Rund 85 Prozent der Mitarbeiter arbeiten aktuell bei der J. Wagner GmbH von zu Hause aus. „Bei uns gilt die Vorgabe, dass ausschließlich im Mobile Office zu arbeiten ist, wo es die Arbeitsabläufe zulassen“, berichtet Pressesprecherin Tanja-Christina Musik.

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Bereits vor der Pandemie habe das Markdorfer Unternehmen verstärkt auf digitale Vernetzung gesetzt, da die Mitarbeiter in internationalen Teams weltweit zusammenarbeiten würden. „So haben wir im ersten Lockdown schnell umstellen können“, sagt Musik. Die Produktivität sei dadurch nicht beeinträchtigt.

Virtueller Raum für das soziale Miteinander

In der Zusammenarbeit müsse jedoch bewusst virtueller Raum für das soziale Miteinander geschaffen werden. „Da der direkte Austausch am Arbeitsplatz oder bei einem spontanen gemeinsamen Kaffee wegfällt, geben wir in den Meetings nicht nur dem geschäftlichen, sondern auch dem persönlichen Austausch Raum“, erläutert Musik. Dieser gelinge manchmal sogar besser als zuvor. „Aber vor allem bei den neuen Kollegen sind wir mehr gefordert, damit sie sich in der Wagner-Welt integrieren und zu Hause fühlen“, weiß die Pressesprecherin.

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Homeoffice bringt Digitalisierung voran

Ein weiterer Vorteil sei, dass Dienstreisen durch virtuelle Meetings weitgehend ersetzt wurden, was Reisekosten einspare. „Wir sehen das Mobile Office als Chance, da es die Digitalisierung in den Arbeitsabläufen beschleunigt und die Nutzung digitaler Technologien selbstverständlich macht“, so Musik. Allerdings sei auch festzustellen, dass die Mitarbeiter zusätzliche Unterstützung von der IT-Abteilung benötigen.

Die Büroräume sind verwaist: Aktuell arbeiten bei der J. Wagner GmbH in Markdorf etwa 85 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause aus.
Die Büroräume sind verwaist: Aktuell arbeiten bei der J. Wagner GmbH in Markdorf etwa 85 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause aus. | Bild: Julian Pawlowski/www.otica.de

Unter dem Strich sehe die J. Wagner GmbH das Mobile Office positiv. In einer betrieblichen Vereinbarung wurde festgelegt, auch nach Corona einen Teil der Arbeitsleistung im Rahmen mobilen Arbeitens erbringen zu können.

Mehr Familienzeit dank Homeoffice

Milena Lehle, Process & Project Manager bei der J. Wagner GmbH, arbeitet nach ihrer Elternzeit seit vier Monaten wieder komplett von zu Hause aus. „Sowohl mein Mann als auch ich sparen pro Woche rund zweieinhalb Stunden Zeit für die Fahrt von und zur Arbeit ein, die wir als Familienzeit nutzen können“, berichtet sie.

Mehr Zeit für die Familie: Milena Lehle von der J. Wagner GmbH spart pro Woche rund zweieinhalb Stunden Zeit für die Fahrt von und zur Arbeit ein.
Mehr Zeit für die Familie: Milena Lehle von der J. Wagner GmbH spart pro Woche rund zweieinhalb Stunden Zeit für die Fahrt von und zur Arbeit ein. | Bild: J. Wagner GmbH

Jetzt sei es beispielsweise auch möglich, in einer Pause mit dem Hund Gassi zu gehen. „Abgesehen von Besprechungen kann ich mir die Zeit flexibel einteilen und sehr effektiv arbeiten.“ Eher nachteilig findet Milena Lehle, dass so Manches an Austausch mit Kollegen verloren gehe.

Spagat zwischen persönlichen Umständen und Arbeitsanforderungen

„Grundsätzlich ist das Thema Homeoffice eine große Herausforderung für produzierende Unternehmen in der Luftfahrtindustrie“, stellt Dirk Mahlmann, Chief Operating Officer von ZIM Aircraft Seating, fest. Würden die Kunden doch von einer 100-prozentigen Erreichbarkeit ausgehen. Zum einen seien die persönlichen Umstände zu Hause zu bewältigen. Auf der anderen Seite seien im Unternehmen gute Leistungen zu erbringen. „Beides zu meistern war in den letzten Monaten eine außerordentlich hohe Belastung für unsere Mitarbeiter, der wir uns gemeinsam gestellt und bisher hervorragend gemeistert haben“, zieht Mahlmann Bilanz.

Dirk Mahlmann, Chief Operating Officer von ZIM Aircraft Seating in Immenstaad, schätzt die Arbeit im Homeoffice als Herausforderung für produzierende Unternehmen ein.
Dirk Mahlmann, Chief Operating Officer von ZIM Aircraft Seating in Immenstaad, schätzt die Arbeit im Homeoffice als Herausforderung für produzierende Unternehmen ein. | Bild: ZIM Aircraft Seating
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Individuelle Lösungen in turbulenten Zeiten

Trotzdem und gerade wegen der außerordentlichen Leistungen der Mitarbeiter in diesen turbulenten Zeiten und ihrer großen Loyalität zum Unternehmen habe sich ZIM Aircraft Seating bewusst gegen pauschalierte Lösungen entschieden. „Wir besprechen mit dem Mitarbeiter seine jeweils individuelle Situation und finden gemeinsam eine Lösung“, sagt Mahlmann.

Haushalt und Kinder parallel zum Homeoffize ist hart

Mitten im ersten Lockdown hat Daniela Benitz bei ZIM Aircraft Seating ihre Arbeitsstelle angetreten. „Mein Aufgabengebiet kann ich gut von zuhause aus erledigen“, berichtet sie. Es sei jedoch nicht einfach, Job, Home-Schooling, Hausarbeit und Kinder unter einen Hut zu bekommen. „Das ist jeden Tag eine Herausforderung“, sagt Daniela Benitz.

Auch nach der Pandemie würde sie das Home Office nutzen, sagt Daniela Benitz, Mitarbeiterin bei ZIM Aircraft Seating. Im Büro sei der Arbeitstag hingegen klarer strukturiert, was auch von Vorteil sei.
Auch nach der Pandemie würde sie das Home Office nutzen, sagt Daniela Benitz, Mitarbeiterin bei ZIM Aircraft Seating. Im Büro sei der Arbeitstag hingegen klarer strukturiert, was auch von Vorteil sei. | Bild: ZIM Aircraft Seating

Andererseits gebe das Homeoffice die Flexibilität, auf die stets kurzfristigen Veränderungen zu reagieren. „Und der Arbeitgeber hat trotzdem die Gewissheit, dass die Arbeit erledigt wird.“ Allerdings verteile sich der Arbeitstag manchmal über den ganzen Tag. „Haushalt und Kinder immer parallel dazu, das ist schon hart“, gibt die Mitarbeiterin offen zu. Die Folgen seien öfter Kopfschmerzen und sie schlafe schlechter.

Auch nach der Pandemie ist Arbeit von zu Hause eine gute Lösung

Daniela Benitz geht davon aus, dass Homeoffice auch nach der Pandemie eine gute Lösung bleibt. „Ich würde es gerne weiter nutzen, aber nur in bestimmten Situationen.“ Grundsätzlich sei sie gern im Büro, auch weil der Tag dann strukturierter sei. „Mein Arbeitgeber macht da sicher mit. Bisher habe ich sehr gute Erfahrungen mit ihm gemacht.“

Das Unternehmensgebäude von ZIM in Markdorf. Dort ist die Produktion des Flugzeugsitzeherstellers angesiedelt, Verwaltungsbereiche wurden jüngst an den neuen Standort in Immenstaad umgezogen.
Das Unternehmensgebäude von ZIM in Markdorf. Dort ist die Produktion des Flugzeugsitzeherstellers angesiedelt, Verwaltungsbereiche wurden jüngst an den neuen Standort in Immenstaad umgezogen. | Bild: ZIM Aircraft Seating

Büro ist viel mehr als nur ein Ort für die Arbeit

Von vielschichtigen Erfahrungen und Herausforderungen spricht auch Renate Bleher, Geschäftsführerin bei der Konrad Knoblauch GmbH. „Das Homeoffice kann viel Freiheit und einen sinnvolleren Tagesablauf bringen. Dies gilt es jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn das Büro ist mehr als ein Ort, an dem Arbeit verrichtet wird“, sagt Bleher.

Bei der Konrad Knoblauch GmbH bemühe man sich um eine gute Balance für die Mitarbeiter zwischen Home Office und der Präsenz vor Ort, sagt Renate Bleher von der Geschäftsführung.
Bei der Konrad Knoblauch GmbH bemühe man sich um eine gute Balance für die Mitarbeiter zwischen Home Office und der Präsenz vor Ort, sagt Renate Bleher von der Geschäftsführung. | Bild: Konrad Knoblauch GmbH

So gehe es bei Knoblauch auch um Austausch, Wertschätzung, soziale Bindung, Weiterentwicklung und Stabilität. „Das ist mit einem sehr hohen Homeoffice-Anteil schwieriger.“ Für jeden der Mitarbeiter, denen im Homeoffice ebenso wie im Büro vertraut werde, erhoffe sich Bleher eine gute Balance. „Nicht jeder muss jeden Morgen in die Firma fahren.“

Manches läuft im abgeschirmten Homeoffice fast besser

Von einer großen Sehnsucht nach dem Büro und dem Miteinander berichtet Josephine Winkens vom Bereich Arbeitswelten bei Knoblauch. Manche Kollegen müsse man fast zwingen, ins Homeoffice zu gehen. „Unser Büro ist so attraktiv, dass die Mitarbeiter in der Regel lieber hier arbeiten, als zu Hause“, sagt Winkens.

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Gelte es jedoch beispielsweise ein Angebot zu erstellen, laufe das im abgeschirmten Homeoffice fast besser. „Insgesamt glaube ich aber, dass wir auch nach Corona eine hohe Präsenzzeit vor Ort haben werden“, sagt Winkens. Natürlich nehme man die Erfahrung und die Flexibilität mit. „Wir wissen, dass wir das Vertrauen und die Unterstützung der Geschäftsführung haben. Das motiviert.“