Der städtische Spitalfonds, Träger der Altenhilfeeinrichtungen der Stadt, befreit sich Schritt für Schritt von den Lasten der Vergangenheit: Nach und nach wurden zuletzt die Jahresabschlüsse 2018 und 2019 nachgeholt, nun präsentierte Spitalfonds-Leiter Ralf Scharbach den Abschluss des Geschäftsjahres 2020 im Gemeinderat. Und der setzt den Aufwärtstrend fort: „Insgesamt haben wir 2020 ein ganz ordentliches Ergebnis erzielt“, sagte Scharbach. Ordentlich heißt in diesem Fall: Der Jahresfehlbetrag beläuft sich auf knapp 70 000 Euro, nachdem er 2019 noch rund 140 000 Euro betragen hatte. Mit dem städtischen Forst, dem Weinbau und Pflegeheim und Betreutem Wohnen ist der Spitalfonds immer schon ein Zuschussbetrieb gewesen und wird das auch in Zukunft bleiben.

Das städtische Altenpflegeheim St. Franziskus mit 40 Plätzen hat inzwischen eine sehr gute Auslastung. Auf Sicht muss es aber erweitert ...
Das städtische Altenpflegeheim St. Franziskus mit 40 Plätzen hat inzwischen eine sehr gute Auslastung. Auf Sicht muss es aber erweitert oder ergänzt werden, denn der Bedarf lässt sich nicht mehr decken. | Bild: Jörg Büsche

Doch die Jahre der Misswirtschaft bis Ende 2017, als sich zuletzt Schulden und Außenstände von mehr als 300 000 Euro angehäuft hatten, scheinen endgültig überwunden zu sein. Das zeigen auch die anderen Kennzahlen. So stieg zum Beispiel die Belegung des Pflegeheims seit 2018 kontinuierlich auf 89,2 Prozent Ende 2020 an. Zugleich konnten Scharbach und seine Interimsvorgänger Thomas Wieler und Heinrich Lang den Anteil der Fremdarbeitskräfte deutlich reduzieren. Beides zusammen sorgte für eine deutliche Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Pflege, die der Kernbereich des Spitalfonds ist.

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Corona-Krise sorgte nicht für Verluste

Scharbach, der zum 1. Februar 2023 ins Rathaus nach Überlingen wechseln wird, gab im Gremium am Dienstagabend auch einen optimistischen Ausblick auf das nächste nachzuholende Jahresergebnis von 2021, das bereits in Arbeit sei. Dieses soll dem Gemeinderat im Frühjahr vorgelegt werden, antwortete er auf eine Nachfrage von UWG-Rätin Lisa Gretscher. Für 2021 soll der Fehlbetrag erneut etwas geringer ausfallen.

Wechselt zum 1. Februar 2023 nach Überlingen: Spitalfonds-Leiter Ralf Scharbach hat mit seinem Team die finanzielle Schieflage des ...
Wechselt zum 1. Februar 2023 nach Überlingen: Spitalfonds-Leiter Ralf Scharbach hat mit seinem Team die finanzielle Schieflage des städtischen Eigenbetriebs wieder ins Lot gebracht. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Auch Bürgermeister Georg Riedmann sprach von einem „durch und durch erfreulichen Ergebnis“ für 2020. Allerdings sei dies auch durch eine Reihe von einmaligen Sondereffekten erzielt worden, Stichwort Corona. Denn in Summe, so Scharbach, seien die wegen der Pandemie angefallenen höheren Aufwendungen, etwa für Testkapazitäten, Masken, Umbauten, zusätzliches Personal, durch die staatlichen Corona-Hilfen sogar ein wenig überkompensiert worden. So wurden etwa die Einnahmeausfälle wegen der Pandemie mit rund 53 700 Euro erstattet. Ebenso sprang der Staat zur Seite, indem er die Corona-Prämien für die Beschäftigten und die Corona-Mehraufwendungen erstattete, insgesamt mit 86 000 Euro.

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Betreutes Wohnen macht Plus

Für ein Plus von knapp 30 000 Euro in der Gesamtbilanz konnte hingegen das Betreute Wohnen sorgen: Einnahmen von knapp 520 000 Euro stehen in 2020 Ausgaben in Höhe von etwas mehr als 490 000 Euro gegenüber. Beim Weinbau wiederum konnten neben den Pachteinnahmen von der Markdorfer Spitalwein GmbH auch noch 65 000 Euro an Erlösen aus dem Weinverkauf 2017 bis 2018 verbucht werden. Die Spitalküche wiederum, die unter anderem auch die städtischen Schulen bedient, hatte einen Verlust in Höhe von knapp 120 000 Euro geschrieben.

Mission Scherben zusammenkehren erfüllt: Interims-Leiter Heinrich Lang hatte bereits vor dem Amtsantritt von Ralf Scharbach den durch ...
Mission Scherben zusammenkehren erfüllt: Interims-Leiter Heinrich Lang hatte bereits vor dem Amtsantritt von Ralf Scharbach den durch jahrelange Misswirtschaft am Boden liegenden Spitalfonds wieder auf Kurs gebracht. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Im Gemeinderat gab es Anerkennung für die Konsolidierung des Spitalfonds und der städtischen Altenpflege. „Der Spitalfonds war vor nicht allzu langer Zeit noch ein Sanierungsfall, wir können heute sehr zufrieden sein“, sagte CDU-Rat Simon Pfluger. Man sehe mit Freude, dass das Pflegeheim und das Betreute Wohnen so gut angenommen werde, sagte Gretscher. Auch dass die Belegschaft inzwischen wieder zusammengefunden habe, sei ein sehr positives Zeichen. Mit Blick auf die vorangegangene Haushaltsdebatte regte sie an, zu prüfen, ob auf dem Dach des Heims nicht noch weitere städtische Photovoltaikanlagen installiert werden könnten. Die Fraktionen segneten den Jahresabschluss 2020 einstimmig ab, ebenso einstimmig wurden der Stiftungsratsvorsitzende, Bürgermeister Georg Riedmann, und Spitalfonds-Leiter Scharbach entlastet. Die bereits in 2020 vom Rat gewährte Liquiditätshilfe der Stadt in Höhe von 150 000 Euro wird beim Fonds belassen.