Christiane Keutner

Hedi Göllner freut sich sehr: Die 88-Jährige, die seit fast zwölf Jahren in der betreuten Seniorenwohnanlage St. Franziskus lebt, sieht ihren Brieffreund Leon Blaschke beim Pressegespräch zum ersten Mal. Beide finden sich sehr sympathisch. Leon ist 14 Jahre alt, er schreibt vier Bewohnern oder telefoniert mit ihnen. Anlass war eine von der katholischen Kirche initiierte Aktion „Briefe gegen die Einsamkeit“, auf die Leon durch seine Mutter aufmerksam wurde.

„Vor 14 Tagen hat er zum ersten Mal so einen netten Brief geschrieben. Ich war freudig überrascht, habe mich bedankt und er hat wieder geschrieben. Zu Ostern gab es ein Nest und eine Karte mit einem Hasen, den der sechsjährige Bruder Eric gemalt hat. Da habe ich gedacht, ‚Mein Gott, du bist nicht allein‘“, berichtet Hedi Göllner. Wegen ihrer Arthrose in den Fingen telefonieren sie und Leon nun miteinander. „Etwas Small Talk“, meint Leon Blaschke. „Hauptsache, man denkt an andere“, erwidert Hedi Göllner.

Eine Osterkarte hatte Leon geschrieben und sein Bruder Eric hatte gemalt.
Eine Osterkarte hatte Leon geschrieben und sein Bruder Eric hatte gemalt. | Bild: Christiane Keutner

Auch Leon freut sich über das Kennenlernen und dass seine Briefe solchen Anklang finden. „Ich fand die Idee einfach toll, dass es anderen nicht so langweilig wird und es ist für mich auch eine Abwechslung.“ Am ersten Brief habe er zwei, drei Stunden gesessen. „Ich habe versucht, offen, locker und nicht so förmlich zu schreiben.“ Und das alles von Hand. Inhalt und Form kommen bestens an. Bruder Jannes, neun Jahre, pflegt ebenfalls Brieffreundschaften zu Senioren.

Hausleitung ist dankbar für Engagement vieler Helfer

Thea Fink, 88, freut sich regelmäßig über anonyme Briefe und bedankt sich sehr dafür auf diesem Wege. „Für eine liebe Omi/Opi“ steht darüber. Sie und ihre Mitbewohner profitieren auch von der Fürsorge der Einrichtung, besonders von Hausleiterin Susanne Blaser, die ihre Sprechzeiten erweitert hat und die sich wiederum herzlich bei allen Helfern bedankt, „die versuchen, den eingeschränkten Alltag erträglicher zu machen“.

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Geistige und körperliche Fitness trainieren

So hatte Betreuerin Elisabeth Holzschuh ein Gymnastikheft mit Sportübungen verfasst und sie leicht verständlich illustriert, damit die Bewohner beweglich bleiben, ihre körperliche und damit verbunden auch geistige Fitness trainieren. Ansonsten werden die Bewohner zweimal wöchentlich zu Sitz- und Stehgymnastik eingeladen. Nach einem Aufruf des Mehrgenerationenhauses konnten Erwachsenen-Malbücher, Stifte, Sudoku und andere Rätselhefte verteilt werden.

Helfer sind angetan von „netten Bewohnern“

Die Kinder der Familien Blaschke und Blaser-Kempf hatten gebacken und Osternester vor jede Tür gelegt. Die Bewohner lauschten Treppenhaus- und Hofkonzerten an Türen und Fenstern. Erzieherinnen der Stadt und die Apotheke liefern Lebensmittel und Medikamente und die Helfer seien sehr angetan „von den netten Bewohnern“, berichtet Susanne Blaser.

Aktionen zeigen Wirkung

Die Hilfsbereitschaft zeige Wirkung. Die Bewohner seien dankbar, nehmen die Angebote an. Hedi Göllner meint: „Seit ich die Gymnastik mache, habe ich keine Rückenschmerzen mehr.“

Beschränkungen bis mindestens Mitte Juni

Froh über alle Ideen ist auch Spitalverwalter Heinrich Lang: „Als die Beschränkungen kamen, hat uns das ziemlich Not gemacht. Wir wussten nicht, ob ehrenamtliches Engagement kommt, weil die Beschränkungen eher als vorübergehend eingeschätzt wurden.“

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Mit der Stadt wurde entschieden, in Anlehnung an Pflegeheimregelungen Besuche auch im betreuten Wohnen zu untersagen. Bis Mitte Juni sind diese einzuhalten, wahrscheinlich, so fürchtet er, noch länger. Unabhängig davon denken Leon Blaschke und Hedi Göllner, dass sie den Kontakt auch nach Corona halten werden.

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