlich-persönlichen Bereich“ gemacht zu haben. Er bedauere den Weggang seines Führungsbeamten, habe aber Verständnis für dessen Entscheidung.

Anfang 2021 war das Seniorenheim St. Franziskus von einem schwerwiegenden Corona-Ausbruch betroffen. Rund 30 Bewohner und zehn ...
Anfang 2021 war das Seniorenheim St. Franziskus von einem schwerwiegenden Corona-Ausbruch betroffen. Rund 30 Bewohner und zehn Pflegekräfte hatten sich mit dem Virus infiziert. Hier bereiten im Januar 2021 Artur Marchel und Petra Ludwig vom Markdorfer DRK, der das Pflegeteam des Hauses unterstützt hatte, Corona-Schnelltests für die Bewohner vor. | Bild: Grupp, Helmar

Scharbach wiederum sagt: „Ich renne ja nicht davon und gehe auch nicht im Bösen, für mich gehe ich mit einem guten Gefühl.“ Im Rückblick auf seine Arbeit sagt er auch, es sei eine „Riesen-Herausforderung“ gewesen. Die Finanzen mussten wieder in Ordnung gebracht, vier liegengebliebene Jahresabschlüsse in zwei Jahren nachgeholt, Pflegesatzverhandlungen geführt und die Mitarbeiter wieder neu motiviert werden. Eine Mammutaufgabe – und dann kam Corona. Waren dafür alle Maßnahmen umgesetzt, folgte Anfang 2021 noch der gravierende Corona-Ausbruch im Pflegeheim: Rund 30 Bewohner hatten sich infiziert, außerdem zehn Pflegekräfte und neun Bewohner des betreuten Wohnens. Ein entspannter Job sieht anders aus.

Im Spitalfonds gibt es wieder ein Wir-Gefühl

„Trotzdem will ich die Zeit in Markdorf nicht missen“, sagt Scharbach. Unter den rund 50 Spitalfonds-Mitarbeitern gebe es heute wieder ein Gemeinschaftsgefühl, wirtschaftlich seien Fonds und Pflegeheim auf einem guten Weg, auch wenn 2023 wegen hoher Kostensteigerungen finanziell ein schwieriges Jahr werde. Doch das 40 Betten zählende Pflegeheim sei mit einer Belegung von 38 bis 38,5 Betten im Jahresschnitt nahezu komplett ausgelastet, die Spitalküche bei den Kosten neu aufgestellt und die Digitalisierung im Pflegebereich wichtige Schritte vorangebracht. 2023 werde das Thema Erweiterungsbau wieder politisch diskutiert werden müssen. Doch das ist dann die Aufgabe des Nachfolgers oder der Nachfolgerin. Er selbst wird bis Ende Januar noch arbeiten, auch damit die Vakanz nicht noch länger andauern muss. Dafür nimmt er dann einen Teil seines Resturlaubs mit nach Überlingen.